# taz.de -- Editorial der feministaz: Die Macht eines solidarischen Netzwerks
       
       > In Zeiten, in denen Kriege und Krisen wie eine unausweichliche Folge von
       > Ereignissen erscheinen, gilt es die zu stärken, die dem entgegenwirken.
       
 (IMG) Bild: Solidarische Menschen gibt es überall
       
       Es liegt viel Macht im Wissen über Netzwerke. Wer weiß, wer mit wem
       verbunden ist, bleibt handlungs- und widerstandsfähig. Sieht
       Schwachstellen. Steht miteinander im Kontakt. Doch die Netzwerke, die uns
       am mächtigsten erscheinen, von denen wir tagtäglich auch in dieser Zeitung
       lesen, sind fast immer die von Männern. Von Milliardären und Techbros, die
       sich mit Machthabern und rechten Parteien verbünden, von Antifeministen,
       die im Netz den rechten Backlash vorantreiben.
       
       Auf der politischen Bühne sind es [1][US-Präsident Donald Trump], der
       [2][israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu], Russlands Präsident
       Wladimir Putin oder das iranische Mullah-Regime, die gesellschaftlichen
       Rückschritt im Eiltempo vorantreiben.
       
       Es ist nicht das Geschlecht, was diese Männer so gefährlich macht. Es sind
       ihre patriarchalen Ideologien. Die Rechte von Frauen, trans, inter und
       nicht-binären Personen werden attackiert. Gleichzeitig streiten Männer
       sich, wer die größte Atombombe hat. Wer nur den Schlagzeilen folgt, den
       ergreift die Ohnmacht. Israel und die USA bombardieren Iran. Russland
       weiter die Ukraine. Menschen müssen fliehen, die Ölpreise steigen, die AfD
       profitiert.
       
       Es ist die originäre Aufgabe einer Zeitung, den Mächtigen auf die Finger zu
       schauen, wenn die Regeln des Völkerrechts missachtet werden. Aber ebenso
       wichtig ist es, die Arbeit derer zu zeigen, die sich den antifeministischen
       Attacken mit Mut entgegenstellen. In Zeiten, in denen Kriege und Krisen wie
       eine unausweichliche Folge von Ereignissen erscheinen, gilt es umso mehr,
       dem etwas zu erwidern und jene Netzwerke zu stärken, die genauso
       weltumspannend und mächtig sein können. Nur wer vorlebt, wie es anders sein
       kann, macht Veränderung möglich.
       
       In dieser Ausgabe wollen wir deshalb Menschen sichtbar machen, die ihr
       Wissen, ihre Zeit, ihre Kraft für ein Leben einsetzen, das die Rechte aller
       achtet. Ihre Netzwerke liegen oft unter der Wahrnehmungsschwelle, aber sie
       sind da: in aktivistischen Arbeitsgruppen und in der Politik, auf dem Land
       und in der Stadt. Wir starten vor unserer eigenen Haustür und begeben uns
       auf die Suche. Wer lebt und kämpft solidarisch?
       
       Wir haben Menschen kennengelernt, die uns bis vor Kurzem völlig fremd
       waren. Die [3][Hebamme aus Somaliland], die kostenlos Schwangere und Babys
       auf dem Land versorgt. Die Politikerin aus Uruguay, die sich rechten
       Kräften entgegenstellt. Die Frau aus Kanada, die für die Zukunft der
       indigenen Bevölkerung kämpft. Der Zufall hat sie und uns zusammengebracht.
       Plötzlich wussten wir von ihrem Arbeitsstress, ihren Reisen und Kindern,
       dem schwierigen Haushalten mit der Zeit. Aber wir durften auch an ihren
       Erfolgen und Leidenschaften teilhaben.
       
       Das Private ist politisch. Dieser feministische Slogan trägt noch immer.
       Denn das alltägliche Leben findet nicht losgelöst statt von den Krisen
       dieser Welt. Das, was wir hier „aktuelle Nachrichtenlage“ nennen, bricht
       brutal in das Leben der Menschen ein, mit denen wir seit Wochen im Kontakt
       stehen. Einen Tag nachdem das Interview mit einer Frau in Pakistan
       vereinbart ist, bombardiert Islamabad Kabul. „It is very tense“, schreibt
       sie uns. Die Lage ist sehr angespannt. Die Angst vor Terroranschlägen ist
       für sie keine Schlagzeile.
       
       Solidarität in Kriegszeiten, ja, auch das ist möglich. Statt das Land zu
       verlassen, hat [4][Nataliia Tetruieva, eine ukrainische Ärztin aus Kyjiw],
       bewusst entschieden in der Ukraine zu bleiben. Operieren unter Bombenalarm
       – für sie ist das Alltag im Ausnahmezustand. Der Termin mit dem Reporter
       findet trotzdem statt.
       
       Es gibt auch Pfade, die wir nicht weiter verfolgen können. Frauen, die
       zunächst dabei sein wollten, steigen dann doch aus – aus Sorge, dass ihnen
       die Öffentlichkeit schadet. Nicht überall ist es möglich, unbefangen zu
       sprechen. Eine Italienerin auf dem Land, wo die Forza Italia den Ton
       angibt, scheut sich davor, mit Namen und Foto auffindbar zu sein. Sie wird
       auch noch vor Ort sein, wenn diese Zeitung längst in der Papiertonne
       gelandet ist.
       
       Feministische Solidarität ist eine Superkraft. „Wenn eine Frau spricht,
       dann verändert das alles“, sagt Choolwe Nkwemu Jacobs aus Sambia in dieser
       Ausgabe. Es verändere die Frau selbst und es verändere die anderen.
       
       Und feministische Solidarität ist auch eine Waffe, die allen und überall
       zur Verfügung steht. Sie lebt davon, nicht auf das Trennende zu schauen,
       sondern auf das Verbindende. Auch deshalb haben wir diese Sonderausgabe von
       frauentaz in feministaz umbenannt.
       
       Ein Netzwerk ist so mächtig wie die Menschen, die sich daran beteiligen.
       Gerade in Krisenzeiten: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Solidarität zur
       Pflicht.
       
       Das Team der feministaz
       
       6 Mar 2026
       
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