# taz.de -- Massenentlassungen bei „Washington Post“: Der Letzte macht das Licht aus
> Die „Washington Post“ kündigt reihenweise und weltweit Redakteure. Das
> ist nicht nur schlecht für die US-Zeitung, sondern auch für die
> Demokratie.
(IMG) Bild: Robert Redford und Dustin Hoffman als Starreporter in dem Film „Die Unbestechlichen“ von 1976
Als die Washington Post 2017 während der ersten Trump-Amtszeit „Democracy
Dies in Darkness“ zu ihrem Motto erklärte – die Demokratie stirbt in der
Dunkelheit –, wirkte der Spruch zwar etwas dramatisch, aber immerhin wie
ein Bekenntnis zur journalistischen Integrität. Jetzt, nachdem die
renommierte US-Zeitung am gestrigen Mittwoch 30 Prozent ihrer Mitarbeiter
gekündigt hatte, liest er sich wie ein Zugeständnis des Scheiterns.
Der Kahlschlag bei der Washington Post kommt nach einem Jahr, in dem
US-Präsident Donald Trump den Medien regelrecht [1][den Krieg erklärt hat]:
durch politischen Druck auf Sender, durch teure Gerichtsverfahren als
Einschüchterungstaktik, durch Kürzungen bei öffentlich-rechtlichen Medien
und schließlich auch durch die offene Diffamierung und Beleidigung von
Reportern und vor allem Reporterinnen.
Nun wird die Washington Post, einst der Goldstandard für
Investigativjournalismus, zu einem Schatten ihres früheren Selbst. Mehr als
[2][300 der insgesamt rund 800 Journalisten] sollen ihren Job verloren
haben, hinzu kommen einige nichtredaktionelle Stellen. Besonders betroffen
sind die Ressorts Ausland, Lokal und Sport.
## Schlechte Führung und politisches Kalkül
Die Entscheidung ist einerseits ein Zeugnis von schlechter Führung. 2023
holte Eigentümer Jeff Bezos den Briten William Lewis ins Haus als Verleger,
um die Zeitung wieder rentabel zu machen – eigentlich. Lewis, der schon zum
Amtseintritt wegen seiner Rolle im [3][Telefon-Hacking-Skandal der
britischen Murdoch-Presse] in der US-Redaktion kritisch beäugt wurde,
verkündete damals, er wolle die Washington Post zur „wichtigsten
Nachrichtenorganisation für Menschen auf der ganzen Welt“ machen.
Bezos und Lewis sind mit ihrem Ziel grandios gescheitert, was auf eine
Reihe umstrittener Entscheidungen zurückzuführen ist. Während die New York
Times im vergangenen Jahr [4][1,4 Millionen neue Onlineabonnenten]
hinzugewann, verliert die Washington Post Hunderttausende Leser, und
namhafte, preisgekrönte Journalisten verlassen die Zeitung in Scharen.
Die Krise der Post hat aber auch mit politischem Kalkül zu tun – und
Amazon-Gründer Jeff Bezos’ [5][schamloser Anbiederung an Trump]. Eine
Wahlempfehlung der Zeitung für die demokratische Trump-Konkurrentin Kamala
Harris wurde erst elf Tage [6][vor der Präsidentschaftswahl verhindert],
mit der Folge, dass Hunderttausende Leser ihre Abos aus Protest kündigten.
Dann verkündete Bezos, dass die Washington Post sich künftig in
Meinungstexten nur noch für „persönliche Freiheiten und freie Märkte“
einsetzen werde, widersprechende Texte zu diesen Themen überlasse er
anderen Medien – der Meinungschef trat daraufhin zurück.
Und nun versetzt Bezos dem Blatt den Todesstoß.
## Eine erratische Außenpolitik
Am verheerendsten sind die Kürzungen in der internationalen
Berichterstattung: Die Büroleiterin sowie die Korrespondentin der Zeitung
in der Ukraine wurden gekündigt, mitten im Krieg. Sämtliche Reporter im
Nahen Osten wurden ebenfalls entlassen, das Jerusalemer Büro wurde
dichtgemacht. Auch der Berliner Büroleiter verlor seinen Job nach nur sechs
Monaten im Amt.
Trumps zweite Amtszeit wird von einer erratischen Außenpolitik samt
Militärinterventionen und Handelskrieg dominiert, die unabsehbare Folgen
für die ganze Welt haben wird. Die Washington Post war eine der wenigen
US-Zeitungen, die noch über ein stattliches Netzwerk von
Auslandskorrespondenten verfügte, die über die Konsequenzen dieses Kurses
berichteten. Nun haben US-Amerikaner eine vertrauenswürdige Quelle weniger
über eine Welt, die Trump mit Eifer und Häme neu ordnen will.
Marty Baron, bis 2021 Chefredakteur der Zeitung, schreibt [7][in einem
offenen Brief]: „Dies zählt zu den dunkelsten Tagen in der Geschichte einer
der weltweit größten Nachrichtenorganisationen.“ Er spricht von der „fast
sofortigen, selbstverschuldeten Zerstörung einer Marke“ – die ehemalige
White-House-Büroleiterin der Zeitung, Ashley Parker, [8][in The Atlantic]
sogar von der „Ermordung der Washington Post“.
Jeff Bezos hat die Washington Post zerlegt. Und das ist nicht nur schlecht
für das Blatt, sondern für die Demokratie. Als ihr Wächter gab sich die
Zeitung einst aus – als kritische Kontrollinstanz, die einen Scheinwerfer
auf Missstände der US-Politik richtet, von Venezuela über Grönland bis
Iran. Den Anspruch gibt sie nun offenbar auf.
5 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Trump-verklagt-CBS/!6063588
(DIR) [2] /Washington-Post-entlaesst-Redakteure/!6151640
(DIR) [3] /Rupert-Murdoch/!6102684
(DIR) [4] https://www.nytimes.com/2026/02/04/business/media/new-york-times-earnings.html
(DIR) [5] /Doku-ueber-Melania-Trump/!6150413
(DIR) [6] /Endorsements-im-US-Wahlkampf/!6042509
(DIR) [7] https://x.com/BenMullin/status/2019056870686695730?s=20
(DIR) [8] https://www.theatlantic.com/politics/2026/02/washington-post-layoffs-bezos/685872/
## AUTOREN
(DIR) Nicholas Potter
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