# taz.de -- Epsteins Kontakte nach Norwegen: Nobel-Institut erwartet Erklärung vom Ex-Vorsitzenden
       
       > Norwegens Ex-Ministerpräsident Thorbjørn Jagland war nicht nur
       > Vorsitzender des Nobelkomitees, sondern hatte wohl auch Kontakt zum
       > Sexualstraftäter Epstein.
       
 (IMG) Bild: Jagland war von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats
       
       afp | Nach den [1][jüngsten Veröffentlichungen zum US-Sexualstraftäter
       Jeffrey Epstein] gerät in Norwegen der ehemalige Ministerpräsident
       Thorbjørn Jagland zunehmend in Erklärungsnot. Das Nobel-Institut in Oslo
       erklärte am Mittwoch, es warte auf eine Erklärung Jaglands zu seinen
       mutmaßlichen Verbindungen zu dem US-Milliardär. Jagland war von Januar 2009
       bis März 2015 Vorsitzender des Nobel-Komitees, das jedes Jahr über die
       Vergabe des Friedensnobelpreises entscheidet.
       
       Die norwegische Zeitung VG berichtete unter Verweis [2][auf die am Freitag
       veröffentlichten Dokumente], dass Jagland einen engen Kontakt zu Epstein
       gehabt habe. So habe Jagland einmal um finanzielle Unterstützung beim Kauf
       einer Wohnung gebeten. Dazu sagte Jagland der Zeitung, dass er alle Kredite
       für seine Immobilien von der norwegischen Bank DNB erhalten habe.
       
       „Wenn sich herausstellt, dass Thorbjørn Jagland finanzielle Leistungen von
       Jeffrey Epstein erhalten hat, während er Mitglied des Nobel-Komitees war,
       würde das unserem Verhaltenskodex widersprechen“, sagte Kristian Berg
       Harpviken, Direktor des Nobel-Instituts, vor Journalisten. Er wolle Jagland
       aber nicht vorverurteilen. Jagland war von 1996 bis 1997 Ministerpräsident
       Norwegens und von 2009 bis 2019 Generalsekretär des Europarats.
       
       ## Besuche beim US-Milliardär
       
       In einem Schriftwechsel soll Epstein Jagland laut der Zeitung VG gebeten
       haben, ein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu
       arrangieren.
       
       Den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zufolge hielt
       Jagland sich 2018 bei Epstein in New York auf und 2015 und 2018 in Epsteins
       Wohnung in Paris. 2014 plante der ehemalige Ministerpräsident zudem einen
       Urlaub mit seiner Familie auf der Insel des US-Investors, die Reise wurde
       aber letztlich abgesagt.
       
       Am Sonntagabend räumte Jagland gegenüber der Zeitung Aftenposten „Fehler in
       der Beurteilung“ Epsteins ein.
       
       Das Justizministerium in Washington hatte am Freitag mehr als drei
       Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter
       E-Mails, Fotos und Videos. Darin erscheinen wieder die Namen zahlreicher
       Persönlichkeiten.
       
       ## Auch Königshaus verwickelt
       
       Am Montag war eine der bekanntesten norwegischen Diplomatinnen, Mona Juul,
       wegen ihrer mutmaßlichen Verbindungen zu Epstein vorübergehend suspendiert
       worden. Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit [3][räumte „peinliche“
       Fehler ein], nachdem norwegische Medien über ihre Freundschaft mit Epstein
       berichtet hatten.
       
       Epstein soll Tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils
       an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden,
       weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Wegen eines umstrittenen
       Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige
       Haftstrafe.
       
       2019 wurde er unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von
       Minderjährigen erneut festgenommen. Rund einen Monat später wurde er
       erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden, nach offiziellen
       Angaben nahm er sich das Leben.
       
       5 Feb 2026
       
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