# taz.de -- Wen kannte Epstein in Europa?: Deutsche Ermittlungen gefordert
       
       > Die Epstein-Files ziehen immer weitere Kreise, auch diesseits des
       > Atlantiks. Sicherheitspolitiker fordern deshalb eine systematische
       > Auswertung auch in Bezug auf Deutschland.
       
 (IMG) Bild: Was steht da alles drin? Deutsche Politiker fordern Ermittlungen
       
       afp/ap/dpa | Mehrere Sicherheitspolitiker im Bundestag haben eine
       systematische Auswertung der neu veröffentlichten US-Unterlagen zum Fall
       des US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein durch deutsche
       Staatsanwaltschaften gefordert. Die deutschen Behörden sollten sich „die
       Epstein-Akten genau anschauen und gegebenenfalls amerikanische Behörden
       nach weiteren Informationen anfragen“, sagte der Grünen-Fraktionsvize
       Konstantin von Notz dem Handelsblatt (Freitagsausgabe).
       
       Von der Bundesregierung verlangte von Notz Auskunft, inwieweit deutschen
       Nachrichtendiensten und anderen Sicherheitsbehörden Kenntnisse über
       Epsteins Taten sowie über dahinterstehende „ausbeuterische, kriminelle oder
       pädokriminelle Netzwerke“ und deren internationale Bezüge bekannt gewesen
       seien.
       
       Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums,
       Marc Henrichmann (CDU). In die „unsäglichen Epstein-Machenschaften“ seien
       offenbar hochrangige Entscheider aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik
       verwickelt gewesen, sagte er dem Handelsblatt. Die Enthüllungen böten
       „erhebliches Kompromittierungs- und Erpressungspotential“. Es müsse geprüft
       werden, ob dadurch Entscheidungen „zu Lasten der Sicherheit Deutschlands
       und Europas“ beeinflusst worden sein könnten. Das Parlament werde den
       Sicherheitsbehörden dazu Fragen stellen.
       
       ## Mögliche geheimdienstliche Dimension?
       
       Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sebastian Fiedler, hielt
       deutsche Bezüge für möglich. „Angesichts der zahlreichen Verflechtungen in
       europäische Machtzirkel ist es keineswegs ausgeschlossen, dass sich
       Verflechtungen auch nach Deutschland ergeben können“, sagte der dem
       Handelsblatt. Für die strafrechtliche Aufarbeitung verwies Fiedler auf die
       enge Zusammenarbeit von deutschen und US-Ermittlungsbehörden. Er erwarte,
       dass deutsche Stellen in einschlägigen Fällen beteiligt würden.
       
       Zugleich sah Fiedler eine mögliche geheimdienstliche Dimension. Sollte sich
       der von Polens Regierungschef Donald Tusk geäußerte Verdacht einer
       möglichen russischen Einflussoperation bestätigen, „würde das zahlreiche
       Folgefragen aufwerfen, die auch uns hier betreffen“.
       
       Das Justizministerium in Washington hatte [1][vor einer Woche mehr als 3
       Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht], darunter
       E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher
       Persönlichkeiten. Epstein soll im Verlauf der Jahrzehnte mehr als 1.000
       Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente
       weitergereicht haben. Der bereits 2008 verurteilte Epstein wurde 2019 unter
       anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut
       festgenommen. Rund einen Monat später wurde er erhängt in seiner New Yorker
       Gefängniszelle gefunden, nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.
       
       ## Französischer Ex-Minister Lang einbestellt
       
       Der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang ist wegen seiner
       häufigen Kontakte zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vom
       Außenministerium einbestellt worden. Der Elysée und das Büro des
       Premierministers hätten darum gebeten, damit er Fragen beantworte, hieß es
       im Umfeld von Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend. Lang steht seit
       2013 an der Spitze des Instituts für die arabische Welt, das vom
       Außenministerium mitfinanziert wird. Er werde am Sonntag im Ministerium
       erwartet. Mehrere Politiker forderten den Rücktritt des ehemaligen
       Ministers, auch der Chef der sozialistischen Partei, der Lang angehört. „Es
       ist verstörend, wie er heute über die Affäre spricht“, sagte PS-Chef
       Olivier Faure. Er legte Lang den Rücktritt nahe, „um die Institution zu
       schützen“.
       
       Lang hatte bislang ausgeschlossen, seinen Posten zu räumen. „Einen Mäzen
       anzufragen, ist doch keine Straftat“, hatte der 86-Jährige am Mittwoch
       betont. Zuvor hatte er eingeräumt, Epstein um rund 58.000 Euro für einen
       Film über seine Amtszeit gebeten zu haben. Der Film wurde allerdings nicht
       verwirklicht. Der Name Jack Lang ist in den veröffentlichten Epstein-Akten
       mehr als 670 Mal erwähnt. „Ich war vielleicht etwas naiv“, räumte Lang ein.
       Epstein sei „kein Freund“ gewesen, er habe „nichts gewusst“ und den Kontakt
       abgebrochen, als er von Epsteins Verurteilung als Sexualstraftäter erfahren
       habe. Tatsächlich ist Lang noch 2019 an der Seite von Epstein auf einem
       Foto vor dem Louvre zu sehen.
       
       ## Epstein arrangierte Besuch im Weißen Haus für Woody Allen
       
       Dass der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein mit US-Regisseur und Schauspieler
       Woody Allen eine Freundschaft pflegte, ist seit Jahren bekannt. In der
       jüngsten Veröffentlichung des US-Justizministeriums zu den Ermittlungen
       gegen Epstein enthaltene Schriftwechsel zeigen nun, dass der Finanzier
       seine Beziehungen zu einer Beraterin des damaligen Präsidenten Barack Obama
       nutzte, um für seinen Freund und dessen Ehefrau Soon-Yi Previn eine Tour im
       Weißen Haus zu organisieren. „Könntest Du soon yi das Weiße Haus zeigen“,
       schrieb Epstein, dessen Schriftwechsel häufig mit Rechtschreibfehlern
       gespickt waren, im Mai 2015 an die damalige Regierungsberaterin Kathy
       Ruemmler. „Ich nehme an, woody wäre politisch zu heikel?“
       
       Ruemmler antwortete: „Ich bin sicher, dass ich beiden das Weiße Haus zeigen
       kann.“ Sie zweifelte jedoch an, dass auch Epstein Zugang zum Amtssitz des
       Präsidenten erhalten könnte, der sich im Jahr 2008 schuldig bekannt hatte,
       eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. „Du bist
       politisch zu brisant, denke ich“, fügte sie hinzu. Aus Aufzeichnungen des
       Weißen Hauses geht hervor, dass Allen, Previn und Ruemmler das Weiße Haus
       an einem Sonntag, dem 27. Dezember 2015, besuchten. Obama befand sich zu
       dieser Zeit in Hawaii. Eine Bitte um Stellungnahme, die an eine Person
       verschickt wurde, die für Allen und Previn arbeitet, blieb unbeantwortet.
       Allen wurde keinerlei Beteiligung an dem systematischen Missbrauch von
       Frauen und Mädchen durch Epstein vorgeworfen.
       
       ## Norwegische Kronprinzessin entschuldigt sich für Epstein-Kontakte
       
       Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit hat nach Kritik wegen ihrer
       Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein öffentlich um Verzeihung
       gebeten. Sie entschuldige sich bei denjenigen, die sie enttäuscht habe,
       teilte die Frau von Prinz Haakon am Freitag mit. Ihr tue es leid, dass sie
       die Königsfamilie in eine unangenehme Situation gebracht habe.
       
       In veröffentlichten Dokumenten zu den Ermittlungen gegen Epstein war die
       norwegische Prinzessin mehrere Hundert Mal erwähnt worden. Wie norwegische
       Medien berichteten, hatte Mette-Marit bereits 2019 gesagt, dass sie ihre
       vorherigen Kontakte zu Epstein bereue. Unter anderem wurde durch die
       Veröffentlichung von Dokumenten bekannt, dass sich Mette-Marit 2013 ein
       Anwesen von Epstein in Florida geliehen hatte.
       
       ## Ermittlungen gegen Norwegens Ex-Regierungschef
       
       In Norwegen wird [2][nach den neuesten Veröffentlichungen im Fall Epstein
       gegen den Ex-Ministerpräsidenten und früheren Generalsekretär des
       Europarates, Thorbjørn Jagland, ermittelt]. Der Norweger wird der schweren
       Korruption verdächtigt, wie die Nachrichtenagentur NTB berichtete. „Wir
       sind der Ansicht, dass es hinreichende Gründe für Ermittlungen gibt“, sagte
       der Chef der norwegischen Behörde zur Bekämpfung von
       Wirtschaftskriminalität, Pål K. Lønseth, demnach.
       
       Die Ermittlungen sollen klären, ob Jagland während seiner Amtszeit als
       Generalsekretär Geschenke, Reisen und Kredite angenommen hat. Das
       implizieren laut NTB Informationen aus den Akten rund um den Fall des
       Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Die Dokumente sollen zeigen, dass
       Jagland zwischen 2016 und 2018 mehrfach Kontakt mit dem US-Geschäftsmann
       hatte. In diesem Zeitraum war der Norweger sowohl Generalsekretär des
       Europarates als auch Mitglied des norwegischen Nobelkomitees. Von 2009 bis
       2015 war er dessen Vorsitzender.
       
       Norwegischen Medien zufolge sollen sich Epstein und Jagland über
       Immobilienkäufe ausgetauscht haben. Außerdem habe Jagland einen Urlaub mit
       seiner Familie auf Epsteins Insel geplant, der aber nicht zustande gekommen
       sei. Als Ex-Generalsekretär des Europarates genießt Jagland Immunität. In
       Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen ihn hat die Behörde zur Bekämpfung
       von Wirtschaftskriminalität das norwegische Außenministerium gebeten, die
       Initiative zu ergreifen, um diese aufzuheben.
       
       ## Weltwirtschaftsforum kündigt Untersuchung an
       
       Die neuesten Epstein-Veröffentlichungen haben neben Jagland noch mehrere
       andere Norweger in Bedrängnis gebracht. Die norwegische Kronprinzessin
       Mette-Marit etwa steht seitdem unter großem Druck: Sie soll über Jahre
       private Mails mit dem verurteilten Sexualstraftäter ausgetauscht haben.
       Auch das Weltwirtschaftsforum hat eine Untersuchung der Verbindungen seines
       Präsidenten, den Norweger Börge Brende, zu dem verstorbenen
       US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein angekündigt. Das WEF wolle „die
       jüngsten Enthüllungen“ über die Teilnahme von Brende „an drei
       Geschäftsessen mit Jeffrey Epstein sowie die anschließende E-Mail- und
       SMS-Kommunikation klarstellen“, erklärte die Organisation am Donnerstag.
       Der Risikoausschuss habe beschlossen, dafür eine „unabhängige Überprüfung
       einzuleiten“.
       
       Brende stammt aus Norwegen und war dort lange Abgeordneter der
       konservativen Partei, sowie Umwelt-, Handels- und Außenminister. Seit 2017
       ist er Präsident des WEF, das jedes Jahr im Januar das berühmte Treffen in
       Davos in den Schweizer Bergen ausrichtet.
       
       ## Britischer Premier Starmer lehnt Rücktritt ab
       
       Der wegen der neuen Epstein-Enthüllungen [3][stark unter Druck geratene
       britische Premierminister Keir Starmer] hat einen Rücktritt abgelehnt. „Ich
       beabsichtige, diese wichtige Arbeit für unser Land weiterzuführen“, sagte
       Starmer am Donnerstag bei einer Rede im südenglischen Hastings. Er
       entschuldigte sich aber auch bei den Opfern des verstorbenen
       US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, weil er den britischen
       Labour-Politiker Peter Mandelson, der ein Freund Epsteins war, vergangenes
       Jahr zum britischen Botschafter in den USA ernannt hatte.
       
       „Es tut mir leid, was Ihnen angetan wurde, es tut mir leid, dass so viele
       Menschen mit Macht Sie im Stich gelassen haben“, sagte Starmer, „Es tut mir
       leid, dass ich Mandelsons Lügen geglaubt und ihn ernannt habe.“ Die Opfer
       von Epstein hätten „ein Trauma erlebt, das die meisten von uns kaum
       nachvollziehen können“, sagte Starmer weiter. Starmer hatte Mandelson
       Anfang vergangenen Jahres zum US-Botschafter ernannt und [4][im September
       nach damaligen Epstein-Enthüllungen wieder entlassen].
       
       ## Pannen bei den Epstein-Files: Josef von Nazareth und Hund geschwärzt
       
       Bei der Unkenntlichmachung identifizierender Informationen über mutmaßliche
       Opfer des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein sind dem US-Justizministerium
       diverse Fehler unterlaufen. Das hat eine Prüfung durch die
       Nachrichtenagentur AP und andere Medienorganisationen offengelegt: Die
       Reporter entdeckten Beispiele schlampiger, uneinheitlicher oder fehlender
       Schwärzungen in der bislang umfangreichsten Veröffentlichung von Akten aus
       den jahrelangen Ermittlungen gegen Epstein, der sich 2019 in einer New
       Yorker Gefängniszelle nach offiziellen Angaben das Leben nahm.
       
       Eine kuriose Fußnote dieses Vorgehens ist indes eher auf Übereifrigkeit
       zurückzuführen: In einem Zeitungsausschnitt, der in dem Datensatz enthalten
       ist, schwärzte das Justizministerium offenbar den Namen „Josef“ aus einer
       Bildunterschrift zu einem Krippenspiel in einer kalifornischen Kirche. „Ein
       Krippenspiel, das Jesus, Maria und (GESCHWÄRZT) zeigt“, heißt es. In einer
       E-Mail, die in den Daten enthalten ist, scheint zudem der Name einer Hündin
       unkenntlich gemacht worden zu sein: „Ich habe eine Stunde damit verbracht,
       (GESCHWÄRZT) auszuführen und dann eine weitere Stunde, sie zu baden, zu
       föhnen und zu bürsten. Ich hoffe, sie riecht besser!!“, heißt es in der
       E-Mail.
       
       6 Feb 2026
       
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