# taz.de -- Nach Entlassungen: Herausgeber von „Washington Post“ tritt zurück
> Die „Washington Post“ steckt in der Krise. Nach der Bekanntgabe einer
> großen Entlassungswelle verlässt der Herausgeber die Zeitung.
(IMG) Bild: Will Lewis, Herausgeber und CEO der „Washington Post“, tritt zurück
AP Der Herausgeber der Washington Post, Will Lewis, hat nach der
angekündigten Entlassungswelle bei der traditionsreichen US-Zeitung seinen
Rücktritt erklärt. Nach zwei Jahren des Wandels sei „jetzt der richtige
Zeitpunkt für mich gekommen, beiseitezutreten“, schrieb Lewis am Samstag in
einer E-Mail an die Belegschaft. Der bisherige Finanzvorstand Jeff
D'Onofrio wurde zum kommissarischen Herausgeber und Chef ernannt. Er war
erst im Juni 2025 zur „Post“ gestoßen und war zuvor unter anderem beim
Digitalmedienunternehmen Raptive, bei Google und beim Sportverband Major
League Baseball tätig.
Erst kürzlich hatte die angeschlagene Zeitung angekündigt, ein Drittel
ihrer Belegschaft zu entlassen. In seiner Mail an die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter schrieb Lewis, dass „schwierige Entscheidungen getroffen worden
seien, um die nachhaltige Zukunft der Washington Post zu sichern“. Zugleich
lobte er Milliardär Jeff Bezos und erklärte: „Die Institution hätte keinen
besseren Eigentümer haben können.“
Weder Lewis noch Bezos hatten sich bei der Mitarbeiterversammlung in dieser
Woche gezeigt, in der der Kahlschlag verkündet wurde. Unter anderem sollen
die renommierte Sportredaktion aufgelöst, die Auslands- und
Lokalberichterstattung stark zusammengestrichen und Fotojournalisten
entlassen werden.
Der in Großbritannien geborene Lewis war Verleger des Wall Street Journal,
bevor er im Januar 2024 die Leitung der Washington Post übernahm. Seine
Zeit bei dem traditionsreichen Blatt verlief laut Beobachtern von Beginn an
holprig und war von [1][Entlassungen und einem gescheiterten
Umstrukturierungsplan geprägt,] der im Juni 2024 zum Rücktritt der
damaligen Chefredakteurin Sally Buzbee führte. Lewis' ursprünglicher
Wunschkandidat für ihre Nachfolge, Robert Winnett, zog sich zurück, als
ethische Fragen zu seinen und Lewis' Entscheidungen während ihrer Tätigkeit
in England aufkamen. Kurz darauf übernahm der aktuelle Chefredakteur Matt
Murray.
## Der Einfluss von Jeff Bezos
Die Post hat überdies Zehntausende Abonnenten verloren. Hintergrund ist
etwa die Anordnung von Eigentümer Bezos, in der Spätphase des
US-Präsidentschaftswahlkampfs 2024 eine erwartete Wahlempfehlung für die
Demokratin Kamala Harris zurückzuziehen. Zudem lenkte er die liberalen
Meinungsseiten in eine konservativere Richtung.
Die Washington Post Guild, die Gewerkschaft der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, nannte den Abgang von Lewis längst überfällig. „Sein
Vermächtnis wird die versuchte Zerstörung einer großen Institution im
amerikanischen Journalismus sein“, hieß es in einer Stellungnahme der
Guild. „Aber es ist noch nicht zu spät, die Post zu retten. Jeff Bezos muss
die Entlassungen umgehend zurücknehmen oder die Zeitung an jemanden
verkaufen, der bereit ist, in ihre Zukunft zu investieren.“
Bezos erwähnte Lewis nicht in einer Erklärung, in der er sich zum
Personalwechsel an der Spitze äußerte. D'Onofrio und sein Team seien gut
aufgestellt, um die Zeitung in „ein spannendes und erfolgreiches nächstes
Kapitel“ zu führen. „Die Post hat einen unverzichtbaren journalistischen
Auftrag und eine außergewöhnliche Chance“, ergänzte Bezos. „Jeden einzelnen
Tag geben uns unsere Leserinnen und Leser einen Fahrplan zum Erfolg. Die
Daten zeigen uns, was wertvoll ist und worauf wir uns konzentrieren
sollten.“
D’Onofrio schrieb der Belegschaft, man beende „eine harte Woche der
Veränderung mit noch mehr Veränderung“. [2][Für alle Medienunternehmen
seien es herausfordernde Zeiten,] „und leider ist auch die Post da keine
Ausnahme“, erklärte der neue Herausgeber. Er habe in seiner Laufbahn
bereits das Privileg gehabt, sowohl den Kurs von Pionieren als auch von
kulturellen Institutionen mitzubestimmen. „Alle waren mit wirtschaftlichem
Gegenwind in sich wandelnden Branchenlandschaften konfrontiert – und wir
haben uns diesen Momenten gestellt. Ich habe keinen Zweifel, dass wir das
auch diesmal gemeinsam tun werden.“
8 Feb 2026
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