# taz.de -- Sanierung von Universitäten: Die Milliarde, die niemandem hilft
> Universitäten erhalten für die Sanierung ihrer Gebäude künftig Mittel aus
> dem Sondervermögen für Infrastruktur. Der Bedarf ist groß, doch es gibt
> Haken.
(IMG) Bild: Vintage ist zwar schön anzuschauen, aber ungeeignet für moderne Hochschulbildung
Für Universitäten waren die Zeiten schon mal rosiger. In mehreren
Bundesländern verordnete ihnen die Politik zuletzt ein schmerzhaftes
Spardiktat. In Berlin mussten die Unis im vergangenen Jahr [1][mit rund 140
Millionen Euro weniger auskommen]. Die schwarz-grüne Landesregierung in
Nordrhein-Westfalen hat für dieses Jahr die Grundfinanzierung um 120
Millionen Euro gekürzt. Und auch hessische Hochschulen müssen ab Januar
teils auf zehn Prozent ihres Budgets verzichten.
Mit gravierenden Folgen für das Studienangebot: Die Uni Kassel
beispielsweise kündigte an, bis zu dreißig Professuren zu streichen.
Teilweise müssen an den betroffenen Studienstandorten ganze Fachbereiche
dichtmachen.
Angesichts der klammen Länderkassen richten sich viele Hoffnungen derzeit
an den Bund. Schließlich hat die Bundesregierung aus Union und SPD in
Aussicht gestellt, dass auch Hochschulen Gelder aus dem [2][500 Milliarden
schweren Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität] erhalten
können, das der Bundestag im vergangenen Jahr beschlossen hat.
Seit dieser Woche nun steht fest, mit wie viel Geld die Unirektor:innen
rechnen können. Für „Sofortinvestitionen“ in die „Modernisierung und
Sanierung von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen“ stehen pro Jahr
bis 2029 eine Milliarde Euro bereit. Darauf haben sich am Montag Bund und
Länder im Rahmen einer gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) geeinigt.
## Tropfende Hörsäle selbst in Bayern
Mit dem Geld können die Unis zwar keine Professur weiterführen oder andere
direkte Sparfolgen verhindern – aber immerhin für Entlastung in einem
anderen angespannten Bereich sorgen: dem massiven Sanierungsstau. Selbst im
reichen Bayern prangern Studierende marode Hochschulbauten auf dem Campus
an, zuletzt [3][mit einem kreativen Fotowettbewerb]. Die
Wissenschaftsministerien beziffern den Sanierungsstau an Hochschulen
aktuell auf 140 Milliarden Euro – also ein Vielfaches der bereitgestellten
Gelder.
Wie groß die Lücke ist, wird deutlich, wenn man auf die einzelnen
Bundesländer blickt. So erhält beispielsweise Berlin nach dem bei
Bund-Länder-Programmen üblichen Verteilungsmechanismus gut 52 Millionen
Euro im Jahr – dabei geht allein der Sanierungsbedarf [4][einzelner
Berliner Unis schon in die Milliarden].
Die GWK-Vorsitzende und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) äußerte
sich dennoch „zuversichtlich“, dass die nun möglichen Investitionen
„zeitnah Wirkung für den Hochschul- und Wissenschaftsstandort Deutschland
entfalten“. Auch der stellvertretende GWK-Vorsitzende, Niedersachsens
Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD), ist von der Einigung überzeugt:
„Für die Länder ist dieses Investitionssofortprogramm ein wichtiger
Schritt, um den Sanierungsstau an Hochschulen und
Wissenschaftseinrichtungen mit dem nötigen Tempo abzubauen.“
Die Hochschulen selbst äußern sich deutlich zurückhaltender. Ihr
bedeutendstes Sprachrohr, die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), verwies in
einer Stellungnahme auf die große Lücke zwischen den für bis 2029
bereitgestellten vier Milliarden Euro und dem „allgemein anerkannten
Investitionsbedarf“. Mit dem neuen Programm allein könne dieser Bedarf
nicht gedeckt werden, so HRK-Präsident Walter Rosenthal. „Deshalb ist klar,
dass die jetzt getroffene Vereinbarung nur der Einstieg in ein
langfristiges Zusammenwirken von Bund und Ländern im Hochschulbau sein
kann.“
## Unis oder Kitas
Mit der aktuellen Regierung dürfte das jedoch nicht zu machen sein. Im
Koalitionsvertrag ist zum Thema Hochschulsanierung und -modernisierung
ausdrücklich von einem „befristeten“ Engagement die Rede.
Neben Umfang und Dauer des Programms gibt es noch einen weiteren Haken:
Laut der [5][Bund-Länder-Vereinbarung] dürfen die Mittel neben dem
Hochschulbereich auch in die Kita-Infrastruktur fließen. Welchen Bereich
die Länder stärken, entscheiden sie selbst. Andreas Keller,
Hochschulexperte der Bildungsgewerkschaft GEW irritiert diese Wahlfreiheit.
Damit verweigerten die Minister:innen den Hochschulen „nicht nur die
notwendige Planungssicherheit, sondern delegieren die Verteilungsfrage
elegant nach unten und spielen zwei Bildungsbereiche gegeneinander aus“.
Fakt ist: Für die jährliche Zuweisung der Bundesmittel müssen sich
CSU-Forschungsministerin Bär und Familienministerin Karin Prien (CDU)
künftig abstimmen. Dass das im Kabinett nicht immer reibungslos
funktioniert, konnte man vergangene Woche beobachten. Nach einer Recherche
des Handelsblattes stritten die Koalitionspartner über die Frage, ob die
vereinbarte Bafögerhöhung aus Bärs Etat oder aus dem SPD-geführten
Finanzministerium stammen sollte.
Die Pläne von Schwarz-Rot sehen unter anderem eine [6][stufenweise Erhöhung
der Bafögsätze und der Wohnpauschale] vor. Insgesamt soll die Förderung in
der laufenden Legislatur um mehr als eine Milliarde Euro erhöht werden. Ob
Union und SPD den Zeitplan für die Bafögreform einhalten können, ist
aktuell offen.
11 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Senat-will-Millionen-bei-den-Unis-sparen/!6097255
(DIR) [2] /Sondervermoegen-fuer-Infrastruktur/!6072671
(DIR) [3] https://www.br.de/nachrichten/wissen/marode-hochschulbauten-in-bayern-studierende-zeigen-fotos,V4zTaac
(DIR) [4] /TU-Praesidentin-ueber-Berlins-Sparzwang/!6071647
(DIR) [5] https://www.gwk-bonn.de/fileadmin/Redaktion/Dokumente/Pressemitteilungen/BLV_Modernisierung-Sanierung.pdf
(DIR) [6] /Oekonom-ueber-geplante-Bafoeg-Reform/!6013412
## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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