# taz.de -- Washington-Post-Herausgeber: Zwei Jahre voller Krisen und Kontroversen
       
       > Wenige Tage nach den Ankündigungen zu Massenentlassungen ist der
       > Herausgeber der Washington Post zurückgetreten. Die Redaktion freut das.
       
 (IMG) Bild: Will Lewis posiert für ein Foto, Washington, 5. November 2023
       
       Nur wenige Tage nachdem die Washington Post einen radikalen Kahlschlag
       verkündet hatte, nimmt auch der Mann, der das Medienunternehmen profitabel
       machen sollte, seinen Hut. Will Lewis gab am Samstag bekannt, dass er nach
       nur zwei Jahren die US-Zeitung verlassen werde.
       
       In seiner Rücktrittsankündigung bezeichnete er seine Zeit als Herausgeber
       und Geschäftsführer der Washington Post als „zwei Jahre der Veränderungen“,
       doch geprägt war diese Zeit vor allem von Entlassungen, Turbulenzen und
       fehlgeschlagenen Innovationen. [1][Die Massenentlassungen am vergangenen
       Mittwoch], als mehr als ein Drittel der Mitarbeiter ihren Job verloren
       hatten, war der unrühmliche Höhepunkt seiner Amtszeit.
       
       Dass Lewis, der zu den Entlassungen nicht öffentlich Stellung bezogen
       hatte, nur einen Tag später auf dem roten Teppich einer Veranstaltung im
       Rahmen [2][des diesjährigen Superbowls] abgelichtet wurde, war ein weiteres
       Indiz dafür, dass das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung
       komplett zerbrochen ist – und dies bereits seit Längerem der Fall war.
       
       ## In denen vergangenen Wochen war Lewis abwesend
       
       In denen vergangenen Wochen, als immer klarer wurde, dass Kürzungen
       bevorstehen, war Lewis abwesend. Journalisten der Washington Post, die das
       Vertrauen in ihn verloren hatten, appellierten deshalb direkt an
       [3][Amazon-Gründer Jeff Bezos], den Kahlschlag doch noch abzuwenden. Bezos,
       der die Washington Post 2013 erwarb, reagierte darauf aber nicht.
       
       Als Lewis im Januar 2024 zur Post kam, steckte die Zeitung in finanziellen
       Schwierigkeiten. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren
       Millionenverluste angehäuft. Der 56-jährige Engländer, der zuvor bei
       Konkurrenten, wie dem Wall Street Journal und dem britischen The Daily
       Telegraph, gearbeitet hatte, sollte dies ändern.
       
       Für Bezos dürfte Lewis ein attraktiver Kandidat gewesen sein. Er leitete
       das WSJ sechs Jahre lang als Verleger und Geschäftsführer und verhalf der
       Zeitung mit ihrem Paywall-System zu einer soliden finanziellen Grundlage.
       
       ## Zeitweise Berater von Boris Johnson
       
       Lewis hatte auch Erfahrung im Umgang mit exzentrischen Persönlichkeiten wie
       US-Präsident Donald Trump. Sowohl in Großbritannien als auch in den USA
       hatte er für den [4][Medienmogul Rupert Murdoch] gearbeitet und später war
       er als Berater des damaligen britischen Premierministers Boris Johnson
       tätig.
       
       Doch einer der größten Skandale der britischen Medienwelt verfolgte Lewis.
       Im Dezember 2023 berichtete NPR, dass Lewis beschuldigt worden sei, an
       Vertuschungsversuchen im Zusammenhang mit dem Telefonabhörskandal der
       britischen Boulevardzeitungen von Murdoch Anfang der 2010er-Jahre beteiligt
       gewesen zu sein. Lewis bestritt jegliches Fehlverhalten.
       
       Andere Fehltritte wie die Entscheidung, [5][während der
       Präsidentschaftswahl 2024 keine Wahlempfehlung] abzugeben, geschahen
       während Lewis’ Zeit als Herausgeber. Auch wenn Bezos maßgeblich diese
       Entscheidung beeinflusste. Das Resultat waren Hunderttausende gekündigte
       Abos.
       
       Wie es mit Lewis und der Washington Post nun weitergeht, ist ungewiss,
       unter den Redakteuren der Zeitung wird sein Rücktritt allerdings für wenig
       Trauer sorgen. „Der Abgang von Will Lewis ist längst überfällig“, erklärte
       deren Gewerkschaft in einer Mitteilung.
       
       Allerdings sei es noch nicht zu spät, die Zeitung zu retten. „Jeff Bezos
       muss die Entlassungen umgehend rückgängig machen oder die Zeitung an
       jemanden verkaufen, der bereit ist, in ihre Zukunft zu investieren.“
       
       Der aktuelle Finanzchef der Zeitung, Jeff D'Onofrio, wird vorerst die
       Position des amtierenden Geschäftsführers übernehmen.
       
       8 Feb 2026
       
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 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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