# taz.de -- Kino International öffnet nach Sanierung: So chic war die DDR
> Das einstige Premierenkino der DDR war in die Jahre gekommen. Nach
> Generalsanierung eröffnet das Kino International zwei Monate früher als
> geplant.
(IMG) Bild: So schön wie früher, aber zwei Sitzreihen weniger: der Saal des Kino International nach der Generalsanierung
Es passiert in Berlin so gut wie nie, dass umfangreiche Sanierungsarbeiten
an denkmalgeschützten Häusern wie geplant fertig werden. Beim Kino
International in der Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte hat es geklappt. Sogar
zwei Monate früher als gedacht eröffnet das traditionsreiche
Lichtspieltheater nach einer 18 Monate umfassenden Generalsanierung. Die
große Gala – das Grand Opening – findet am 3. März statt, der Spielbetrieb
wird schon am 26. Februar, also kurz nach Ende der Berlinale, aufgenommen.
„Remastered for Masterpieces“ steht in Versalien auf einem
überdimensionalen Plakat über dem Eingang und der Zusatz: „Das Kino
International ist zurück“. Am Montagmorgen war die Presse zu einem Rundgang
geladen.
Was lässt sich Besseres über die aufwendige, denkmalgerechte Sanierung
eines architektonisches Wahrzeichens der Nachkriegsmoderne sagen als: Man
sieht davon so gut wie gar nichts. Genau so lautete das vor zwei Jahren
abgegebene Versprechen der Yorck Kinogruppe, die das International Mitte
der 1990er Jahre gekauft hat. Und man muss ausnahmsweise die Phrase von „in
neuem Glanz“ bemühen: Gleich im Eingangsbereich strahlt die so genannte
Golddecke ganz wunderbar – so muss das wohl zur Eröffnung im Jahr 1963
ausgesehen haben. Die aufgearbeiteten Messingplatten schimmern golden und
werden von 242 LED-Birnen beleuchtet. Deren Fassungen sind noch die
originalen, aus Porzellan und hochwertig, nun alle neu verkabelt.
Saniert sind der großzügige Saal mit der markanten gewellten Decke, dem
berühmten Pailletten-Vorhang und der blauen Bestuhlung. Aufmerksamen
Menschen wird auffallen, dass jetzt zwei Sesselreihen fehlen. Sie wurden
zugunsten der Beinfreiheit geopfert. Das Kino hat nunmehr 506 (statt 551)
Sitzplätze.
Auch die Panoramabar samt Holzvertäfelungen, Parkettfußboden,
Kristallleuchter und dunkelroten Sesseln sieht aus wie früher. „Wie zur
Eröffnung des Hauses im Jahr 1963“, sagt Christian Bräuer, einer der beiden
Geschäftsführer der [1][Yorck Kinogruppe], sichtlich erfreut über dieses
„Wahnsinnsprojekt“. Er bedankt sich bei den Förderern – vom Denkmalschutz
bis zur Lotterie – „ohne die es nicht gegangen wäre“. Bräuer sagt, dass das
Budget erfreulicherweise „im Rahmen“ geblieben sei, ohne konkrete Zahlen zu
nennen. Später im Gespräch mit der taz wird er genauer: Rund 10 Millionen
Euro habe alles zusammen gekostet, so Bräuer – für die unterschiedlichen
Sanierungsarbeiten vom Keller bis zum Dach seien viele verschiedene
Fördertöpfe zum Einsatz gekommen.
## Jedes einzelne Kabel flog raus und wurde erneuert
Dafür wurde das Kino auf Zukunft getrimmt, das machte die vollständige
Schließung notwendig. Von Juli 2024 an wurde die technische Infrastruktur
erneuert, das Kino sah [2][in den Monaten der Sanierung] zum Teil wie ein
Rohbaus mit Wanddurchbrüchen und Kabelschächten aus. Überall waren die das
Haus prägenden Holzlamellen komplett von den Wänden genommen, um sie erst
zu lagern und dann Stück für Stück zu restaurieren – und um an die Wand
beziehungsweise dahinter zukommen. Jedes einzelne Kabel flog raus und wurde
erneuert.
Eindrucksvolle Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: 40 Kilometer
Installations-, 20 Kilometer Fernmelde- und 3,5 Kilometer Rohrleitungen
wurden verlegt. Die Lüftung, vor der Sanierung ein etwas miefiger
Schwachpunkt, wurde dank so genannter „Weitwurfdüsen“ auf einen modernen
Stand gebracht. Die neue Heiztechnik senkt nun den Energiebedarf um rund 70
Prozent. Und endlich ist das Kino mit einem Aufzug zum Saal und
rollstuhlgerechten Sanitäranlagen barrierefrei nach heutigen Standards zu
nutzen.
Natürlich ist die neue Kinotechnik vom Feinsten, was der Presse mit drei
Trailern kurz vorgeführt wird: Wow, das Klangerlebnis hat Tiefe und Wucht.
Ein Laserprojektor ermöglicht Projektionen „auf Cannes-Niveau“, wie es
Heinrich-Georg Kloster, ebenfalls Geschäftsführer der York Kinogruppe,
formuliert.
Ein Schwerpunkt lag auf der handwerklichen Restaurierung der historischen
Ausstattung. Die vielen Wandlamellen (zusammen rund 7 Kilometer) aus
Kirschbaum, Ulme und Esche wurden einzeln aufgearbeitet. Wer genau
hinschaut, kann hier und da kleine Ergänzungen erkennen.
Auch bei den Kalkbruchsteinriemchen, den schmalen länglichen Steinen in der
Treppenhalle und den Aufgängen war viel Handarbeit nötig. Sie wurden vom
Baugeschäft Michael Fischer aus Berlin gereinigt, zum Teil de- und wieder
remontiert, weil auch hier neue Kabel zu den alten Treppenlampen gezogen
werden mussten. Hier und da kleben noch kleine Zettel an einer Lampe mit
Hinweisen wie „Schrauben werden nicht fest“ – einige Restarbeiten sind noch
zu erledigen.
Dass die reibungslose Zusammenarbeit bei so einem herausragenden Denkmal
alles andere als normal ist, unterstreicht Christoph Rauhut. Der
Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin zeigt sich vor
allem begeistert von der Abstimmung der zeitlichen Abläufe, ein Lob in
Richtung des Architekten Daniel Dickmann und seinem Team.
Der ursprüngliche Glanz des Kinos war weg – nun sei er wieder da. „Die
Baugeschichte des Gebäudes erhält ein neues Erfolgskapitel – nun im
Zusammenwirken von privatem Eigentümer und staatlicher Unterstützung – und
Berlin eine Denkmalsanierung, die zeigt, wie leichtfüßig eine solche
gelingen kann, wenn ein Projekt durch Begeisterung und Professionalität
aller Beteiligten getragen wird.“
## Eins der schönsten Kinos – weltweit
Das englische Magazin Time Out hat das Kino International in die Liste der
50 schönsten Lichtspielhäuser der Welt aufgenommen – zu Recht. Das galt
schon vor der Sanierung und danach umso mehr.
Die Berliner:innen können sich davon in wenigen Tagen selbst ein Bild
machen. Am 22. Februar lädt das Kino International zum Tag der offenen Tür
ein. Und mit Pre-Opening-Vorstellungen des Oscar-Anwärters „Marty Supreme“
von Josh Safdie mit Timotheé Chalamet in der Haupttrolle, startet das Kino
am 26. Februar wieder in den regulären Spielbetrieb – alle Karten für die
ersten Tage sind bereits ausverkauft.
Zum Grand Opening am 3. März hat sich unter anderen Staatsminister Wolfram
Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien,
angesagt. Das ist angemessen für die Wiedereröffnung einer Bau-Ikone aus
DDR-Tagen, die nun im generalsanierten Zustand „ziemlich einmalig in
Berlin“ ist und [3][„fast so wie zu DDR-Zeiten dasteht“], wie
Heinrich-Georg Kloster so schön sagt.
Also Vorhang auf! Der ikonisch silbern funkelnde Premierenvorhang wurde
natürlich auch aufwendig restauriert und originalgetreu rekonstruiert. Ein
Mammutprojekt: Mit dem über 400 Quadratmeter große textilen Kulturgut war
ein 20-köpfiges Fachteam einer Berliner Firma für Textilrestaurierung
beschäftigt. Über 40 Millionen Pailletten wurden weitgehend von Hand
geordnet und an vielen Stellen bewusst auf Nähmaschinen verzichtet.
9 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
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