# taz.de -- Epstein-Skandal: Mandelson stürzt Starmer in die Krise
> Der britische Premier Starmer wusste von der Freundschaft Mandelsons mit
> dem Sexualstraftäter Epstein. Und machte ihn trotzdem zum US-Botschafter.
(IMG) Bild: Peter Mandelson und Keir Starmer bei einem Empfang für den Premier in der Botschaftsresidenz in Washington am 26. Februar 2025
dpa | Warum machte Großbritanniens Premier Keir Starmer den Parteiveteranen
Peter Mandelson trotz dessen bekannter Verbindungen zu Jeffrey Epstein zum
britischen Botschafter in den USA? Antworten auf diese Frage erhoffen sich
Kritiker des Regierungschefs von Dokumenten zum Ernennungsverfahren. Diese
sollen veröffentlicht werden, wie das Unterhaus nun ohne Gegenstimmen
beschloss.
Den durch schlechte Umfragewerte ohnehin angeschlagenen Labour-Politiker
Starmer stürzt das tiefer in die Krise. Unter dem Druck der Opposition und
Teilen seiner eigenen Fraktion hatte er bereits am Mittag im Parlament
angekündigt, die Dokumente veröffentlichen zu wollen. Ausgenommen seien
Informationen, die der nationalen Sicherheit des Landes oder dessen
internationalen Beziehungen schaden könnten, schränkte er ein.
Der Regierung gelang es, der Beschlussvorlage der Opposition vor der
Abstimmung einen entsprechenden Passus anzufügen – nicht jedoch ohne vorher
Zugeständnisse zum Auswahlprozess zu machen.
Trotzdem ist die Entwicklung für den Premierminister, der eigentlich über
eine satte Mehrheit im Unterhaus verfügt, eine schwere Niederlage. Etliche
seiner Parteifreunde erhöhten in der Debatte den Druck auf den Premier.
## Mandelson wurde auch „Prince of Darkness“ genannt
Der frühere Minister und EU-Kommissar Mandelson trat seinen
Botschafter-Posten vor einem knappen Jahr an. Wegen seines skrupellosen
Machtstrebens hatte er sich den Spitznamen „Prince of Darkness“
eingehandelt. Und damals galt der skandalträchtige 72-Jährige als taktisch
kluge Wahl, um britische Interessen bei US-Präsident Donald Trump
durchzusetzen. Doch das war, bevor die [1][Veröffentlichung von
Epstein-Akten in den USA die Schlagzeilen dominierte.]
Nun betonte Starmer, er bereue die Entscheidung. Hätte er damals gewusst,
was er heute weiß, wäre Mandelson nicht einmal in die Nähe der Regierung
gekommen, beteuerte der Premier bei der wöchentlichen Fragestunde vor einem
vollen Unterhaus mit vielen ernsten Gesichtern in der eigenen Fraktion.
Dass Mandelson den Kontakt mit Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen
der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhielt, war der
Regierung vor dessen Berufung zum Botschafter jedoch bekannt, wie der
Premier eingestehen musste. Mandelson habe ihn und andere jedoch in die
Irre geleitet, was die Enge des Verhältnisses mit dem US-Multimillionär
betraf. „Er hat gelogen, gelogen und nochmals gelogen“, sagte Starmer.
Der ehemalige Wirtschaftsminister und EU-Kommissar Mandelson taucht
prominent in den Epstein-Akten auf. Die Nähe des ehemaligen
Labour-Veteranen zu dem verstorbenen US-Multimillionär, der einen
Missbrauchsring mit teils minderjährigen Opfern betrieben hatte, kostete
ihn bereits seinen Botschafterposten. [2][Kürzlich legte er auch sein
Mandat im Oberhaus nieder und trat aus der Labour-Partei aus.]
## Indizien für Korruption und Geheimnisverrat
[3][Die kürzlich vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zeigen],
dass Mandelson deutlich enger mit Epstein verbandelt war als zunächst
bekannt. So sollen er und sein Ehemann jeweils Zahlungen von mehreren
Zehntausend Pfund erhalten haben.
E-Mail-Verläufe legen sogar nahe, dass Mandelson während der Finanz- und
Wirtschaftskrise sensible Informationen an den US-Investor weitergegeben
haben könnte. Mandelson saß damals als Wirtschaftsminister am
Kabinettstisch des früheren Premierministers Gordon Brown und galt als
dessen faktischer Vize. Der Ex-Regierungschef (2007–2010) zeigte sich von
den jüngsten Erkenntnissen schockiert und bat um eine Untersuchung.
Die Londoner Polizei kündigte an, gegen Mandelson zu ermitteln. An die
Regierung richtete sie den Aufruf, keine Dokumente zu veröffentlichen, die
die Ermittlungen beeinträchtigen könnten.
5 Feb 2026
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