# taz.de -- Feminismus und Nachhaltigkeit: „Als Frau einen Verlag in Pakistan zu betreiben, ist einsam“
> Verlegerin, Journalistin, Unternehmerin, Podcasterin – Mehr F. Husain ist
> vieles. Mit ihrer Firma will sie nicht nur die Modewelt aufmischen.
(IMG) Bild: Nachhaltigkeit ist ihr großes Thema: Mehr F. Husain
Und plötzlich ist Mehr F. Husain auch noch Verlegerin, steigt selbst in die
Buchbranche ein. Es ist 2020, die britisch-pakistanische Unternehmerin und
Journalistin betreibt zu dieser Zeit bereits Zuka Accessoires, eine soziale
und nachhaltigen Firma für traditionelle Stoffe und Handwerkskunst. Nun der
nächste Schritt – ein Buchverlag.
„Eigentlich wollte ich nie Verlegerin werden“, hat Mehr F. Husain [1][in
einem Interview] mit dem Onlinemagazin Scroll dazu gesagt, doch die
politische Situation habe sie dazu gezwungen. 2019 hatten islamistische
Terroristen einen Anschlag in Kaschmir verübt, die kulturellen Beziehungen
zwischen Indien und Pakistan lagen daraufhin brach. Pakistanische
Autor:innen litten unter der Situation, und die Verlagsbranche ihres
Heimatlands tat nur sehr wenig. „Ich war entsetzt“, erklärte Husain. „So
entstand Zuka Books.“
Husain gründet also im pakistanischen Lahore einen unabhängigen Verlag, der
sich dem Thema Nachhaltigkeit widmet. Sie will den kulturellen Austausch
fördern, möchte Zensur, Genrebeschränkungen und der schwindenden kreativen
Freiheit im Mainstream-Verlagswesen etwas entgegensetzen.
Die Themen von Zuka Books: Identität, Geschlecht, psychische Gesundheit,
Kulturgeschichte. Husain sieht sich auch als Kulturvermittlerin, ihr Verlag
soll eine Plattform für das intellektuelle Terrain Pakistans sein.
Unter der Marke Zuka hat [2][Mehr F. Husain] mittlerweile verschiedenste
Projekte realisiert. Der Name setzt sich aus den Anfangssilben der Namen
ihrer Söhne, Zulfiqar und Kassim, zusammen.
Husain stammt aus der Medienbranche, dem geschriebenen Wort ist sie schon
lange verbunden. Ihre Karriere beginnt sie 2007 als Redakteurin bei einer
großen pakistanischen Zeitung; dort schreibt sie über Politik, als Pakistan
gerade mitten im Krieg gegen den Terror steht. Die Propaganda kommt von
allen Seiten – eine der größten Herausforderungen zu jener Zeit für die
Journalistin. Außerdem berichtet sie über die Textilindustrie.
## Tradition und Gegenwart
Ihre Artikel decken auf, wie koloniale, industrielle und patriarchalische
Kräfte das indigene Handwerk an den Rand gedrängt und die handwerkliche
Arbeit von Frauen abgewertet haben. Sie will die Menschen sichtbar machen,
auf deren Wissen und Traditionen die Mode von Industrieunternehmen beruht.
Husain sieht Handwerk als ein nachhaltiges Entwicklungsmodell –
vorausgesetzt, es wird durch faire, transparente und kultursensible
Rahmenbedingungen gestützt.
2018 gründet Husain das eigene nachhaltige Modeunternehmen Zuka
Accessoires. Ihr Ziel: Sie will indigene Handwerkstraditionen bewahren und
wiederbeleben. Ihre Firma arbeitet eng mit Handwerkerinnen aus ländlichen
Gebieten zusammen, gefährdete Textiltraditionen wie Musselin (Mulmul),
Khaddar und Handblockdruck sollen in die Gegenwart überführt werden.
Als Unternehmerin verzichtet sie dabei auf ausbeuterische Zwischenhändler,
setzt auf den direkten Weg von der Handwerkerin zur Verbraucherin. Die
Produzent:innen profitieren davon.
Mit der Gründung von Zukast, Pakistans erstem Podcast zum Thema
Nachhaltigkeit, erweitert sie 2021 ihr Engagement. Über diese Plattform
untersucht sie Themen wie die Arbeit von Frauen in der Textilindustrie,
Baumwollwirtschaft in der Landwirtschaft und die Geschlechtergleichstellung
in den Lieferketten.
Mit öffentlichen Vorträgen und digitalen Präsentationen macht sie auf die
gemeinsamen Realitäten von Baumwollpflücker:innen, Landarbeiter:innen,
Handwerker:innen und Fabrikarbeiter:innen aufmerksam.
Darüber hinaus will sie auch die digitalen Kompetenzen der Frauen stärken.
Dafür arbeitet Husain mit Organisationen zusammen, die Handwerkerinnen aus
ländlichen Gebieten mit den notwendigen Werkzeugen ausstatten, um sich auf
Onlinemärkten zurechtzufinden, eigene Shops zu eröffnen, an virtuellen
Ausstellungen teilzunehmen und sich als Kleinstunternehmerinnen betätigen
zu können.
Husain ist Nachhaltigkeitsbotschafterin auf mehreren Ebenen: Sie setzt sich
direkt für Handwerkerinnen ein, schafft aber auch Raum für übersehene
Erzählungen. Sie will ein geschlechtersensibles Bewusstsein innerhalb der
Mode- und Textilindustrie fördern, die noch immer aus undurchsichtigen
Lieferketten besteht.
Auch als Verlegerin produziert Mehr F. Husain mit begrenzten Ressourcen,
druckt auf hochwertigem Papier, vermeidet Müll und verzichtet auf
Massenproduktion. Als Frau einen unabhängigen Verlag in Pakistan zu
betreiben, sei „einsam“, sagte sie in einem Interview, denn die
Verlagsszene bestehe fast nur aus Männern. Als sie den Verlag gründete, sei
sie paternalistisch behandelt worden. „Ich musste also die Zähne
zusammenbeißen und standhaft bleiben.“ Das ist sie zum Glück bis heute
geblieben.
6 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://scroll.in/article/1044605/i-was-standing-in-a-wasteland-mehr-f-husain-of-zuka-books-a-woman-led-pakistani-publishing-house
(DIR) [2] https://www.instagram.com/zuka.books/
## AUTOREN
(DIR) Zahra Kazmi
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