# taz.de -- Bei Volksbegehren und Plakaten: Privatadresse darf in Bremen geheim bleiben
> Bremen ändert Gesetze zur Impressumspflicht und bei Volksbegehren: In
> Zukunft reicht es aus, eine Anschrift anzugeben, unter der man erreichbar
> ist.
(IMG) Bild: Dem Befund dieser Demonstrant:innen auf dem Bremer Domshof stimmen wohl die meisten zu, nun unternimmt das Land auch etwas
Wer sich in Bremen zivilgesellschaftlich engagiert, soll in Zukunft besser
vor Nachstellung geschützt werden. Die private Anschrift muss nicht mehr
bei Volksbegehren sowie auf Flugblättern und ähnlichen Druckerzeugnissen
genannt werden. Ein entsprechendes Gesetz verabschiedete die Bremische
Bürgerschaft auf Initiative der Grünen-Fraktion am Donnerstag in erster
Lesung.
Der gesellschaftliche Diskurs sei dermaßen verroht, dass sich manche
Menschen von ihrem Engagement für die Gesellschaft zurückzögen oder es gar
nicht erst begännen, sagte die Grüne Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla
in ihrer Rede. „Wer sich engagiert, ist leider inzwischen oft
[1][Drohungen, Beschimpfungen, Hass im Internet und persönlichen Angriffen
ausgesetzt].“
Unter diesen Voraussetzungen gebe niemand gern seine private Adresse preis,
so Kai Wargalla. Das muss man bisher aber in Bremen genauso wie in anderen
Bundesländern, wenn man zum Beispiel mit einer Bürgerinitiative ein
Volksbegehren auf den Weg bringen will. Dazu gehört die
[2][Veröffentlichung der Privatanschriften] derjenigen Personen durch den
Landeswahlleiter, die die Zulassung zum Volksbegehren beantragt haben.
In Zukunft soll es reichen, dass nur eine Erreichbarkeitsadresse
veröffentlicht wird, etwa ein Postfach oder die Adresse eines Vereins. Dem
Landeswahlleiter würden weiterhin die Privatadressen als ladefähige
Anschriften vorliegen, erklärte Kai Wargalla.
## Bald kämen Alias-Namen bei Wahlen, ätzt die CDU
Die zweite Änderung betrifft die Impressumspflicht, die nicht nur für
presserechtliche, sondern auch für private Druckerzeugnisse gilt:
Flugblätter, Plakate, Broschüren. Das eigentliche Ziel dieser Vorschrift –
Transparenz – werde nicht erreicht, wenn sich Menschen nicht trauen, ihre
Adressen anzugeben, so die Grünen-Abgeordnete. Deshalb solle auch hier eine
Erreichbarkeitsadresse ausreichen.
Keinen gesetzgeberischen Einfluss haben die Länder, wenn es um
Impressumspflichten im Internet geht. Hier sieht Kai Wargalla den Bundestag
in der Pflicht.
Gegen die landesrechtliche Änderung bei der Impressumspflicht kam
Widerspruch vom Bündnis Deutschland und von der CDU. „Wer auf einem
Flugblatt beleidigt oder hetzt, soll identifiziert werden können“, forderte
Jan Timke vom Bündnis Deutschland. Claas Rohmeyer von der CDU sah es genau
so. „Wer sich engagiert, muss sagen, wer er ist.“ Der nächste Schritt seien
dann wohl „Alias-Namen bei Wahlen“.
Die FDP hingegen stimmte dem Gesetzentwurf zu. „Das Vorhaben stärkt die
Meinungsfreiheit, den Datenschutz und die Demokratie“, sagte der
FDP-Politiker Marcel Schröder. „Wer Hetzflyer verteilt, ist doch nicht so
bescheuert und schreibt seine private Adresse drauf.“ Das Gegenteil beweist
ein Plakat, das aktuell in der Bremer Innenstadt an zwei Stromkästen klebt.
Darauf wird Friedrich Merz von Soldaten auf einer Bahre davongetragen.
Darüber befindet sich der Schriftzug „Begrabt ihn in der Heimaterde“,
darunter eine Münchner Privatanschrift.
Die Grüne Abgeordnete Kai Wargalla begründete die Gesetzesänderung unter
anderem mit den Farbkugel-Würfen auf das [3][Privathaus des Bremer
Verfassungsschutz-Leiters] Ende Januar sowie zuvor [4][fünf Farbanschlägen
in Walle] gegen Personen, die sich politisch engagieren, darunter drei
Mitglieder der Partei Die Linke. Die Adresse des Verfassungsschutz-Leiters
ist immer noch im Netz zu finden – genauso wie die an ihn gerichtete
Drohung: „Fühl dich niemals sicher.“
## Auskunftssperren im Melderegister
Unklar ist, ob das Landeswahlgesetz so geändert werden kann, dass auch
Kandidierende nur noch eine Erreichbarkeitsanschrift angeben müssen. Es
müsse geprüft werden, ob Wahlen damit anfechtbar würden, sagte der
Staatsrat für Inneres, Olaf Bull (SPD).
Er erinnerte zudem daran, dass es seit Ende 2024 leichter ist, eine
Auskunftssperre für die eigene Adresse im Melderegister zu erwirken.
Beantragen kann dies laut [5][Bundesmeldegesetz], wer „einem Personenkreis
angehört, der sich aufgrund seiner beruflichen oder ehrenamtlich ausgeübten
Tätigkeit allgemein in verstärktem Maße Anfeindungen oder sonstigen
Angriffen ausgesetzt sieht“. Nach Angaben der Innenbehörde haben in Bremen
von 580.401 mit einem Hauptwohnsitz gemeldeten Personen 2.481 eine
Auskunftsperre eintragen lassen. Einen Anstieg habe es seit der
Gesetzesänderung nicht gegeben. Kai Wargalla sagte der taz, sie selbst habe
vor Jahren nach der ersten gegen sie gerichtete Morddrohung eine
Auskunftssperre erwirkt.
Und: Die Gesetzesänderung alleine könne nicht bewirken, dass sich Menschen
allen Anfeindungen zum Trotz engagieren. „Das ist eine Aufgabe der ganzen
Gesellschaft. Nur mit Gesetzen alleine [6][bekämpft man die
Rechtsextremisten] nicht.“
2 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zivilgesellschaft-unter-Druck/!6084898
(DIR) [2] https://www.transparenz.bremen.de/metainformationen/gesetz-ueber-das-verfahren-beim-volksentscheid-vom-27-februar-1996-296595?asl=bremen203_tpgesetz.c.55340.de&template=20_gp_ifg_meta_detail_d#jlr-VkEVfGBRV4P13
(DIR) [3] /Nach-Einsatz-von-V-Mann-bei-der-IL/!6148441
(DIR) [4] /Anschlaege-auf-Linke-und-Migranten/!6145195
(DIR) [5] https://www.gesetze-im-internet.de/bmg/__51.html
(DIR) [6] /AfD-gewinnt-Eilverfahren/!6158434
## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
## TAGS
(DIR) Klarnamen
(DIR) Volksbegehren
(DIR) Plakate
(DIR) Datenschutz
(DIR) Persönlichkeitsrecht
(DIR) Anonymisierung
(DIR) Engagement
(DIR) Hetze
(DIR) Hass
(DIR) Bremen
(DIR) Straßenbahn
(DIR) Pressefreiheit in Europa
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Üppige Belohnung ausgelobt: 25.000 Tacken für einen Farbbeutelwerfer
Der Bremer Staatsanwaltschaft will wissen, wer das Haus des Chefs vom
Verfassungsschutz angegriffen hat.
(DIR) Volksentscheid geplant: Bremer Bündnis will Verkehrswende erzwingen
Mit der Initiative „Einfach Unterwegs“ soll sichergestellt werden, dass der
rot-grüne Senat seinen Verkehrsentwicklungsplan tatsächlich umsetzt.
(DIR) Pressefreiheit und Rechtsextremismus: Gemeinsam gegen Angriffe
Rechtsextreme und Neonazis bedrohen Journalist*innen. In einem Aufruf
fordern Medienverbände und Redaktionen besseren Schutz vom Staat.