# taz.de -- Vor dem EU-Sondergipfel: Der „Grönland-Moment“ soll helfen
       
       > Vor dem Sondergipfel ist es das gemeinsame Ziel, die EU wettbewerbsfähig
       > zu machen. Wie das gelingen soll, darüber sind sich Macron, Merz und
       > Draghi jedoch uneinig.
       
 (IMG) Bild: Mehr EU? Oder weniger? Merz und Macron haben da unterschiedliche Meinungen
       
       Riesiges Interesse und große Begeisterung: So beschreibt EU-Ratspräsident
       Antonio Costa die Stimmung vor dem europäischen Sondergipfel zur
       Wettbewerbsfähigkeit, der am Donnerstag in Alden Biesen bei Maastricht
       stattfindet.
       
       Allerdings wollen die Vorschläge, die Frankreichs Staatschef Emmanuel
       Macron, Kanzler Friedrich Merz und der frühere italienische Regierungschef
       Mario Draghi vor dem Gipfel präsentiert haben, nicht recht zusammenpassen.
       
       Im Gegenteil: Selten sind die unterschiedlichen Visionen und Strategien so
       hart aufeinandergeprallt wie vor dem „Retreat“ (Klausurtagung) in einem
       romantischen Schloss. Die Positionen von Macron und Merz scheinen
       unvereinbar zu sein.
       
       Merz fordert, dass EU-Gesetze künftig ausgesetzt oder sogar zurückgezogen
       werden können, wenn dies der Wirtschaft hilft. Außerdem soll die Mitwirkung
       des Europaparlaments bei der Gesetzgebung eingeschränkt werden.
       
       ## Macron will „Grönland-Moment“ nutzen
       
       Ein „Rückbau“ der EU-Bürokratie, die Stärkung des Binnenmarkts und eine
       ambitionierte Handelspolitik – so lautet der Wunschkatalog aus Berlin.
       Unterstützt wird Merz von Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni.
       
       Ganz andere Akzente setzt Macron. In einem Interview mit mehreren Zeitungen
       forderte er, den [1][„Grönland-Moment“] zu nutzen und die EU massiv zu
       stärken. „Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt“, warnte
       Macron.
       
       Seine Prioritäten heißen Eurobonds (gemeinsame Schulden), „Buy European“
       (eine europäische Präferenz etwa bei der Verteidigung) und [2][ein
       stärkerer Schutz gegen China und die USA,] was Kritiker als Protektionismus
       bezeichnen.
       
       Neu ist das alles nicht – sowohl Macron als auch Merz wiederholen nur
       altbekannte Ideen. Doch während sich das deutsch-französische „Paar“ früher
       um Harmonie bemühte und Kompromisse suchte, liegt diesmal Streit in der
       Luft.
       
       ## Kein Konsens, nirgends
       
       Macrons Vorstoß lenke „von dem ab, worum es eigentlich geht: dass wir ein
       Produktivitätsproblem haben“, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Noch
       mehr Schulden könne sich die EU nicht leisten, daher gehe es nun um
       Reformen.
       
       Doch auch bei den Reformen zeichnet sich kein Konsens ab. Dabei ist genau
       das das Ziel des informellen Sondergipfels: Er soll den Weg für
       weitreichende Beschlüsse ebnen, die dann beim regulären EU-Gipfel Ende März
       verabschiedet werden.
       
       Einig sind sich zwar alle, dass der Binnenmarkt gestärkt werden soll. Doch
       darüber diskutiert die EU seit 20 Jahren – ohne Erfolg. Dasselbe gilt für
       den Bürokratieabbau. Unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
       wurden mehr Gesetze verabschiedet als je zuvor.
       
       Seit einigen Monaten werden die überbordenden EU-Regeln zwar entschlackt
       und entschärft, nach dem Lieferkettengesetz auch beim Verbrenner-Aus. Die
       Industrie klagt dennoch über zu viel Bürokratie und fordert nun auch noch
       Entlastung im Klimaschutz und beim Emissionshandel.
       
       ## Draghi fordert „echte Föderation“
       
       Das ruft Umweltschützer und NGOs wie den WWF Deutschland auf den Plan.
       [3][Die Prioritäten würden falsch gesetzt, kritisiert der WFF]: Für
       Wettbewerbsfähigkeit seien wirksamer Klima- und Umweltschutz unabdingbar.
       
       Für Streit sorgt auch ein Vorschlag aus Italien. Die EU müsse sich von
       einem lockeren Staatenbund zu einer „echten Föderation“ weiterentwickeln,
       fordert Mario Draghi, der in Alden Biesen als Gastredner auftritt.
       
       Doch das wollen weder Macron noch Merz. Um die EU flottzumachen, setzen sie
       auf kleine Gruppen von „Willigen“, die bei schwierigen Themen wie der
       Verteidigung vorangehen. Allerdings haben sich Berlin und Paris auch in
       dieser Frage zerstritten.
       
       Das Projekt eines gemeinsamen Kampfjets steht kurz vor dem Aus. Wenn es
       scheitert, könnten die deutsche und die französische Rüstungsindustrie
       getrennte Wege gehen. Statt mehr Europa à la Draghi drohen dann wieder mehr
       nationale Alleingänge.
       
       12 Feb 2026
       
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