# taz.de -- Brücken im Görlitzer Park: Erst kam der Zaun, jetzt brechen die Brücken ein
> Die historische Brücke zwischen Treptow und Görlitzer Park soll
> geschlossen werden. Die Deutsche Bahn kündigt den Pachtvertrag wegen
> Korrosionsschäden.
(IMG) Bild: Sie verbindet zwei Bezirke zu Fuß und per Rad: Blick auf die Görlitzer Brücke mit dem dahinter liegenden Görlitzer Park
Wer im Grünen von Alt-Treptow nach Kreuzberg möchte, der stößt irgendwann
auf den Kanal. Eine ehemalige Eisenbahnbrücke quert ihn auf Höhe des
Görlitzer Parks, die Görlitzer Brücke. Vier Jahre nach dem Mauerfall hat
die Deutsche Bahn sie an den Bezirk Treptow-Köpenick verpachtet. Da, wo vor
dem Mauerfall der Todesstreifen war, sind heute Fahrradfahrer*innen
und Spaziergänger*innen unterwegs.
„Wir wollen runter zu den Kirschblüten, hoffentlich blühen die noch“,
erzählen zwei Spaziergänger*innen auf Kreuzberger Seite im Görlitzer
Park. Dafür müssten sie über die Görlitzer Brücke und dann runter an die
Alt-Treptower Uferseite des Kanals Richtung Dreiländereck. Sie erzählen,
dass sie [1][auch an anderen Tagen gerne vom Görli] aus den Kanal
überqueren und dann einfach immer weiter auf der alten Eisenbahnbrücke bis
zur Elsenstraße spazieren. Zwischen dicht stehenden Bäumen verläuft dort
ein Weg knapp einen Kilometer lang parallel zur Kiefholzstraße, es ist fast
wie im Wald.
Der Knies knistert unter den Füßen und Rädern – und macht Probleme.
Zumindest laut der Deutschen Bahn (DB): „Das Sand-Kies-Gemisch erschwert
die Entwässerung und beschleunigt die Korrosion“, erklärt ein DB-Sprecher.
Hauptursache sei der vom Bezirk Treptow-Köpenick auf den Brücken errichtete
Radweg. Weil die DB die Verkehrssicherheit auf den vier denkmalgeschützten
Brücken gefährdet sieht, hat sie den Pachtvertrag mit dem Bezirk zum 30.
Juni gekündigt. Danach werden die Flächen von der Bahn gesperrt.
Jimmy's Falafelstand könnte dann nicht mehr dort stehen, zwischen
Spielplatz und Lohmühlen-Wagendorf auf Alt-Treptower Seite gegenüber vom
Görlitzer Park. Auf kleinen, blauen Campinghockern sitzen Leute und essen
Halloumi-Falafel-Sandwiches – und das seit 2005. Auch die breite, lange
Kinderrutsche dort wäre dann weg. Auf die Frage, wie es wäre, wenn die
Görlitzer Brücke und der historische Bahndamm auf Treptower Seite gesperrt
würden, ruft eine Fahrradfahrerin im Vorbeifahren: „Scheiße!“
## Bahn würde den Bezirken die Flächen kostenlos übereignen
Inakzeptabel ist eine Sperrung auch für die Bezirksstadträtin für
Stadtentwicklung, Claudia Leistner: „Die Görlitzer Brücken müssen möglichst
durchgehend zugänglich bleiben. Das Land Berlin sollte daher kurzfristig
eine Zwischenlösung mit der Deutschen Bahn vereinbaren und parallel die
Übernahme der Flächen prüfen“, fordert sie.
Dabei sei die Bahn bereit, die Fläche kostenlos zu übereignen, sagt ein
DB-Sprecher. Die Gespräche zur Übernahme der Brücken blieben bislang
allerdings erfolglos, das sagt die DB der taz, der Bezirk Treptow-Köpenick
äußert sich in einer Pressemitteilung ähnlich. Und auf Kreuzberger Seite
beschäftigte sich die Bezirksverordnetenvollversammlung
Friedrichshain-Kreuzberg am Mittwochabend mit der drohenden Schließung der
Brücken und sprach sich in einer Resolution mit großer Mehrheit gegen die
Schließung aus.
„Diese Brücke ist gelebte Verbindung zwischen zwei Bezirken. Wer sie
sperrt, trennt Wege, die für viele Menschen längst selbstverständlich
sind“, sagte Pascal Striebel, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der BVV.
„Wenn die Brücke einmal gesperrt ist, bleibt sie es im Zweifel jahrelang.
Genau deshalb müssen wir jetzt alles daransetzen, dass es gar nicht erst so
weit kommt.“ Die beiden Bezirke seien auch miteinander im Gespräch.
Doch anscheinend ist die entscheidende Verbindung auf anderer Ebene nötig.
„In dem sehr verdichteten Gebiet wird der Bevölkerung eine wichtige Fläche
entzogen. Es muss dringend auf höchster Senatsebene Gespräche zum Erhalt
der Zugänglichkeit der Flächen für die Bevölkerung geben“, fordert
Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister. Er habe sich dahingehend schon an
Finanzsenator Stefan Evers [2][und Verkehrssenatorin Ute Bonde] (beide CDU)
gewandt. Womit wir bei einem bewährten Nicht-Erfolgsrezept in Berlin wären:
dem Pingpong zwischen Senat und Bezirken.
1 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marisa Haug
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