# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Selenskyj will genaues Datum für EU-Beitritt
> Der ukrainische Präsident pocht auf einen EU-Beitritt, Wahlen verknüpft
> er mit einem Waffenstillstand. Laut Nato verzeichnet Russland weiter
> erhebliche Verluste.
(IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem EU-Gipfel im Gebäude des Europäischen Rates, 6. März 2025
dpa | In der Diskussion über einen [1][EU-Beitritt der Ukraine] fordert
Präsident Wolodymyr Selenskyj, ein genaues Datum dafür in einem möglichen
Abkommen für eine Beendigung des Kriegs mit Russland festzuhalten. Zugleich
knüpfte er eine Präsidentenwahl in seinem kriegsgeplagten Land in einem
Post auf X erneut an die Sicherheitslage. In Brüssel kommen heute
unterdessen die Verteidigungsminister der Nato-Staaten zusammen, um einmal
mehr über die Unterstützung der Ukraine und die Bemühungen um einen Ausbau
von Abschreckung und Verteidigung zu sprechen.
Für die Ukraine sei es wichtig, alles dafür zu tun, bis 2027 für einen
EU-Beitritt bereit zu sein, schrieb Selenskyj in sozialen Medien. Zumindest
die wichtigsten Schritte werde sie erreichen. Er machte deutlich: „Ich will
ein genaues Datum.“ Wenn in dem Abkommen, das die USA, Russland, die
Ukraine und Europa unterzeichnen sollen, kein genaues Datum stehe, werde
Russland alles dafür tun, um den Beitrittsprozess zu blockieren. Die EU sei
für sein Land eine Sicherheitsgarantie.
Selenskyj hatte Ende Januar einen EU-Beitritt seines Landes schon 2027
gefordert, ungeachtet teils verbreiteter Skepsis in europäischen Staaten.
Schon damals hatte er gesagt, der Beitritt sei eine der wichtigsten
Sicherheitsgarantien auch für ganz Europa.
## Selenskyj reagiert auf Bericht zu Wahl
In den sozialen Medien pochte Selenskyj erneut darauf, dass eine
Präsidentenwahl in der Ukraine an die Sicherheitslage gebunden sei. „Wir
können zu Wahlen übergehen, wenn es alle entsprechenden
Sicherheitsgarantien gibt“, schrieb er. Wenn es einen Waffenstillstand
gebe, werde es Wahlen geben.
Selenskyj reagierte dabei auch auf einen Bericht der Financial Times,
wonach er [2][unter Druck der USA plane, eine Präsidentenwahl und ein
Friedensreferendum noch vor dem 15. Mai anzusetzen]. Dem Bericht nach
könnte er bereits am 24. Februar, dem vierten Jahrestag der russischen
Invasion, die Wahl ausrufen. Die britische Zeitung berief sich auf
ukrainische und westliche Verantwortliche, die mit den Überlegungen
vertraut seien, zitierte aber nicht Selenskyj selbst.
Dieser erklärte dazu nun, der 24. Februar sei ein sehr ernstes Datum und
der falsche Tag, um über Politik zu sprechen. Er könne nicht genutzt
werden, um Wahlen zu verkünden. Ukrainischen Medien zufolge wies Selenskyj
zurück, dass die USA damit drohten, Sicherheitsgarantien zurückzuziehen.
Washington knüpfe diese nicht an Wahlen, sagte er demnach.
Die Forderung nach einer Präsidentenwahl in der Ukraine stammt ursprünglich
aus Moskau, weil der Amtsinhaber Selenskyj angeblich kein legitimer
Ansprechpartner sei. US-Präsident Donald Trump hat sich die Forderung aber
zu eigen gemacht. Kyjiw verweist bislang darauf, dass eine Wahl wegen des
geltenden Kriegsrechts nicht stattfinden könne. Zudem sei die Abstimmung
unter russischen Angriffen, mit Hunderttausenden Männern an der Front und
Millionen von Flüchtlingen im In- und Ausland nicht zu organisieren.
## Ukrainehilfe Thema bei Nato-Treffen
Für Deutschland nimmt [3][Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)] am
ersten Treffen der Nato-Verteidigungsminister in diesem Jahr im
Hauptquartier des Militärbündnisses teil. Er wird am Nachmittag zudem
gemeinsam mit seinem britischen Kollegen John Healey ein Treffen der
sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe leiten. Bei diesem sollen weitere
Militärhilfen für die Ukraine koordiniert werden. Als Gast im
Nato-Hauptquartier wird der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo
Fedorow erwartet. Er will die Nato-Kollegen über die Lage an der Front und
die am dringendsten benötigten Rüstungsgüter für den Abwehrkampf gegen
Russland unterrichten.
## Russland mit erheblichen Verlusten
Die russischen Verluste stiegen indes nach Einschätzung der Nato zuletzt
weiter erheblich. Ein ranghoher Nato-Beamter sprach von etwa 400.000
getöteten oder verletzten russischen Soldaten im vergangenen Jahr.
Insgesamt [4][summiere sich die Zahl der Verluste damit auf rund 1,3
Millionen]. Darunter seien schätzungsweise 350.000 getötete russische
Soldaten. „Moskau opfert damit mehr Männer und Frauen als in jedem
europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte er.
Die Lage für die ukrainischen Streitkräfte bezeichnet der Nato-Beamte
dennoch als „weiter schwierig“. Russische Kräfte machten entlang mehrerer
Abschnitte der Front weiterhin schrittweise Geländegewinne.
„Russische Truppen halten den Druck auf ukrainische Kräfte durch den
[5][massiven Einsatz von Drohnen und Artillerie] aufrecht und setzen auf
zermürbende Taktiken“, sagte der Beamte. Ihre operative Wirksamkeit werde
allerdings durch die Qualität des Personals, logistische Belastungen und
Anpassungen der gegnerischen Kräfte begrenzt. Deshalb bleibe ein
vollständiger Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung trotz begrenzter
Reserven und dünner Verteidigungslinien in diesem Jahr eher
unwahrscheinlich.
## Kallas will EU Plan mit Forderungen an Moskau vorlegen
Seit Wochen laufen intensive Gespräche für eine Beendigung des seit fast
vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs. Zuletzt verhandelten
Moskau und Kyjiw in der vergangenen Woche zum zweiten Mal in Abu Dhabi
unter US-Vermittlung miteinander. Alle Seiten lobten die Verhandlungen
anschließend als konstruktiv, konkrete Ergebnisse wurden allerdings nicht
präsentiert.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte bei Table Media an, den
Mitgliedstaaten einen Plan mit Forderungen an Moskau für einen Frieden
vorzulegen. „Wenn der ukrainischen Armee Beschränkungen auferlegt werden
sollen, muss es auch Beschränkungen für die russische Armee geben.“ In
einem Ende Dezember von Selenskyj veröffentlichten Entwurf für einen von
den USA angestoßenen Friedensplan war die Rede von einer Stärke von 800.000
Soldaten der ukrainischen Armee in Friedenszeiten.
Russland setzte seine Angriffe auf das Nachbarland unterdessen fort. In der
Hafenstadt Odessa wurde bei einem russischen Angriff ein Mensch verletzt
und ein Infrastrukturobjekt beschädigt, wie Militärverwalter Serhij Lyssak
mitteilte.
12 Feb 2026
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