# taz.de -- Frauenrechtsaktivistin aus Mogadischu: „Wir wurden beschimpft, auch von Frauen“
       
       > Muna Ali Abdillahis Vater bestärkte sie schon als Kind, sich für ihre
       > Rechte einzusetzen. Die Krankenpflegerin aus Mogadischu spricht über
       > Gewalt gegen Frauen.
       
 (IMG) Bild: „Politische Repräsentation von Frauen ist wichtig“ – Muna Ali Abdillahi
       
       Schon als junges Mädchen habe sie eine gewisse Wut im Bauch getragen,
       erzählt Muna Ali Abdillahi. Wenn sie in der Schule von Jungen provoziert
       und belästigt wurde, dann habe sie sich das nicht einfach gefallen lassen:
       „Ich kämpfte – auch physisch – wenn es sein musste.“
       
       Muna Ali Abdillahi lebt in Mogadishu, der Hauptstadt Somalias, an der
       Ostküste Afrikas. „Unsere Gesellschaft ist stark patriarchal geprägt“,
       erzählt sie am Telefon. Dennoch sei es ihr Vater gewesen, der sie ermutigt
       habe, für sich und ihre Rechte einzustehen. Ali Abdillahis Kindheit liegt
       schon viele Jahre zurück. Aber ihr Kampf für Frauenrechte, der ist der
       heute 45-Jährigen über all die Jahre geblieben.
       
       Inzwischen arbeitet die ausgebildete Krankenpflegerin als Gender-Expertin
       mit Schwerpunkt geschlechtsspezifische Gewalt und weibliche
       Genitalverstümmelung. Sie berät in Somalia unter anderem das
       Bildungsministerium, hat schon als Managerin für Projekte gearbeitet, die
       von der Weltbank finanziert wurden. „Ich kümmere mich mit einem Team um den
       Schutz von Frauen und Kindern in Gemeinschaften“, sagt sie.
       
       Wichtig sei ihr dabei, dass Frauen ökonomisch und politisch gestärkt
       werden. „Politische Repräsentation von Frauen ist wichtig“, sagt Ali
       Abdillahi. Denn Frauen seien „von allen Konflikten und Katastrophen
       besonders getroffen, deswegen müssen ihre Stimmen und Lebenswelten besser
       Gehör finden.“ Sie seien auch unentbehrlich für Friedensarbeit, denn sie
       agierten oft sehr lokal.
       
       ## Auf der Flucht sein, das kennt Ali Abdillahi aus eigener Erfahrung
       
       In den deutschen Schlagzeilen taucht Somalia vor allem wegen Dürre,
       Wasserknappheit [1][und einer anhaltenden Hungerkrise] auf. Das Land ist
       enorm von den Folgen des Klimawandels betroffen. Zudem wird die Bevölkerung
       von der islamistischen Al-Shabaab-Miliz terrorisiert. Es sind keine
       einfachen Ausgangsbedingungen.„Auch in Mogadischu ist die Wassersicherheit
       nicht für alle gewährleistet, teilweise müssen Frauen lange Wege
       zurücklegen, um an Wasser zu kommen“, sagt Muna Ali Abdillahi. Für die
       vielen Binnengeflüchteten sei es besonders [2][schwer, an Lebensmittel und
       Arbeit] zu kommen. Auf der Flucht zu sein, das kennt sie auch aus eigener
       Erfahrung.
       
       Ali Abdillahi hat in Mogadischu die ersten zehn Jahre ihres Lebens
       verbracht. 1991, als Somalias damaliger Militärdiktator Siad Barre gestürzt
       wurde und das Land in den Wirren eines Bürgerkriegs versank, floh ihre
       Familie nach Hargeisa, die Hauptstadt von Somaliland. Somaliland ist de
       facto seit 1991 ein eigener Staat, wird international aber weitgehend nicht
       als solcher anerkannt. Erst kürzlich allerdings erfolgte [3][die
       Anerkennung durch Israel.] 
       
       Bevor sie später nach Mogadischu zurückkehrte, machte Ali Abdillahi im Edna
       Adan Maternity Hospital in Hargeisa ihre Ausbildung. Dort lernte sie auch
       Ifrah Yousuf kennen, eine Hebamme aus Somaliland. Das
       Non-Profit-Krankenhaus kümmert sich um die Gesundheit von Frauen, Kindern
       und Kriegstraumatisierten, klärt auf über weibliche Genitalverstümmelung.
       
       Nach ihrer Ausbildung arbeitete Muna Ali Abdillahi zunächst als
       Krankenpflegerin, seit den 2000er Jahren engagiert sie sich in
       verschiedenen Nicht-Regierungs-Organisationen. Anfangs setzte sie sich für
       Bildungschancen von Jugendlichen ein, später konzentrierte sie sich auf
       Frauenthemen – ein damals extrem tabuisiertes Thema.
       
       „Gewalt an Frauen, Genitalverstümmelung, über all das wurde nicht gern
       geredet“, erzählt Ali Abdillahi. „Wir trafen auf sehr viel Widerstand und
       wurden beschimpft. Auch von Frauen. Oft wurde uns vorgeworfen, wir wollten
       ihnen westliche Kultur überstülpen.“
       
       Aber manches habe sich auch verändert. Heute sei es einfacher geworden,
       über Frauenrechte öffentlich zu sprechen, sagt Muna Ali Abdillahi. „Aber
       somalische Frauen leiden immer noch stark.“ Sie verdienten Grundrechte,
       politische Teilhabe, ein gerechteres Rechtssystem. „Einfach ein Leben, das
       sie genießen können.“
       
       Transparenzhinweis: In einer früheren Version wurde Muna Ali Abdillahi als
       Krankenpflegerin bezeichnet. Da sie zwar ausgebildete Pflegerin ist, aber
       lange nicht mehr als solche gearbeitet hat, hat die Redaktion ihre
       Berufsbezeichnung später zu Frauenrechtsaktivistin geändert.
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/hungerkrise-eu-stellt-63-millionen-euro-fuer-somalia-bereit-100.html
 (DIR) [2] /Konflikt-zwischen-Somalia-und-USA/!6144176
 (DIR) [3] https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/somalia-somaliland-israel-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Kalarickal
       
       ## TAGS
       
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