# taz.de -- Schäden durch Erderhitzung: Obligatorischer Schutz gegen Klimaschäden kommt bald
> Naturkatastrophen werden immer zerstörerischer. Die Regierung will eine
> Pflichtversicherung gegen diese Gefahr. Die Versicherungsbranche lehnt
> das ab.
(IMG) Bild: Schäden durch Katastrophen, wie die im Ahrtal 2021, sollen zukünftig versichert sein
Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erwartet,
dass noch in diesem Jahr ein Gesetzgebungsverfahren zu einer
Pflichtversicherung für Elementarschäden wie Überschwemmungen beginnt. Das
sagte GDV-Präsident Norbert Rollinger am Mittwoch vor Journalist*innen.
„Extremwetterlagen nehmen zu. Starkregen, Hochwasser und andere
Naturgefahren verursachen häufiger und im Durchschnitt teurere Schäden“,
sagte er. In Hochrisikogebieten würden die Prämien für Versicherungen so
stark steigen, dass viele Haushalte sie kaum noch stemmen könnten. „Wenn
wir nichts tun, riskieren wir die flächendeckende Versicherbarkeit zu
verlieren“, warnte Rollinger.
[1][Angesichts der sich beschleunigenden Erderhitzung], die
Überschwemmungen, Sturmfluten und Erdrutsche [2][häufiger] [3][und]
[4][heftiger] macht, fordern Bundesländer und
Verbraucherschützer*innen schon seit Jahren eine verpflichtende
Versicherung gegen Naturkatastrophen wie Überschwemmungen.
Sie fürchten, dass der Staat andernfalls immer öfter und mit immer größeren
Summen einspringen muss, wenn Betroffene nicht auf den Klimafolgekosten
sitzen bleiben sollen. Unter der Ampelregierung [5][scheiterte das Vorhaben
aber an FDP-Justizminister Marco Buschmann].
Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag
vorgenommen, eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden einzuführen.
An der Umsetzung arbeitet das Bundesjustizministerium, wie es der taz auf
Anfrage mitteilte. Einen konkreten Zeitplan kann das Ministerium aber noch
nicht nennen.
## GDV will gefährdete Gebäude in eigenen Topf werfen
2025 stieg der Anteil der Wohnhäuser, die gegen Elementarschäden versichert
sind, um 3 Prozentpunkte auf 57 Prozent. „Wir sind auf einem guten Weg,
auch ohne Pflicht“, sagte Rollinger.
Bereits im vergangenen Dezember hat der GDV einen [6][Vorschlag] gemacht,
wie eine höhere Versicherungsdichte gegen Elementarschäden aussehen könnte.
Versicherungen für Gebäude in Hochrisikolagen sollen demnach in einem
eigenen Topf namens „Elementar Re“ gebündelt werden. Die Kosten für die
Versicherungen dieser Häuser – der GDV geht deutschlandweit von etwa
400.000 aus – werden begrenzt und die Lücke zur „eigentlich
risikogerechten“ Prämie auf alle anderen Versicherten verteilt.
Der Staat soll nur einspringen, wenn eine Naturkatastrophe Schäden von mehr
als 30 Milliarden Euro verursacht. Zudem schlägt der GDV eine
Ausstiegsklausel vor: Während eine Wohngebäudeversicherung bislang in der
Regel nur bei Feuer und Sturm greift, sollen künftig standardmäßig auch
Überschwemmungen abgedeckt sein. Wer das nicht möchte, kann sich dagegen
entscheiden, erhält dann im Ernstfall aber keine staatliche Unterstützung.
## Bund der Versicherten kritisiert Ausstiegsklausel
Kritik am Vorschlag kommt vom Bund der Versicherten (BdV), der sich als
Verbraucherschutzorganisation versteht, aber für Mitglieder auch
Gruppenversicherungen anbietet. „Die vom Lobbyverband gelobte
Vertragsfreiheit liegt aktuell vor allem in der Freiheit der Versicherer“,
sagte Stephen Rehmke vom BdV. „Sie legen fest, was überhaupt versichert
wird.“ Sturmfluten und Meereshochwasser an Flussmündungen seien
ausgeschlossen, ebenso Regen, der als Sickerwasser in die Keller eindringt.
Auch die Ausstiegsklausel und den damit verbundenen Verzicht auf staatliche
Hilfe sieht der BdV kritisch. „Man kann den Staat nicht von einer Haftung
freimachen oder ihn von der Pflicht zur Daseinsvorsorge und
Klimafolgenanpassung entbinden“, sagte Rehmke.
Dass der Staat in Anpassung an die Folgen der Erderhitzung investieren
muss, fordert auch der GDV. „Eine Pflicht allein verhindert keinen einzigen
Schaden“, sagte Rollinger. „Wer nur über Pflichten spricht, aber nichts an
Bebauung, Raumordnung und Schutzmaßnahmen ändert, baut ein System auf
Sand.“ Nötig sei gleichzeitig, das Klima zu schützen. „Das Geschäftsmodell
der Versicherungswirtschaft gerät in Gefahr, wenn die Erderwärmung auf 3
Grad zugeht.“
Für den GDV werden in den kommenden Monaten die Reformen der privaten
Altersvorsorge aber noch wichtiger als die Debatte um
Elementarversicherungen. „Ein Neustart ist hier wichtig“, sagte Asmussen.
„Das wird für uns positiv sein.“ Unter anderem fordert der Verband, dass
Versicherer gegenüber Banken, Neobrokern und Fondsgesellschaften nicht
benachteiligt werden, indem die gesetzliche Beratungspflicht ausgesetzt
wird. Grundsätzlich hält der GDV es für notwendig, die Altersvorsorge
stärker über Aktienmärkte zu organisieren und entsprechend zu fördern.
4 Feb 2026
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(DIR) [6] https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/elementarschutz-fuer-alle-versicherer-legen-modell-fuer-sicherungssystem-gegen-naturgefahren-vor-194780
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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