# taz.de -- Tödliche Polizeischüsse auf Lorenz A.: „Es war eine Frage der Zeit, bis einer von uns so stirbt“
       
       > Schüsse aus einer Dienstwaffe töteten Lorenz A. aus Oldenburg. Für seine
       > Freunde ist sein Tod die Konsequenz des Rassismus, den auch sie von der
       > Polizei kennen.
       
 (IMG) Bild: Demo der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“, November 2025: Suraj Mailitafi hält das Megafon, dahinter Lorenz' engste Freunde
       
       Mit dem Megafon in der Hand stellt sich Suraj Mailitafi auf den Parkplatz
       vor der Polizeiwache in der Oldenburger Innenstadt. Vor ihm ist der Demozug
       aus Richtung der Fußgängerzone zum Stehen gekommen. Es ist Anfang November
       und wie in diesem Jahr [1][schon so oft], protestieren in Oldenburg rund
       500 Menschen gegen rassistische Polizeigewalt. Auf ihren Schildern stehen
       Sprüche wie „Stop Racial Profiling“, „Bin ich der nächste?“ und „Wer
       schützt uns vor den Beschützern?“. Eine Handvoll Polizist:innen vor der
       Wache beobachten das Geschehen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.
       
       Einer ihrer Kollegen hatte in der Nacht auf Ostersonntag 2025, nur wenige
       Straßen entfernt, den 21-jährigen Lorenz A. [2][mit mehreren Schüssen von
       hinten getötet]. A. hatte nach einer Auseinandersetzung vor einer Bar
       fliehen wollen, so die Auffassung der Staatsanwaltschaft. Dabei habe der
       Polizist „irrtümlich“ angenommen, dass A. ihn mit einem Messer angreife.
       Die Behörde hat im November [3][Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben].
       Laut [4][NDR] ist eine Überlastung des Gerichts für die Verzögerung
       verantwortlich.
       
       Der antirassistische Aktivist Mailitafi ist Sprecher der Initiative
       „Gerechtigkeit für Lorenz“. Dass die Staatsanwaltschaft die tödlichen
       Schüsse einen „Irrtum“ nennt und den Polizisten nicht wegen Totschlags
       anklagt, ist laut Initiative Ausdruck mangelnder Verantwortungsübernahme in
       Fällen von „tödlicher und rassistischer Polizeigewalt“.
       
       Mailitafi hebt das Megafon: „Für wen?“ – „Lorenz!“, ruft die Menge in
       Richtung der Polizist:innen. Noch einmal hallt es durch die Straße: „Für
       wen?“ – „Lorenz!“ Und dann noch mal und noch mal, in einer Mischung aus
       Trauer und Wut.
       
       In der ersten Reihe des Demozugs stehen Lorenz’ engste Freunde. Viele von
       ihnen tragen unter ihren Jacken auch heute das T-Shirt mit seinem Gesicht
       auf der Brust und seinem Namen auf dem Rücken. Zusammen mit erfahrenen
       Aktivist:innen wie Mailitafi haben sie sich in der Initiative
       zusammengetan. Dass das bereits am Tag von Lorenz’ Tod geschah, hat einen
       Grund: Rassismus durch die Polizei erleben sie schon lange.
       
       Bereits Monate vor Lorenz’ Tod hatten einige von ihnen Mailitafi
       angesprochen und ihm von Racial Profiling und Schikane durch die Polizei
       berichtet. Ständig würden die Beamt:innen sie ohne erkennbaren Grund,
       offenbar nur wegen ihres Aussehens, kontrollieren. „Wir hatten uns darauf
       verständigt, dass sie sich bei mir melden können, falls etwas passieren
       sollte und sie Unterstützung brauchen, um öffentlich darauf aufmerksam zu
       machen“, erinnert sich Mailitafi an das Treffen. Einige Monate vergingen,
       dann bekam er am Ostersonntag einen Anruf.
       
       ## Immer wieder die gleiche Erfahrung
       
       Auf dem Wohnzimmertisch bei Ben steht eine kleine Schüssel mit Keksen.
       Simon und Julian haben auf Sitzkissen und Sofa Platz genommen, Ben holt
       noch ein Glas Wasser, bevor er sich auf einen Stuhl dazu setzt. Ihre echten
       Namen wollen die drei Freunde von Lorenz nicht in der Zeitung lesen. Aber
       sie wollen von ihren Erfahrungen mit der Oldenburger Polizei berichten. „Es
       war nur eine Frage der Zeit, bis einer von uns durch die Polizei stirbt“,
       sagt Ben, der als erstes das Wort ergreift. In ihren Augen war die Tötung
       ihres Freundes [5][ein Höhepunkt von jahrelang erlebtem Rassismus].
       
       Die Freunde denken nicht, dass der Polizist Lorenz in rassistischer Absicht
       erschossen hat. In ihrer Erfahrung nimmt die Polizei Schwarze und People of
       Color aber als bedrohlicher wahr, geht respektloser mit ihnen um und greift
       schneller zu Gewalt. „Es ist [6][ganz klar eine Struktur dahinter]“, meint
       Simon. Sie sind sich sicher, dass der Polizist nicht geschossen hätte, wenn
       Lorenz weiß gewesen wäre.
       
       Bei Ben haben die Kontrollen angefangen, als er 15 Jahre war, erzählt er:
       „Ab da war das so, dass ich auf dem Fahrrad oder E-Roller immer wieder aus
       dem Verkehr rausgezogen und auf Drogen kontrolliert wurde.“ Einmal habe die
       Polizei ihn auf dem Schulweg angehalten und einen Urintest verlangt: „Es
       war früh morgens, ich hab's versucht, aber es ging nicht.“ Statt in die
       Schule musste er dann mit auf die Wache kommen. Seinen „blonden,
       blauäugigen Kollegen“ hätten die Polizisten damals nicht angehalten. Wie
       oft Ben in seinem Leben schon von der Polizei kontrolliert wurde, kann er
       nicht mehr sagen. Inzwischen hat er aufgegeben zu fragen, warum es
       ausgerechnet immer ihn trifft: „Das bringt nichts. Ich weiß ja, warum.“ In
       Bens nüchterner Stimme liegt für einen Moment die Erschöpfung der
       jahrelangen immer gleichen Erfahrung.
       
       Er und Simon waren manchmal zusammen mit Lorenz in der Stadt unterwegs. Ben
       erinnert sich, wie die Polizei sie einmal angehalten hat, offenbar in der
       Annahme sie wären flüchtige Tatverdächtige: „Dann hat Lorenz die Polizei
       gefragt, wie die Täterbeschreibung ist.“ Weder die Kleidung von Ben noch
       von Lorenz passten zu der Beschreibung. Das einzig Auffällige an ihnen war,
       dass sie Schwarz sind. Simon, der auch dabei war, wurde nicht kontrolliert.
       Er ist weiß. „Es gibt etliche solcher Stories. Lorenz und ich werden von
       der Polizei angehalten, Simon wird einfach ignoriert“, sagt Ben.
       
       ## Alltägliche Gewalt
       
       „Ich wurde mit niemandem so oft kontrolliert wie mit Lorenz“, erinnert sich
       Simon an die Zeit, als er gerade seinen Führerschein gemacht hat. Da ist er
       oft zusammen mit Lorenz rumgefahren. In zwei Jahren seien es 40 bis 50
       Kontrollen gewesen, schätzt er. Ohne Lorenz sei er nur zwei- oder dreimal
       angehalten worden. Auch als er neulich mit Ben und Julian unterwegs war,
       seien wieder nur die beiden angehalten worden – obwohl Simon in Sichtweite
       der Polizisten an den Straßenrand gepinkelt hat. Das finden die Freunde
       noch immer so absurd, dass sie trotz allem schmunzeln müssen.
       
       Die Kontrollen gehören für Ben und Julian zum Alltag. Im Straßenverkehr,
       beim Feiern in der Stadt, auf dem McDonald’s-Parkplatz oder wenn sie
       einfach zufällig an der Polizei vorbeilaufen – überall wurden sie schon
       ohne für sie ersichtlichen Grund kontrolliert. Beim Auflisten ihrer
       Erfahrungen fallen sie sich mehrmals ins Wort, wenn sie sich an die nächste
       Geschichte erinnern. Auch von [7][Polizeigewalt] berichten beide.
       
       Julian zeigt ein Handyvideo, das er am Wochenende aufgenommen hat. Auf der
       Aufnahme ist zu sehen, wie ein Freund von ihm nach einer größeren
       Auseinandersetzung bei einer Party in den Weser-Ems-Hallen, dem örtlichen
       Messegelände, von einem Security-Mitarbeiter festgehalten wird. Den
       Auslöser hat Julian nicht mitbekommen. Er geht in seine Richtung, um nach
       dem Rechten zu schauen. „Dann hat ein Polizist mich aus dem Nichts auf den
       Boden geschubst und mich mit seinem Knie auf meiner Brust festgehalten“,
       beschreibt er das weitere verwackelte Geschehen. Warum der Polizist ihn
       festhielt, weiß er bis heute nicht, erklärt Julian. Er durfte anschließend
       direkt wieder gehen. Von solchen Vorfällen können laut Ben die meisten
       seiner Freunde erzählen.
       
       Er und der Großteil der Freundesgruppe sind Anfang 20. Julian ist etwas
       jünger und im Gespräch anfangs zurückhaltend. Er macht erst seit Kurzem
       negative Erfahrungen mit der Polizei: „Ich finde das richtig schade, dass
       man bei der Polizei so raussteht, wenn man Schwarz ist.“
       
       ## Zwei verschiedene Welten
       
       „An der Stelle, wo Lorenz erschossen wurde, haben wir in den Wochen danach
       getrauert, Wache gehalten“, erzählt Simon. Die Polizei sei ständig an ihnen
       vorbeigefahren, habe sie mehrmals angesprochen. Die Freunde sehen das als
       gezielte Provokation.
       
       Colin (Name geändert), ebenfalls ein Freund von Lorenz und auch Schwarz,
       berichtet der taz, dass er einige Wochen nach Lorenz’ Tod auf dem Fahrrad
       von der Polizei angehalten worden sei. Auf seinem Handy hat er einen
       Sticker mit Lorenz’ Gesicht, wie sie inzwischen überall in der Stadt zu
       sehen sind. Der Polizist habe den Sticker gesehen und dann gesagt, Colin
       müsse sich keine Sorgen um seine Sicherheit machen, solange er kein
       Pfefferspray dabeihabe. Eine offensichtliche Anspielung darauf, dass Lorenz
       A. Pfefferspray eingesetzt haben soll, bevor der Polizist ihn von hinten
       erschoss.
       
       Ben spricht von zwei verschiedenen Welten: „Die Leute denken, der Polizist,
       das ist mein Nachbar, bei uns ist der immer nett und korrekt. Ja, aber
       nicht zu jedem.“ Sicher fühlt er sich nicht, wenn er die Polizei sieht:
       „Ich weiß, immer wenn die Polizei da ist, ist es gefährlich für mich.“
       
       Die Erfahrungen der Freunde decken sich mit wissenschaftlichen
       Erkenntnissen zu Racial Profiling. „Eine Erhebung des Sachverständigenrat
       für Integration und Migration aus dem Jahr 2023 hat ergeben, dass Personen,
       die aufgrund von äußerlichen Merkmalen als ausländisch wahrgenommen werden,
       doppelt so häufig von der Polizei kontrolliert werden wie Personen, die
       nicht so wahrgenommen werden“, erklärt [8][Vanessa Eileen Thompson]. Die
       Sozialwissenschaftlerin beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Rassismus
       und Polizeigewalt in Deutschland und ist unter anderem Sprecherin einer
       [9][unabhängigen Kommission zur Aufklärung des Todes von Oury Jalloh] im
       Dessauer Polizeigewahrsam 2005. Nach langjähriger Tätigkeit in Frankfurt
       ist sie heute Professorin für Black Studies an der Queens University in
       Kanada.
       
       Auch die [10][MIDIS-Studie] der Agentur der Europäischen Union für
       Grundrechte, die marginalisierte Personen aller Mitgliedsstaaten zu ihren
       Diskriminierungserfahrungen befragt hat, und der [11][Afrozensus], eine von
       der Organisation Each One Teach One initiierte Studie zur Lebensrealität
       von Schwarzen Menschen in Deutschland, belegten: „Rassifizierte Menschen in
       Deutschland sind ständig von Polizeikontrollen betroffen“, sagt Thompson.
       Da Fälle von Racial Profiling nicht systematisch erfasst werden, gibt es
       jedoch keine genauen Zahlen.
       
       Für die Betroffenen sind die Auswirkungen gravierend: Manche meiden den Ort
       der Kontrolle, andere entwickeln Angstzustände oder Depressionen. „Es
       handelt sich um eine systematische Form der Entmenschlichung“, erklärt
       Thompson. Sie betont zudem: „Viele Fälle von polizeilicher tödlicher Gewalt
       nahmen mit Racial Profiling ihren Anfang.“ Die [12][Kampagne „Death in
       Custody“] von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland zählt
       zwischen 1990 und 2024 266 Todesfälle von „rassistisch unterdrückten
       Personen in Haft, Gewahrsam oder durch Polizeigewalt“. Aufseiten der
       Polizei spricht Thompson von einer „systematischen Verleugnung des
       strukturellen Problems“.
       
       ## Verlorenes Vertrauen
       
       Marion (Name geändert) sitzt auf einer Bank neben dem Friedhof, auf dem
       Lorenz im Mai vergangenen Jahres beigesetzt wurde. Sie ist eine Freundin
       der Familie, kannte Lorenz seit vielen Jahren. Auch sie engagiert sich nun
       in der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“: „Ich sehe mich als Mutter von
       einem Schwarzen Kind in der Verantwortung, unsere Gesellschaft daran zu
       erinnern, dass es Rassismus im Alltag gibt und dass diese Kinder in
       besonderer Form davon betroffen sind.“ Mit zunehmendem Alter hat sie
       festgestellt, wie sich der Umgang mit ihrem Sohn durch die Polizei
       verändert hat: „Das hat mir als Mutter gezeigt, dass Racial Profiling eine
       Rolle spielt und dass mein Sohn anders behandelt wird als seine weißen
       Freunde.“
       
       Wie viele andere Eltern Schwarzer Kinder sagt auch Marion, dass es genauso
       gut ihr Kind hätte treffen können: „Dass es früher oder später in Oldenburg
       dazu kommt, dass die Polizei einen Schwarzen erschießt, das war für uns
       nicht die große Überraschung.“ Aus Angst sei schlicht Realität geworden.
       Nach den jahrelangen Rassismuserfahrungen ihres Sohnes und seiner Freunde
       hat sie endgültig den Glauben an die Polizei verloren: „Das Vertrauen ist
       mit Lorenz gestorben.“
       
       Hinter den massiven Säulen vor den Eingangstüren des ehemaligen
       Oldenburgischen Staatsministeriums liegt im ersten Stock das Büro von
       Andreas Sagehorn. Er ist Präsident der Polizeidirektion Oldenburg und
       möchte das verlorengegangene Vertrauen durch Dialog zurückgewinnen. Racial
       Profiling sei ein „wiederkehrender Vorwurf, den wir sehr ernst nehmen“,
       erklärt er [13][im Gespräch], zu dem er von seinem Pressesprecher begleitet
       wird. Den „subjektiven Wahrnehmungen“ der Personen, die der taz von
       Rassismus durch die Oldenburger Polizei berichtet haben, könne er aber
       nichts entgegnen, da er keine Kenntnisse der konkreten Fälle habe.
       
       Für Reformen wie eine unabhängige Beschwerde- und Ermittlungsstelle oder
       [14][Kontrollquittungen], eine Bescheinigung über einen tatsächlichen Grund
       der Kontrolle, sieht er keinen Bedarf. Das System funktioniere gut, wie es
       ist. Verständnis für die Bestürzung und die Wut nach der Tötung von Lorenz
       A habe er zwar, aber: „Schwierigkeiten habe ich mit dem immer
       wiederkehrenden Vorwurf des strukturellen Rassismus. Ich bin überzeugt,
       dass wir den in der Polizei nicht haben.“
       
       ## „Es muss sich etwas verändern“
       
       Auch die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) wies nach
       der Tötung von Lorenz A. Vorwürfe von strukturellem Rassismus in der
       Polizei „mit aller Überzeugung zurück“. Das bekräftigte sie nochmals, auch
       nachdem in der niedersächsischen Polizei im September gleich [15][zwei
       Chatgruppen] mit rassistischen Inhalten aufflogen, von denen sich eine an
       der Polizeiakademie Oldenburg gründete. Beide untermauern ihren Befund mit
       einem Hinweis auf die 2024 erschienene Studie zu Diskriminierungsrisiken in
       der niedersächsischen Polizei. Tatsächlich kommt diese Studie jedoch zu dem
       Schluss, dass es sehr wohl mehrere fest in der Polizei verankerte
       Arbeitsroutinen gibt, etwa die „Lagebeurteilung unter Nutzung ethnischer
       Kategorien“, die Diskriminierung begünstigen können.
       
       „Es ist ein institutionelles Problem“, sagt Astrid Jacobsen über Racial
       Profiling. Sie ist Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen und
       Mitautorin der Studie. Die Beamt:innen müssen selbst entscheiden, wen
       sie kontrollieren: „Sie greifen dabei auf persönliche und kollektive
       polizeiliche Erfahrungen zurück, die Gefahr laufen, zu einer sich selbst
       erfüllenden Prophezeiung zu werden.“ Auch wenn sie keine rassistische
       Einstellung haben, können die Polizist:innen deshalb rassistisch
       handeln.
       
       Auch auf Grundlage dieser Erkenntnisse fordern die Grünen in Niedersachsen
       Reformen wie eine verbindliche Datenerhebung zu Racial Profiling,
       unabhängige Polizeibeauftragte und Kontrollquittungen. „Schon in meiner
       Jugend habe ich erlebt, wie ich – oder vor allem meine männlichen Freunde –
       ohne ersichtlichen Grund herausgegriffen und kontrolliert wurden“, erzählt
       die Oldenburger Landtagsabgeordnete Lena Nzume. In Reaktion auf die Tötung
       von Lorenz A. hat die Partei auf ihrem Bundesparteitag im November einen
       Beschluss zur Überwindung von „institutionellem Rassismus in
       Sicherheitsbehörden“ verabschiedet. Ob sie ihre Forderungen umsetzten
       können, ist fraglich.
       
       Zuletzt hat sich der niedersächsische Polizeipräsident trotz einer
       entsprechenden Vereinbarung im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen gegen
       die Einführung einer Kennzeichnungspflicht ausgesprochen. Auch
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigte im Dezember im
       Bundestag anlässlich der geplanten Modernisierung des Bundspolizeigesetzes
       [16][nochmals] sein Vertrauen in die Polizei. Racial Profiling und
       Polizeigewalt bezeichnete er als „Polemik“. Für ihn gebe es „nur eine
       einzige Perspektive: Wir stehen auf der Seite der Polizistinnen und
       Polizisten, nicht auf der Seite der Kriminellen“. Eine von seinem
       Ministerium geförderte und diesen Februar [17][veröffentlichte Studie]
       kommt dagegen zu dem Schluss, dass Racial Profiling als Form von
       institutionellem Rassismus ein verbreitetes Problem darstellt und in der
       Polizei erheblicher Reformbedarf besteht.
       
       Durch die Terrassentür von Bens Wohnzimmer bricht inzwischen die Dämmerung
       herein. Nachdem er, Simon und Julian über eine Stunde von ihren
       persönlichen Erfahrungen berichtet haben, kommen sie zum Abschluss noch auf
       die Politik zu sprechen. Aussagen, wie die des Innenministers, bestärken
       bei ihnen das Gefühl, dass die Politik die Tötung ihres Freundes und den
       Rassismus in der Polizei nicht ernstnimmt. Dabei betont Ben, dass alle
       Schwarzen und PoC betroffen sind und ihre Erfahrungen nichts Besonderes
       seien, nur weil sie Lorenz kannten. Sie kämpfen deshalb selbst für eine
       Reform des Systems. „Es muss sich etwas verändern“, sagt Simon. „Es darf
       nicht sein, dass dafür erst Leute sterben müssen.“
       
       23 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Demonstration-fuer-Lorenz-A/!6084885
 (DIR) [2] /Toedlicher-Polizeieinsatz-in-Oldenburg/!6083773
 (DIR) [3] /Fall-Lorenz-A/!6127100
 (DIR) [4] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/erschossener-lorenz-a-entscheidung-ueber-prozess-verzoegert-sich,lorenz-156.html
 (DIR) [5] https://mediendienst-integration.de/rassismus-und-antisemitismus/rassismus-in-deutschland/rassismus-in-der-polizei-und-racial-profiling/
 (DIR) [6] https://www.dezim-institut.de/fileadmin/user_upload/fis/publikation_pdf/FA-5383.pdf
 (DIR) [7] https://www.fr.de/politik/polizeigewalt-studie-mit-niederschmetterndem-ergebnis-veroeffentlicht-zr-92282918.html
 (DIR) [8] /Soziologin-ueber-Polizei-und-Rassismus/!5693858
 (DIR) [9] https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/oury-jalloh-tod-polizeizelle-dessau-chronologie-102.html
 (DIR) [10] https://fra.europa.eu/en/project/2011/european-union-minorities-and-discrimination-survey
 (DIR) [11] /Umfrage-unter-Schwarzen-Menschen/!5819300
 (DIR) [12] https://doku.deathincustody.info/
 (DIR) [13] /Oldenburgs-Polizeipraesident-ueber-Lorenz/!6125414
 (DIR) [14] /Personenkontrollen-der-Bremer-Polizei/!5908353
 (DIR) [15] /Rechte-Polizeichats-in-Niedersachsen/!6117170
 (DIR) [16] https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/bmi-polizeigesetz-bt-2400950
 (DIR) [17] /Rassismus-in-Behoerden/!6155659
       
       ## AUTOREN
       
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