# taz.de -- Nächtlicher Luftangriff auf Odessa: Das leise Surren vor dem Knall
> In der Nacht zu Freitag hat Russland mehrere Städte in der Südukraine
> angegriffen. Russland meldet ukrainische Luftangriffe auf die Region
> Belgorod.
(IMG) Bild: Ein zerstörter Stadtmarkt in Odessa nach einem russischen Angriff am 12. 2. 2026
Gerade zu Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz gab es wieder einen
russischen Großangriff auf die Ukraine. In der Nacht zu Freitag war vor
allem der Süden des Landes betroffen. Es begann mit einem Surren in der
Luft. Wäre Odessa nicht im Krieg, würde man solche Geräusche überhaupt
nicht wahrnehmen. Doch Odessa ist im Krieg. Und wer just in diesem Moment,
am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht, nicht gerade laut Musik hörte,
konnte dieses Surren sofort hören und begreifen, dass sich ein Unheil
ankündigte.
Zu diesem Zeitpunkt war es schon zu spät, sich noch auf den Weg zu einem
Luftschutzraum zu machen. Jeder Odessit weiß, dass es vom ersten Summen bis
zur Explosion nur wenige Minuten sind. Und da ist der Aufenthalt auf der
Straße gefährlicher als in einem fensterlosen Raum in der Wohnung.
Und richtig: kurz darauf gab es einen fürchterlichen Knall, mitten im
Stadtzentrum. Es hörte sich an, als würde drei Straßen weiter ein schwer
beladener Lastwagen von einer Brücke fallen. Wer zu diesem Zeitpunkt immer
noch die Kopfhörer aufhatte, hörte die Explosionen im Zentrum von Odessa
nicht. Doch die Füße begriffen, dass sich irgendetwas am Boden zu bewegen
schien. Laut, schwer und ans Herz gehend. Und dann ging es Schlag auf
Schlag. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Irgendwo draußen konnte man
Schreie hören.
Nach etwa einer halben Stunde wurde es im Stadtzentrum wieder ruhig.
Glücklicherweise funktionierte das Mobilfunknetz noch. Und so telefonierte
man mit Freunden und Bekannten: „Wie geht es Dir? Hast Du noch Heizung,
hast Du noch Strom?“ sind immer die ersten Fragen bei diesen Telefonaten.
„Ich wollte mich gerade duschen, als bei mir eben der Strom ausgefallen
ist“ berichtet Olha. Sie hat zwar eine autonome Gasheizung in ihrer
Wohnung. Doch die wird über einen Boiler betrieben. Und der braucht Strom.
Jetzt muss sie auf dem Gasherd Wasser heiß machen und das mit kaltem Wasser
mischen, um sich zu waschen.
## Tote und Verletzte nach russischen Angriffen auf Südukraine
In der Nacht zum 13. Februar hat Russland zahlreiche Regionen im Süden der
Ukraine mit Drohnen und Raketen angegriffen. Neben Odessa waren auch
Mykolajiw und Cherson betroffen. Getroffen wurden Wohnhäuser,
Energieanlagen, Hafeninfrastruktur und zivile Einrichtungen. Mindestens ein
Mensch kam ums Leben, mehrere wurden teilweise schwer verletzt. Am Morgen
wurde bekannt, dass zwei mehrstöckige Wohnhäuser in Odessa getroffen
wurden. Zudem wurden zivile Infrastrukturobjekte und ein Autohaus
beschädigt. In einer Schule und einem Kindergarten wurden Fensterscheiben
von den Druckwellen der Explosionen zerstört.
In der Folge waren zahlreiche Wohnungen im Raum Odessa ohne Strom, Heizung
und Wasser. Bei einem weiteren Angriff auf einen Hafen in der Region wurde
nach offiziellen Angaben ein Mensch getötet, sechs weitere wurden verletzt,
drei von ihnen schwer. Die ukrainische Luftwaffe meldete, 18 Ortschaften
seien bombardiert worden.
Auch im Osten des Landes gab es wieder russische Angriffe. Beim Beschuss
eines Wohnhauses in der Stadt Kramatorsk sind nach Angaben der ukrainischen
Staatsanwaltschaft drei Brüder ums Leben gekommen. Ihre Mutter und
Großmutter wurden verletzt.
## Russische Ortschaften unter ukrainischem Beschuss
Auch im russischen Grenzgebiet zur Ukraine sind mehrere Menschen verletzt
worden. Besonders betroffen waren Orte im Rajon Graivoron und im Rajon
Krasnojaruschski der Region Belgorod. Neben Wohnhäusern und
Verwaltungsgebäuden wurden auch Fahrzeuge und Versorgungsleitungen
beschädigt. Dies berichtet der Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw
Gladkow, auf Telegram.
In Graivoron wurde ein Mann verletzt, als eine Drohne ein Fahrzeug angriff.
Beschädigt wurden drei Einfamilienhäuser, ein Gewerbeobjekt und drei
Wohnungen. In der Nähe des Dorfes Ilek-Penkovka wurde ein Fahrer verletzt,
als eine Drohne einen Bus traf.
13 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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