# taz.de -- Regierungskrise in Großbritannien: Eine Atempause für Keir Starmer
       
       > Der britische Premierminister lehnt einen Rücktritt ab und sichert sich
       > die Treue seines Kabinetts. Aber die nächste Mandelson-Kraftprobe steht
       > bevor.
       
 (IMG) Bild: Bleibt vorerst im Amt: der britische Premierminister Keir Starmer
       
       Keir Starmer bleibt vorerst im Amt. Der bedrängte britische
       Labour-Premierminister nutzte die wöchentliche Fraktionssitzung am
       Montagabend, um kämpferisch aufzutreten. Er wies alle Spekulationen zurück,
       er könnte wegen [1][der Affäre um seine Nähe zum früheren Labour-Politiker
       und Epstein-Freund Peter Mandelson das Handtuch werfen]. „Ich habe jeden
       Kampf gewonnen, in dem ich jemals war“, sagte er laut Teilnehmern. „Ich
       werde in diesem Kampf bleiben, solange ich atmen kann.“
       
       Am Nachmittag hatten alle Regierungsmitglieder Erklärungen veröffentlicht,
       in denen sie Starmer unterstützten – oder veröffentlichen müssen, wie ein
       ungenannter Minister Journalisten verriet. Die Regierung sah sich wohl zu
       dieser PR-Offensive gezwungen, nachdem Schottlands Labour-Chef Anas Sarwar
       am frühen Nachmittag aus Edinburgh in London angerufen und angekündigt
       hatte, er werde in einer Stunde auf einer Pressekonferenz [2][öffentlich
       Starmers Rücktritt fordern]. Starmer musste befürchten, dass dies der
       Auftakt eines koordinierten Aufstands der Labour-Führungsspitze gegen ihn
       sein könnte.
       
       Am Ende stand nicht Starmer isoliert da, sondern Sarwar, der sich
       offensichtlich mit niemandem abgesprochen hatte. Das hat nun die
       politisch-mediale Aufregung wieder etwas gesenkt. Seit Starmer am Mittwoch
       vergangener Woche zugeben musste, dass er über Mandelsons
       Epstein-Freundschaft vollumfänglich Bescheid wusste, als er ihn Ende 2024
       zum [3][Botschafter in den USA] ernannte, und seit eine drohende
       Parteirevolte ihn dazu gezwungen hatte, sämtliche Regierungskommunikation
       mit Mandelson offenzulegen und die Angelegenheit dem parlamentarischen
       Geheimdienstausschuss zu übergeben, wurde über sein nahendes Ende
       spekuliert.
       
       Eine Reihe von Rücktritten verstärkte zuletzt den Eindruck des
       Kontrollverlusts. Am Sonntag legte Starmers Stabschef und engster Berater
       [4][Morgan McSweeney] sein Amt nieder, am Montag Starmers
       Kommunikationsdirektor [5][Tim Allan]. Starmers Kabinettssekretär [6][Chris
       Wormald], der ranghöchste Beamte, soll ebenfalls zurückgetreten sein,
       berichteten Journalisten am Dienstag: Es werde nur noch über seine
       Abfindung verhandelt. Nie zählte ein sinkendes Schiff so viele Ratten,
       lautete [7][ein böser Kommentar].
       
       Die Treuebekundungen seines Kabinetts und sein kämpferischer Auftritt vor
       der Parlamentsfraktion lassen Starmer nun wieder etwas gefestigter
       aussehen. Vor allem können seine Rivalen nun jeden Vorwurf der
       Putschvorbereitung empört von sich weisen und in Ruhe abwarten, dass sich
       Starmer selbst weiter demontiert.
       
       Denn kaum hat der Premier sich etwas gefangen, ist schon die Rede davon,
       den Parlamentsbeschluss zurückzunehmen, der den [8][Umgang mit
       sicherheitsrelevanten Mandelson-Akten] dem Geheimdienstausschuss überlässt.
       Starmers Büro will offenbar die Kontrolle über die Akten zurückgewinnen,
       deren Freigabe einen Dauerskandal auslösen könnte. Doch schon der Versuch
       würde den Verdacht nähren, Starmer wolle vertuschen statt aufklären. Das
       würde er politisch wohl endgültig nicht überleben.
       
       10 Feb 2026
       
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