# taz.de -- Auszeichnung für iranische Aktivistin: Erster Paulskirchenpreis geht an Masih Alinejad
> Einem Mordversuch entgangen, als Hardlinerin umstritten: Jetzt würdigt
> Frankfurt die prominente Regime-Gegnerin aus dem Iran mit einem neuen
> Preis.
(IMG) Bild: Für scharfe Töne bekannt: Masih Alinejad bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am 15. Januar
Der erste Europäische Paulskirchenpreis für Demokratie geht an die
Aktivistin und Journalistin Masih Alinejad. „Die iranisch-amerikanische
Journalistin, Autorin und Frauenrechtlerin ist das Gesicht und die mutige
Stimme der Hoffnung für Millionen von Iranerinnen und Iranern“, sagte der
[1][Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD)] als Mitglied des
Kuratoriums am Mittwoch. Alinejad musste den Iran 2009 aus politischen
Gründen verlassen, lebt seitdem in den USA und ist eine der bekanntesten
[2][Stimmen der iranischen Opposition im Ausland].
Der neue, mit 50.000 Euro dotierte Paulskirchenpreis wird am 31. März an
Alinejad verliehen. Die Laudatio hält Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
(CDU). Das Kuratorium hat nach Mitteilung der Stadt Frankfurt die
48-jährige Aktivistin aus 30 Bewerbungen einstimmig ausgewählt. Es habe
Alinejads jahrelangen Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Menschenrechte
hervorgehoben sowie ihren Mut, unter Gefahr für ihr eigenes Leben für diese
Rechte einzutreten.
Mit den Kampagnen „My Stealthy Freedom“ oder „#WhiteWednesdays“ organisiere
Alinejad friedlichen Protest gegen die systematische Missachtung der
Menschenrechte im Iran. Millionen Menschen folgten ihr in den digitalen
Medien. Alinejad hatte im Internet unter anderem mit Kampagnen Frauen im
Iran ermutigt, sich selbst dabei zu filmen, wie sie ihre Haare nicht
verhüllen, um damit gegen Dekrete zu protestieren, die ein Kopftuch in der
Öffentlichkeit vorschreiben.
## Einem Mordkomplott entgangen
Alinejads hartnäckige Arbeit gegen das iranische Regime habe sie zur
Zielscheibe gemacht. Überall könne sie sich nur mit Personenschutz bewegen,
so das Kuratorium des Paulskirchenpreises. Erst Ende Oktober des
vergangenen Jahres wurden zwei mutmaßliche Mafiosi wegen des versuchten
Mordes an ihr in den USA [3][zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt]. Das
Strafmaß gegen die beiden 41 und 46 Jahre alten Männer wurde in New York
verhängt. Den beiden Männern wurde vorgeworfen, vor drei Jahren im Auftrag
der iranischen Regierung einen Mörder angeheuert zu haben, um Alinejad zu
ermorden. Laut Staatsanwaltschaft bot der Iran im Juli 2022 insgesamt
500.000 Dollar für den Mord an Alinejad. Die Journalistin sagte, sie habe
seit Bekanntwerden des Mordkomplotts knapp zwei Dutzend Mal ihren Wohnort
gewechselt.
Aber Alinejad ist nicht nur beim Regime verhasst, sondern auch in der
iranischen Opposition als Hardlinerin umstritten. Kritik an ihr kommt
[4][auch von linken Aktivisten und Reformern aus dem Iran]. Sie stören sich
an ihrer scharfen Rhetorik – Irans obersten Religionsführer Chamenei
bezeichnete sie etwa als „Ratte“ – und ihrer Nähe zur Trump-Regierung in
den USA. Nicht nur arbeitet Alinejad für die Voice of America, den
offiziellen staatlichen Auslandssender der USA mit Sitz in Washington, wo
sie die persische Abteilung leitet. Sie ist auch bestens vernetzt, sie
trifft sich immer wieder mit einflussreichen Politikerinnen und Politikern
und fordert sie regelmäßig auf, Iran stärker unter Druck zu setzen.
Bei einem Besuch in Deutschland in der Zeit der Ampel-Regierung kam es 2023
dagegen [5][zu einem kleinen Eklat]. Ein Treffen im Auswärtigen Amt brach
Masih Alinejad ab, weil es vertraulich bleiben sollte. Alinejad, die gern
die Öffentlichkeit sucht, fühlte sich zensiert. Die damalige
Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg, reagierte
irritiert und verteidigte ihr Vorgehen.
## Appell an den UN-Sicherheitsrat
Mitte Januar 2026 forderte Alinejad den UN-Sicherheitsrat bei dessen
Sitzung zum Einschreiten auf. Das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen
handele nicht mit der Dringlichkeit, die die aktuelle Situation erfordere,
sagte sie. Das „brutale Gemetzel“ in Iran werde noch schlimmer werden, wenn
die Weltgemeinschaft nicht einschreite. Es brauche jetzt keine leeren Worte
und Erklärungen, sondern Taten. Auch Trump drängt sie immer wieder zum
Handeln. Irans Oberster Religionsführer Chamenei habe „Angst vor Trump“,
sagte sie kürzlich.
Bei der Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen warf sie dem
UN-Botschafter Teherans auch mehrere Attentatsversuche auf sie vor. „Sie
haben dreimal versucht, mich zu töten. Ich habe meinen potenziellen
Attentäter mit eigenen Augen vor meinem Garten, in meinem Haus in Brooklyn
gesehen“, sagte Alinejad am Donnerstag und sah dabei direkt den Vertreter
der Islamischen Republik auf der anderen Seite des Tisches an. Dieser
schaute geradeaus und reagierte nicht.
Der im vergangenen Sommer erstmals ausgelobte Europäische Paulskirchenpreis
richtet sich an Personen, Organisationen oder Gruppen, „die sich in
herausragender Weise für Demokratie, Freiheit und den Rechtsstaat einsetzen
und die Teilhabe aller an einer vielfältigen, diversen Demokratie fördern“.
In der Frankfurter Paulskirche tagte ab Mai 1848 das erste gewählte
deutsche Parlament, die Nationalversammlung, die den Grundstein für die
später verwirklichte Demokratie und den Rechtsstaat in Deutschland legte.
Über die Vergabe des Preises alle zwei Jahre entscheidet ein Kuratorium mit
zwölf Mitgliedern. (mit epd, dpa)
11 Feb 2026
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## AUTOREN
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