# taz.de -- Migration in die EU: Griechenlands „Abschreckung wirkt“
       
       > Immer weniger Menschen kommen auf dem Seeweg in Griechenland an. Die
       > Regierung feiert das als Erfolg. Doch das Sterben im Mittelmeer geht
       > weiter.
       
 (IMG) Bild: Athen, Griechenland, 2. Juni: Ein sudanesischer Migrant zeigt ein Foto von dem Boot, mit er und andere nach Kreta kamen
       
       Aus seiner Freude macht er kein Hehl: Griechenlands rechtskonservativer
       Migrationsminister Thanos Plevris hat seine Genugtuung über den deutlichen
       Rückgang der Ankünfte von Geflüchteten zum Ausdruck gebracht. „Die
       Abschreckung wirkt“, sagte Plevris im privaten Athener Fernsehsender Skai.
       
       Wie das Athener Migrationsministerium nun offiziell bekanntgab, seien 2025
       genau 48.298 Geflüchtete und Migranten neu registriert worden, 21 Prozent
       weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich der radikale Abwärtstrend fort. Im
       Jahr 2015 waren es laut UNHCR noch 861.630 Neuankömmlinge.
       
       Nach Angaben des Athener Migrationsministeriums befanden sich im Dezember
       2025 insgesamt 96.438 anerkannte Flüchtlinge in Griechenland mit seinen
       10,3 Millionen Einwohnern. Ferner verfügten weitere 38.138 Personen über
       eine Aufenthaltserlaubnis mit einem vorübergehenden Schutzstatus. Die
       meisten Asylbewerber im vergangenen Jahr stammten aus Afghanistan, Ägypten
       und Sudan.
       
       Wie Migrationsminister Plevris auf der Plattform X erklärte, sei bis zum
       Juli 2025 die Zahl der neu ankommenden Geflüchteten und Migranten noch
       gestiegen. Der Rückgang im Gesamtjahr 2025 sei maßgeblich in den letzten
       fünf Monaten dieses Jahres durch „harte Maßnahmen“ erreicht worden, wie
       Plevris hervorhob.
       
       ## Rückführungen ohne Registrierung
       
       Was Plevris damit meint: Zunächst hatte die konservative Regierung unter
       Premier Kyriakos Mitsotakis am 11. Juli eine Asylneuregelung im Athener
       Parlament verabschiedet, um die zu Beginn des Sommers 2025 signifikant
       steigende Zahl von Neuankömmlingen, die auf dem Seeweg von Ostlibyen die
       Insel Kreta erreichten, drastisch zu verringern.
       
       Demnach durften Personen, die auf dem Seeweg aus Nordafrika ins Land kamen,
       vorübergehend keine Asylanträge mehr stellen. „Diese Personen werden ohne
       Registrierung in das Land der Abreise oder ihrer Herkunft zurückgeführt“,
       hieß es darin. Die Asylneuregelung galt für drei Monate und lief im Oktober
       aus. Bis dahin hatte sich die Zahl der Neuankömmlinge in Kreta tatsächlich
       signifikant verringert.
       
       Anfang September verabschiedete die griechische Regierung zudem ein neues
       Migrationsgesetz (Nummer 5226/2025) und verschärfte damit nochmals ihren
       ohnehin restriktiven Migrationskurs. Die Kernpunkte: Abgelehnten
       Asylbewerbern droht gemäß Artikel 27 fortan eine Freiheitsstrafe von
       mindestens 2 Jahren sowie eine Geldstrafe von mindestens 5.000 Euro, falls
       sie illegal im Land bleiben.
       
       Nur falls der Betreffende freiwillig ausreist, werden die Strafen
       ausgesetzt. Die griechischen Behörden dürfen den zur Rückkehr
       verpflichteten Personen elektronische Fußfesseln zur Überwachung anlegen.
       
       ## Geldstrafen, Verwaltungshaft und „sichere Drittländer“
       
       Stichwort Knast oder Rückkehr: Wer Griechenland ohne Einreiseerlaubnis
       erreicht, sieht sich künftig einer Verwaltungshaft von bis zu 24 Monaten
       ausgesetzt. Die illegale Wiedereinreise von Menschen, die auf einer Liste
       „unerwünschter Ausländer“ stehen, wird gemäß Artikel 26 des neuen
       Migrationsgesetzes zudem mit Freiheitsstrafen von mindestens 3 Jahren
       belegt, Geldstrafen erhöhen sich auf mindestens 10.000 Euro.
       
       Erstmals wird ein „zwingender Grund“ für die Einreiseverweigerung bei einer
       „Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit“ eingeführt. Ferner wird
       der Begriff „Rückkehrland“ erweitert. Er umfasst fortan nicht nur das Land
       des gewöhnlichen Aufenthalts, sondern auch „sichere Drittländer“ sowie das
       erste Asylgewährungsland.
       
       Rückführungen sollen beschleunigt und das sogenannte Asylshopping, also die
       Weiterreise in Länder, die vermeintlich bessere Asylbedingungen bieten,
       verhindert werden. Obendrein wird die bisher gewährte Legalisierung nach
       einem illegalen Aufenthalt von 7 Jahren abgeschafft. Anträge auf
       internationalen Schutz einzureichen, wird ferner erschwert, um – wie es
       offiziell heißt – „missbräuchliche Praktiken“ zu verhindern. Das Ziel all
       dieser Maßnahmen: maximale Abschreckung.
       
       Derweil [1][sterben weiter Flüchtende und Migranten im östlichen
       Mittelmeer]. 2 Migranten, darunter ein 4 Jahre alter Junge und eine Frau,
       kamen am vorigen Samstag bei dem Versuch, von der Türkei nach Griechenland
       zu kommen, vor der Insel Ikaria ums Leben. 3 weitere Menschen, darunter 2
       Kinder, werden noch vermisst, wie die griechische Küstenwache mitteilte.
       Demnach konnten 49 Geflüchtete gerettet werden.
       
       Nach Angaben der griechischen Küstenwache unter Berufung auf Aussagen von
       Überlebenden stieß das Boot auf offener See nordöstlich von Ikaria gegen
       Felsen und kenterte. Die Überlebenden wurden am Montag unter Aufsicht der
       griechischen Polizei (Elas) in das geschlossene Migrantenlager auf der
       Insel Samos gebracht.
       
       29 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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