# taz.de -- Wir retten die Welt: Steuergeld für Holzlatschen!
       
       > Wieso zahlen wir Geld, damit Konsument:innen das bessere Auto kaufen?
       > Wer Smartphones statt Wählscheibentelefonen kauft, wird auch nicht
       > belohnt.
       
 (IMG) Bild: Autofahren neu denken: Klein und leicht und elektrisch statt SUV-Monster oder Überholspur-Schleudern
       
       Der blaue Bus der Linie 371 zischte nur so durch die Kurven. Wir waren in
       Cassis am Mittelmeer und auf dem Weg zum Bahnhof. Für die engen Straßen den
       Berg hoch hatten wir frühmorgens den Bus genommen – oder besser: die
       Rakete. Denn der Linienbus voller müder Pendler flog nur so die Straße
       entlang. Lautlos, rasant, man merkte dem Busfahrer an, wie viel Spaß er
       hinter dem Steuer seines Elektro-Busses hatte. Ich hielt mich gut fest und
       erinnerte mich an das gequälte Gerüttel, Geschüttel und Geschalte anderer
       Stadtbusse, die die Welt mit Diesel verpesten. Und ich dachte: Warum macht
       eigentlich mit diesem Schwung, dieser Dynamik und dieser Freude am
       schnellen und lautlosen Dahinsummen niemand offensiv Werbung, der die
       E-Mobilität fördern will?
       
       Die Bundesregierung jedenfalls hat diese Idee gerade wieder ausgebremst.
       Statt mit Spaß am Fahren und Freude am Klimaschutz wird mit der dicken
       Brieftasche argumentiert: Jetzt gibt es wieder drei Milliarden Euro
       Steuergeld [1][für die E-Auto-Förderung]. Familien mit bis zu 80.000 Euro
       jährlichem Einkommen können bis zu 6.000 Euro für den Kauf eines Autos
       bekommen. Kann man machen, wenn man zu viel Geld hat.
       
       Man kann aber auch darüber streiten, ob E-Autos so teuer sein müssen. Ob
       sie in Deutschland gebaut werden sollen, um hier Jobs, Steuern,
       Wertschöpfung und Wertschätzung zu erhalten. Und ob diese Blechkisten mit
       einem E-Motor genau solche SUV-Monster und Überholspur-Schleudern sein
       müssen wie ihre dreckigen Brüder und Schwestern. Oder ob E-Mobilität nicht
       die Chance wäre, bei Hubraum und Hupraum mal abzurüsten und kleinere,
       leichtere Modelle zu entwickeln, die leichter, schneller, billiger wären?
       Aber das sind nur die verrückten Gedanken eines fußgehenden, radfahrenden
       Öffi-Benutzers.
       
       Wirklich absurd ist etwas anderes: [2][Warum müssen wir eigentlich mit viel
       Steuergeld etwas fördern, was eindeutig die bessere Alternative ist?]
       Elektro-Autos sind schneller, sauberer, ohne diesen blöden
       reparaturanfälligen Verbrennungsmotor, unabhängig von Scheichs, Trumps und
       Putins und bald auch billiger, auf jeden Fall bei Zugang zu günstigem Strom
       oder eigener Solaranlage. Wo ist da der mündige Konsument, von dem wir
       sonst immer hören? Wir müssen ja auch sonst die Menschen nicht mit
       geschenktem Geld davon überzeugen, lieber ein Smartphone statt des
       Wählscheiben-Telefons zu kaufen, einen Laptop statt der mechanischen
       Schreibmaschine zu nutzen oder in bequemen Schuhen statt in
       selbstgeschnitzten Holzlatschen zu laufen.
       
       Aber die geilen Elektroschlitten preisen wir an wie schales, lauwarmes
       Bier. Alles, was ihnen fehlt, ist das Röhren des Motors, die schwarze
       Abgasfahne, der Geruch nach verbrannten Kohlenwasserstoffen und Klimawandel
       – und das Bewusstsein, beim Tanken die tödlichste Bedrohung unseres Lebens
       zu finanzieren. Wer das will – bitte sehr. Allen anderen sollten wir
       einfach mal eine 20-minütige Fahrt mit dem ID3 von Freund Thomas über
       kurvige Alpenstraßen zu unserer Berghütte in Vorarlberg spendieren. Wer
       nach diesem Tiefflug durch die Bergwelt dann immer noch in seinen
       keuchenden, quietschenden, ächzenden Schalt-Benziner zurückwill – bitte
       sehr. Alle anderen, die alle ihre Tassen noch im Schrank haben, müssen wir
       beim Autokauf nie wieder mit Steuermilliarden bestechen.
       
       23 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bundesumweltministerium.de/pressemitteilung/neues-e-auto-foerderprogramm-mit-sozialer-staffelung-zuschuesse-fuer-neuzulassungen-ab-1-januar-2026
 (DIR) [2] /Foerderprogramm-fuer-E-Autos/!6146928
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Pötter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Wir retten die Welt
 (DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Baden-Württemberg
 (DIR) Kolumne Freidrehen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schnee und Eis im Straßenverkehr: Radgehen als Wintersport
       
       Die Radwege sind nicht geräumt? Halb so wild. Schließlich sind Radfahrende
       frei, flexibel und selbstbestimmt. Mehr als Autos.
       
 (DIR) Wahlkampf in Baden-Württemberg: Eher blassgrün
       
       Klimathemen stehen für Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen in
       Baden-Württemberg, nicht ganz oben auf der Agenda.
       
 (DIR) Humanitärer Beistand in Krisengebieten: Die Rolle der emotionalen Nähe beim Helfen
       
       Sind wir gleichermaßen dazu verpflichtet, Menschen am anderen Ende der Welt
       zu helfen wie Menschen in unserer eigenen Stadt? Über das Beispiel Gaza.