# taz.de -- Projekt für Wohnungslose in Berlin: Verein Barka ergänzt Hilfsnetz
       
       > Mit dem Projekt „One-Stop-Shop“ will Barka im Hilfesystem Berlins für
       > Obdach- und Wohnungslose eine Lücke schließen und vor allem EU-Bürgern
       > helfen.
       
 (IMG) Bild: Ein ewiger Kreislauf: Ohne Wohnraum ist es schwierig, einen Job zu erhalten, ohne Job bekommt man nur schwer eine Wohnung
       
       Der Verein Barka stellt das Projekt „One-Stop-Shop“ einem interessierten
       Publikum vor. Zu dem Kick-Off-Event in den Räumen des Projekts Refugio in
       Neukölln kamen am Freitagnachmittag rund 70 Teilnehmende, darunter
       zahlreiche Mitarbeitende von sozialen Trägern und Initiativen, etwa von
       Fixpunkt und von der Union für Obdachlosenrechte. Angelaufen ist das
       Projekt im November vergangenen Jahres. Mit ihm geht es Barka darum, das
       Leben für Obdach- und Wohnungslose insbesondere aus EU-Staaten zu
       verbessern.
       
       [1][Obwohl es in Berlin bereits einige Anlaufstellen für Wohnungs- und
       Obdachlose Menschen gibt], fehlte es bislang an einem spezifischen Angebot
       für EU-Bürger:innen, primär aus osteuropäischen Ländern wie Polen. Diese
       Lücke wolle Barka mit dem Projekt schließen und das Hilfesystem für
       Wohnungslose damit ergänzen, sagt Mia Raben vom Vorstand des Vereins. „Die
       Hilfsangebote reichen hinten und vorne nicht“, so Raben.
       
       In Berlin sind mehr als 50.000 Menschen ohne Wohnung. Rund 6.000 Menschen
       sind laut Sozialverwaltung davon derzeit obdachlos. Andere Erhebungen
       kommen auf bis zu 8.000 Obdachlose in der Hauptstadt. [2][Deutschlandweit
       sind mehr als eine Million Menschen wohnungs- oder obdachlos]. Rund 60
       Prozent davon sind Staatsbürger:innen von EU-Mitgliedsländern, zum
       Beispiel Rumänien oder Bulgarien. Laut dem Wohnungslosenbericht der
       Bundesregierung von 2024 sind polnische Staatsbürger:innen mit rund 20
       Prozent darunter am stärksten vertreten. Hinzu kommen Menschen aus der
       Ukraine.
       
       ## Zentrale Anlaufstelle mit Beratungsangeboten
       
       Die Gründung des Barka e.V. geht auf die Stiftung Barka für gegenseitige
       Hilfe zurück, die von der Psychologin Barbara Sadowska und ihrem Mann
       Tomasz Sadowski im Jahr 1989 in Polen gegründet wurde. Inzwischen gibt es
       Projekte von Barka in neun europäischen Ländern, etwa in England, Irland,
       in den Niederlanden und Frankreich. [3][Ziel der Stiftung ist es,
       Obdachlose und Hilfsbedürftige zu unterstützen]. Mit dem Projekt
       „One-Stop-Shop“ will Barka nun auch in Berlin eine zentrale Anlaufstelle
       mit Beratungen in deutscher, polnischer, englischer und auch russischer
       Sprache anbieten.
       
       Den Betroffenen offeriere man beispielsweise, zu prüfen, ob
       Leistungsansprüche durchgesetzt werden können, erklärt Julie Markussen von
       Barka im Gespräch mit der taz. Um mit ihnen in Kontakt zu kommen, geht ein
       Tadem – bestehend aus einer Sozialarbeiterin und einem Erfahrungsexperten –
       zudem gezielt in Tagesstätten für Wohnungslose. Vorgenommen habe man sich
       pro Jahr rund 500 Erstkontakte mit Wohnungs- und Obdachlosen, berichtet
       Markussen.
       
       Menschen aus EU-Mitgliedsländern seien „besonders prekär lebend“.
       „Geflüchtete können im Asylleistungsgesetz untergebracht werden“, sagt
       Markussen. Für EU-Bürger:innen gelte jedoch, dass sie „nur dann geschützt
       sind, wenn sie mindestens sechs Monate sozialversicherungspflichtig
       beschäftigt waren oder nachweisen können, dass sie in den letzten fünf
       Jahren ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hatten und zur Zeit der
       Beantragung arbeitsfähig waren“.“ so Markussen. Viele ihrer Klient:innen
       seien jedoch nicht arbeitsfähig. Zudem werde der „Anspruch auf
       Unterbringung nicht immer durchgesetzt“.
       
       Mit Blick auf Leistungsansprüche berichten Sabrina Wilde und Chantal
       Chisley vom Interessenverband des polnischen Sozialrats am Samstag zudem,
       diese würden „restriktiv geprüft“. Lange Bearbeitungszeiten und „unklare
       Verantwortlichkeiten“ in den Ämtern würden den Prozess für die Betroffenen
       zusätzlich erschweren. So entstehe ein Kreislauf: Ohne Wohnraum sei es
       schwierig, einen Job zu erhalten, ohne Job bekomme man nur schwer eine
       Wohnung, erklärt Wilde. Dabei sei Wohnen „ein Grundrecht“, fügt ihre
       Kollegin Chisley hinzu. „Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist kein
       individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem“, betont sie.
       
       Die Soziologin und Sozialarbeiterin Aneta Midzio-Opala vom Verein Barka
       kann davon direkt aus der Praxis berichten. Im Gespräch mit der taz beklagt
       sie, ihre Klienten seien auf dem Arbeitsmarkt häufig von Ausbeutung
       betroffen. Die Unterstützung von Barka werde bisher „gut angenommen“, so
       Midzio-Opala. Ihr sei wichtig zu betonen, dass jeder Mensch ein „Recht auf
       ein gutes Leben“ habe. Dieses dürfe auch durch Faktoren wie
       Sprachbarrieren, Alter, Herkunft oder Geschlecht nicht begrenzt werden.
       „Wenn jemand in Not ist, hat er das Recht auf Unterstützung“, betont sie.
       
       28 Feb 2026
       
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