# taz.de -- Warum Migranten die AfD unterstützen: Das Trojanische AfD-Pferd
       
       > Unser Kolumnist versteht die Welt nicht mehr: Sein Kollege Hasan ist in
       > der AfD. Aber es kommt noch schlimmer.
       
 (IMG) Bild: Vom Potsdamer Treffen direkt ins Parteiprogramm: Teilnehmer des AfD-Mandatsträgerkongresses im Januar 2026 in Mülheim an der Ruhr
       
       Als einziger Deutscher sitze ich im Deutsch-Türkischen-Kulturverein und
       nippe an meinem lauwarmen Tee. „Leute, ich fass es nicht! Acht Prozent der
       [1][AfD-Abgeordneten im Bundestag haben Migrationshintergrund]“, lese ich
       aus der Zeitung vor. „Und 22 Prozent der [2][Migranten können sich
       vorstellen, AfD zu wählen]. Und das, obwohl die AfD Migranten millionenfach
       abschieben will. Sind die nicht ganz dicht?“
       
       „Osman, sag’ so was nicht. Ich bin doch auch AfD-Mitglied“, stammelt Hayri,
       rot wie eine Wassermelone, und sorgt dafür, dass wir uns alle an unseren
       Tees verschlucken. Nachdem ich meinen Hustenanfall halbwegs unter Kontrolle
       habe, frage ich schockiert: „Hayri, du … du bist AfD-Mitglied?“
       
       „Ja. AfD ist doch meine letzte Rettung“, sagt er.
       
       Kein Ton kommt über unsere Lippen, also versucht Hayri selbst, das
       Unmögliche zu erklären, wie die AfD für jemandem die letzte Rettung sein
       kann. Erst recht für einen Türken. „Kollegen, ihr wisst doch alle, dass ich
       seit 20 Jahren vergeblich versuche, in die Türkei zurückzukehren. Ich
       schaffe es einfach nicht. Ich bin hier sehr verwurzelt. Die AfD ist die
       einzige Partei, die glaubhaft verspricht, mir dabei zu helfen.“
       
       ## Auch du, mein Sohn?
       
       Hasan brodelt vor Wut: „Du willst das Land ins Chaos stürzen und dann
       abhauen, oder was?“, schimpft er.
       
       „Ja, als Strafe dafür, dass ihr seit 30 Jahren beim Kartenspielen
       schummelt!“
       
       Zu Hause erzähle ich sofort meinem Sohn Mehmet die unglaubliche Geschichte.
       Und Mehmet reagiert, wie ein Mehmet eben reagiert: „Willkommen im Club. Ich
       bin auch AfD-Mitglied“, grinst er wie ein Honigkuchenpferd.
       
       Entweder ich träume – oder das ist so ein Tag, an dem ich besser im Bett
       geblieben wäre. „Du bist AfD-Mitglied, du Parasit? Wünschst du dir auch,
       abgeschoben zu werden? Kein Problem. Ich kann dich bis Nowosibirsk, ach
       was, bis Wladiwostok abschieben“, schimpfe ich empört.
       
       „Wieso abschieben? Ich werde hier gebraucht“, grinst er weiter. „Vater, die
       Heinis [3][kriegen es einfach nicht hin, ein Verbotsverfahren gegen die AfD
       zu eröffnen], geschweige denn die AfD zu verbieten.“
       
       „Und da hast du dir gedacht, kommunistische Parteien werden verboten, die
       AfD aber nicht, also hüpfst du von einem Extrem ins andere. Sehr schlau,
       mein Sohn.“
       
       „Vater, du bist vielleicht begriffsstutzig! Ich will die AfD von innen
       zerstören“, antwortet er.
       
       „Und die sind so blöd, dass sie jemanden wie dich einfach aufnehmen?“,
       staune ich.
       
       „So einfach nicht. Ich wurde geprüft. Die fragten, ob die AfD demokratisch
       sei. Ich sagte: um Gottes willen! Die fragten, was aus der Ukraine wird.
       Ich sagte: neues Mitglied der Russischen Föderation. Was wird aus
       Deutschland?, fragten sie. Deutschland ist nach der Ukraine dran, und
       Moskau wird unsere Hauptstadt, sagte ich. Und sie waren begeistert.“
       
       „Mehmet, wie bist du bloß auf diese Schwachsinnsidee gekommen?“
       
       „Durch die Ossis“, lacht er.
       
       „Wie? Versuchen Millionen Ostdeutsche wirklich, die AfD von innen zu
       zerstören? Wow, das hätte ich denen gar nicht zugetraut“, wundere ich mich.
       
       „Das gerade nicht. Aber die haben in der DDR die kommunistische Partei
       gestürzt und flüchten jetzt in eine faschistische. Ich gehe den umgekehrten
       Weg.“
       
       „Mehmet, geh besser mit Hayri in die Türkei.“
       
       „Nein, Vater, ich bin Mehmet, das Trojanische AfD-Pferd.“
       
       „Mein Sohn, passender wäre für dich: Mehmet, der ewige Esel.“
       
       18 Apr 2026
       
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