# taz.de -- Forschungsministerium: Bär setzt zum Höhenflug an, doch hebt nicht ab
> Die Forschungsministerin punktet international, doch ihre Hightech-Agenda
> steckt fest. Auch steht die Frage im Raum, ob sie zu nah an Bayern rückt.
(IMG) Bild: Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, im Bundeskanzleramt in Berlin, am 14. 5. 2025
Sie habe innerhalb der Bundesregierung „das schönste Ministerium“ bekommen,
das man sich denken könne, bekannte die CSU-Politikerin und
Forschungsministerin Dorothee Bär seit ihrem Amtsantritt im Mai mehrfach in
Interviews. Ausgerichtet auf die großen Herausforderungen, die nur mit
wissenschaftlichem Einsatz zu bewältigen sind, gilt das
Bundesforschungsministerium seit jeher als das „Zukunftsministerium“.
Die deutsche Wissenschaftscommunity begrüßte die neue bayerische Leitung,
auch bei den Staatssekretären in der zweiten Reihe, anfangs mit Wohlwollen.
Die Vorgängerinnen nämlich hatten bei den Spitzen von Hochschulen und
Forschungsorganisationen überwiegend ein Gefühl der Enttäuschung
hinterlassen.
Bettina Stark-Watzinger, die seit Langem erstmals für die FDP das Amt
bekleidete, agierte forschungspolitisch dogmatisch und verstand sich eher
als 17. Schulministerin in Deutschland, die dann aber keinerlei Kompromiss
mit ihren Länderkollegen zustande brachte. Davor erwies sich die
Hotelfachfrau Anja Karliczek von der CDU als Fehlbesetzung.
Daher war die Erleichterung zu spüren, als zum Regierungsantritt die
47-jährige CSU-Politikerin nominiert wurde, die seit 2002 dem Bundestag
angehört und in den vorherigen Bundeskabinetten schon als Staatssekretärin
im Verkehrsministerium und als Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt
gearbeitet hatte.
Zudem zog Dorothee Bär in den neuen Bundestag als „Erststimmenkönigin“ ein,
da sie in ihrem fränkischen Wahlkreis Bad Kissingen 50,5 Prozent geholt
hatte – was allerdings dadurch erleichtert wurde, dass die AfD dort keine
Kandidatur zustande brachte.
## Rückt das Forschungsministerium zu nah an Bayern?
Allerdings war ihr das Stimmenglück nicht immer hold. Beim jüngsten
Parteitag der CSU im Dezember erreichte Bär mit 74,6 Prozent nur das
schlechteste Ergebnis der fünf Vizes von Parteichef Markus Söder.
Der Parteikonvent der Christsozialen gab zudem einen speziellen Einblick in
die „hidden Agenda“ des BMFTR in Berlin. Schon bei der Formulierung des
Koalitionsvertrages im April war aufgefallen, wie stark in den Passagen zur
Forschungs- und Technologiepolitik konkrete bayerische Bezüge Eingang
gefunden hatten.
Wie etwa das künftige Mondkontrollzentrum der ESA in Oberpfaffenhofen oder
die nationale Teststrecke für die „Hyperloop“-Magnetbahn. Oder das
Innovationsprogramm „Hightech-Agenda Deutschland“, für das die gleichnamige
bayerische Agenda Pate gestanden hatte.
Daher schien bei etlichen Wissenschaftsbeobachtern die Sorge durch, mit dem
neuen Bundesministerium könnte sich Bayern forschungspolitische Vorteile
verschaffen. Was freilich von Bär bei jeder Gelegenheit bestritten wurde:
Sie handle immer für die gesamte Bundesrepublik.
Und dann sagte Markus Söder auf dem Parteitag diesen Satz, der viele vor
Ort und in der Forschungscommunity entsetzte: „Wir erwarten uns nicht viel
von dir, aber viel Geld nach Bayern, liebe Doro. Das wäre schön.“
Nicht nur ein Hieb in die Magengrube seiner Stellvertreterin, sondern Söder
bestätigte damit die anfänglichen Befürchtungen zu bayerischer
Vorteilsnahme. Inzwischen soll sich Söder bei Bär für seinen Fauxpas
entschuldigt haben, aber bei den Wissenschaftsministern der Bundesländer
hatten die Alarmglocken geklingelt.
## Deutsche bald auf dem Weg zum Mond?
Das kann auch mit der Grund dafür sein, dass die Forschungsministerin bei
der Realisierung ihres Prestige-Projekts Hightech-Agenda mit einigen
Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Zwar konnte Bär auf einigen Feldern
durchaus punkten: [1][Die ESA-Konferenz der europäischen Raumfahrtminister]
in Bremen war im November ein großer Erfolg.
Der deutsche Beitrag von 5,4 Milliarden Euro für den Etat der europäischen
Raumfahrtbehörde führte sogar zu der Zusage, dass der erste Europäer, der
zum Mond fliegt, von deutscher Nationalität sein werde.
Auch in anderen Themenfelder, wie der Förderung der Games-Branche, einem
neuen Programm zu [2][Postcovid-Forschung] oder das
„1.000-Köpfe-plus“-Anwerbeprogramm für ausländische Wissenschaftler wurden
vom BMFTR neue Hebel in Bewegung gesetzt. Diese Initiativen stießen weithin
auf Anklang.
Nur bei der [3][Hightech-Agenda] herrscht seit sechs Monaten Stillstand. Im
Juli war das Programm zu Förderung von sechs Zukunftstechnologien, darunter
künstlicher Intelligenz, Quanten- und Fusionstechnologien, nach schneller
erster Formulierung vorgelegt worden.
Seitdem aber stockt die Formulierung des „Roadmapping“-Prozesses zur
Umsetzung der Technologievorhaben. Auch beim Rollout der Agenda im Oktober
nebst innovationspolitischer Grundsatzrede des Bundeskanzlers fehlten die
konkreten Umsetzungspläne, wie die vorgesehenen 18 Milliarden Euro für die
Agenda in den nächsten vier Jahren ausgegeben werden sollen.
Die größte Barrikade hatte dabei der Haushaltsausschuss des Bundestages
aufgebaut, der im Dezember bei der Verabschiedung des Bundesetats 2026 dem
BMFTR viele Sperrvermerke auferlegt hatte. Erst wenn das Bär-Ministerium
für die Finanztitel der Hightech-Agenda überzeugende und schlüssige
Konzepte vorlegte, würden die Haushaltsparlamentarier die Mittel freigeben.
## Gordischer Knoten beim BMFTR-Etat?
Während alle Welt vom beschleunigten Wettlauf um Spitzentechnologien
spricht, leistet sich Deutschland auf Bundesebene ein
innovationspolitisches „hold on“. Womöglich kann der gordische Knoten beim
BMFTR-Etat in dieser Bundestagswoche durchschlagen werden.
Eine weitere „Baustelle“, die das Bär-Ministerium im neuen Jahr
beschäftigen wird, ist mit dem Stichwort „Transfer“ verbunden. Dabei geht
um die Übertragung von Ergebnissen aus der wissenschaftlichen Forschung in
die wirtschaftliche und gesellschaftliche Anwendung.
Dass Deutschland seit drei Jahren kein nennenswertes wirtschaftliches
Wachstum mehr zustande bringt, ist auch ein Beleg, dass mit dem Transfer
und der Generierung von innovativen Techniken etwas nicht stimmt. In
internationalen Innovationsrankings rutscht Deutschland immer mehr nach
hinten.
Ein eindeutiger Auftrag für das Zukunftsministerium, hier neue Wege
einzuschlagen. Das Problem ist nur, dass ein von der Wissenschaftscommunity
gewünschtes „Innovationsministerium“ an der Blockade von
Wirtschaftsministerin Katharina Reiche gescheitert ist.
Trotz monatelanger Verhandlungen über neue Ressortzuschnitte war sie nicht
bereit, ihre Zuständigkeiten für Industrieforschung und Gründerförderung
abzugeben. So werden beide Häuser, das für Forschung und das für
Wirtschaft, bei Transfer und Innovation weiter ihre eigenen Süppchen
kochen. Es sei denn, aus dem Kanzleramt gäbe es neue Vorgaben. Aber danach
sieht es nicht aus.
18 Jan 2026
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## AUTOREN
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