# taz.de -- Bedrohte Insel: Warum ist Grönland überhaupt wichtig?
       
       > Trotz der dunklen Kolonialgeschichte stehen Dänemark und Grönland
       > zusammen – wie jetzt in Washington. Viel nützt das gegen Trumps Gier
       > bisher nicht.
       
 (IMG) Bild: Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt am Mittwoch in Washington
       
       Er wird in Dänemark gelobt, der Einsatz von Lars Løkke Rasmussen und Vivian
       Motzfeldt in Washington. So ist es mit der Diplomatie: Dass man offiziell
       miteinander spricht, ist bereits ein Erfolg. Ein weiterer, wenn das gelinde
       gesagt heikle Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und Vize-Präsident
       J.D Vance fünf Minuten länger dauert als geplant.
       
       Der dänische Außenminister beschrieb das Gespräch im Anschluss am
       Mittwochabend dann als „offen, aber konstruktiv“. In einer Arbeitsgruppe
       auf hoher Ebene soll der Dialog über [1][das Problem, das es ohne Trumps
       Grönland-Gier nicht gäbe,] fortgesetzt werden.
       
       Løkke Rasmussen sprach von dem, was er und seine grönländische
       Ministerkollegin Motzfeldt in Washington erreicht haben, mit einiger
       Zufriedenheit, aber keineswegs mit Begeisterung. Die USA bleiben
       schließlich bei ihrem Anspruch auf Grönland, mit Trump und seiner „Ich will
       aber!“-Haltung an der Spitze.
       
       Dass ein Gespräch daran etwas ändert, war nicht zu erwarten gewesen. Alle
       rationalen Argumente gegen das US-Ansinnen sind längst bekannt und werden
       dennoch immer neu wiederholt – sowohl von Dänemark und Grönland, als auch
       von Verbündeten wie den nordischen Nachbarn, der EU und großen
       Nato-Ländern.
       
       Dass die eisige Insel historisch und aktuell begehrt ist, erklärt ein
       Experte der Universität Roskilde zuvorderst mit ihrer Lage zwischen den
       USA, Europa und Russland: „Grönland war rein geografisch mehrfach
       mittendrin bei einigen der größten Ereignisse der Weltgeschichte“, sagte
       Historiker Rasmus Dahlberg dem dänischen Rundfunk DR.
       
       ## Historische Bedeutung
       
       Beispiel Zweiter Weltkrieg: Die Insel war wichtig für die Alliierten im
       Kampf gegen Deutschland, vor allem für die Zwischenlandung von
       US-Kampfflugzeugen. Mit dem von Deutschland besetzten Dänemark einen
       Vertrag über die Einrichtung von Militärbasen zu machen, war nur indirekt
       möglich. Die USA verhandelten mit dem dänischen Diplomaten Henrik Kauffmann
       in Washington – sie durften ihre Militärbasen bauen, wenn sie so lange
       Grönland verteidigen und die Menschen dort versorgen, wie Dänemark besetzt
       ist.
       
       Daraus wurde 1951 das derzeit viel zitierte und bis heute gültige
       Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich Dänemark und den USA. Die
       könnten in dessen Rahmen ihre über lange Zeit immer weiter
       heruntergefahrene Militärpräsenz in der Arktis erhöhen, auch ohne Grönland
       zu „besitzen“. Eines der Argumente, [2][die im Weißen Haus derzeit niemand
       hören will.]
       
       225 Jahre ununterbrochene diplomatische Beziehungen zwischen den USA und
       Dänemark: Løkke Rasmussen achtete am Mittwoch darauf, dies zu betonen, als
       er die Gelegenheit dazu beim US-Sender Fox News bekam. Der dänische
       Außenminister war beim Trump-Fan-Sender zum Interview geladen, noch nach
       dem großen Treffen in Washington. Gelegenheit zur Fernseh-Diplomatie.
       
       „Wir haben 2026“, sagte er auch, „man kann Menschen nicht kaufen.“ Eine der
       Ideen aus dem Weißen Haus, wie Grönland US-amerikanisch werden könnte, ist
       bekanntlich der Kauf. Seit 2019 hat Trump davon gesprochen, und er war
       nicht der erste. Die anderen Versuche der USA sind eine Weile her – aber
       auch 1867, 1910 und 1946 war die Antwort aus Dänemark: „Grönland ist nicht
       zu verkaufen.“
       
       Die [3][territoriale Kauflust der USA] ist unter Trump wieder aufgeblüht,
       als wäre nichts gewesen – die Rolle Grönlands und seiner Bevölkerung ist
       aber nicht mehr dieselbe wie einst. Seit 1953 ist die Insel keine Kolonie
       mehr, seit 2009 selbstverwaltetes Land im Königreich Dänemark mit
       (Fern-)ziel einer unabhängige Zukunft. Grönländische Politiker verhandeln
       mit und betreiben auch ihre eigene Diplomatie mit Verbündeten.
       
       Die größte Frage für Grönland ist, wie es wirtschaftlich selbstständig
       funktionierten kann. Wichtigster Wirtschaftsfaktor ist bislang die
       Fischerei. Die riesigen Vorkommen an Seltenen Erden gelten einigen als
       große Hoffnung. Sie liegen aber schwer zugänglich wie ein tief vergrabener
       Schatz, von dem die ganze Welt weiß, natürlich auch Trump. Bislang ist
       damit auch für überreiche ausländische Investoren kein Geschäft zu machen –
       neben der Logistik erschwert Widerstand aus der Bevölkerung wegen möglicher
       Umweltfolgen eine lohnenswerte Goldgräberei.
       
       ## Der Vorteil des Klimawandels
       
       Aber es könnte leichter werden in nicht allzu ferner Zukunft. Grönlands Eis
       schmilzt in hohem Tempo, die Arktis ist stärker als andere Regionen von der
       Klimakrise betroffen. Und nicht nur die Aussicht, künftig mit weniger
       Aufwand an Seltene Erden zu kommen, lässt Grönlands Wert für
       Klimakrisenleugner Trump zusätzlich steigen. Durch die schnelle Erwärmung
       dürften in der Arktis zudem kürzere und deshalb strategisch und finanziell
       interessante Schifffahrtswege entstehen.
       
       Die USA meinen es Ernst, das zweifelt inzwischen niemand mehr an. Und das
       hat nun Grönland und Dänemark einander näher gebracht. Trotz der langen,
       dunklen Kolonialgeschichte, die für ein kompliziertes Verhältnis der Länder
       sorgt, trotz des grundsätzlichen Ziels der Unabhängigkeit. Grönlands
       Regierungschef Jens-Fredrik Nielsen ließ in diesen Tagen keinen Zweifel
       aufkommen. Ihre beiden Länder, betonte er, müssten gerade jetzt
       zusammenstehen.
       
       15 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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