# taz.de -- Terrorangriff auf Hauptstadtflughafen: IS bekennt sich zu Großangriff in Niger
       
       > Der „Islamische Staat“ bringt Nigers Militärregime mit einem
       > spektakulären Angriff in Bedrängnis. IS-Kämpfer stürmten die wichtigste
       > Luftwaffenbasis.
       
 (IMG) Bild: Niamey, Niger, 30. Januar: Zeitungsverkäufer nach dem Angriff auf den internationalen Flughafen
       
       Die Kämpfe dauerten mehrere Stunden, heftige Schusswechsel hallten durch
       die Nacht und die Lichtspuren von Drohnenabwehrraketen durchzogen den
       Himmel. Zunächst war unklar, was genau in der Nacht zum vergangenen
       Donnerstag am internationalen Flughafen von Nigers Hauptstadt Niamey los
       war. Inzwischen sind sich Analysten einig: Der „Islamische Staat in der
       Großen Sahara“, Teil der globalen Terrororganisation „Islamischer Staat“
       (IS), hat in Niamey in den Morgenstunden des 29. Januar seinen bisher
       spektakulärsten Angriff in Niger verübt.
       
       Das Angriffsziel am Flughafen war die Luftwaffenbasis Base 101, wo früher
       einmal [1][US-amerikanische] und französische Spezialkräfte zum Kampf gegen
       islamistische Terrorgruppen stationiert waren. Heute stehen da 350 Soldaten
       aus Italien sowie 200 aus Russland, wichtigster außerafrikanischer
       Verbündeter der Militärregierung von General Abdourahamane Tiani, der 2023
       die gewählte prowestliche Regierung Nigers [2][weggeputscht] hatte. Auf der
       Base 101 befinden sich auch türkische Drohnen, die Nigers Militärregierung
       kürzlich erworben hat.
       
       Der IS bekannte sich am Freitag zum Angriff auf den Flughafen und
       veröffentlichte am Sonntag ein [3][Beweisvideo]: Bewaffnete Kämpfer auf
       Motorrädern, die die lokale Sprache Haussa sprechen, stürmen das Gelände,
       schießen in die Luft, dringen in einen Hangar ein und setzen Flugzeuge und
       Drohnen in Brand. Später sind sie auch auf dem zivilen Teil des Flughafens
       zu sehen.
       
       Es folgten offenbar stundenlange Feuergefechte. Nach Regierungsangaben
       wurden 20 „Terroristen“ getötet. Unabhängige Berichte sprechen von mehreren
       Dutzend getöteten nigrischen Regierungssoldaten und drei getöteten Russen.
       
       ## Luftkapazitäten von Nigers Militär ausgeschaltet
       
       Erst am 28. Januar hatte Nigers Militärregierung ihre eigene Bilanz im
       Kampf gegen Terroristen gelobt: Man habe in nur einer Woche 72 Terroristen
       getötet, die meisten davon bei „gezielten Luftangriffen“, hieß es in einer
       [4][amtlichen Erklärung]. Der Angriff auf Nigers wichtigste Luftwaffenbasis
       mutet an wie eine direkte Replik darauf.
       
       General Tiani lobte am Tag danach bei einem [5][Besuch der Base 101] die
       eigenen Streitkräfte nur noch für ihre „Koordination“, seine „russischen
       Partner“ aber für ihren „Professionalismus“. Die „terroristischen
       Angreifer“, sagte er weiter, seien von den Präsidenten Frankreichs, Benins
       und der Elfenbeinküste unterstützt worden – eine Anschuldigung, die alle
       drei Länder scharf zurückwiesen.
       
       Auf Kanälen im Umfeld des russischen „Afrika-Korps“ wird laut Analysten
       darauf hingewiesen, dass ohne die russische Gegenwehr der Flughafen von
       Niamey an den IS gefallen wäre. Die lokalen Wachposten des nigrischen
       Militärs hätten erst geschlafen und seien dann weggelaufen. 80 Prozent des
       am Flughafen gelagerten Materials der Luftwaffe sei zerstört worden,
       [6][schreibt der nigrische Analyst Hamid Anadou N'gadé].
       
       ## Auch in Mali erstarken islamistische Gruppen
       
       Der Angriff von Niamey erinnert an einen [7][Angriff auf den Flughafen von
       Malis Hauptstadt Bamako im September 2024]. Diesen verübte nicht der IS,
       sondern die konkurrierende islamistische Gruppe JNIM (Gruppe für die
       Unterstützung des Islams und der Muslime), die zum Al-Qaida-Netzwerk
       gezählt wird und mehr auf lokale Herrschaft fokussiert ist. JNIM und IS
       streiten um die Macht in der Sahelzone.
       
       In diesem Jahr entsteht der Anschein, dass sich JNIM auf Mali und der IS
       auf Niger konzentriert. JNIM bringt in Mali die dortige Militärregierung
       seit einigen Monaten schwer in Bedrängnis, etwa durch eine wochenlange
       [8][Blockade aller Treibstofflieferungen in die Hauptstadt Bamako] im
       vergangenen Herbst, worauf die Regierung erstmals Gespräche aufnahm.
       Vergangene Woche überfiel JNIM erneut einen Benzinkonvoi auf dem Weg aus
       Senegal nach Bamako und zündete Dutzende Tanklastwagen an; JNIM-Kämpfer
       führen auf dieser wichtigen Fernstraßenverbindung ganz offen
       Straßenkontrollen durch.
       
       In Niger rückt nun der IS der Hauptstadt ungemütlich nahe. Bereits im Jahr
       2025 war der Distrikt Tillabéri in Niger, der an die Hauptstadtregion
       Niamey sowie an Mali und Burkina Faso grenzt, die tödlichste Region in
       allen drei Ländern gewesen, mit 1.500 Todesopfern bei gewaltsamen Angriffen
       laut der Konfliktbeobachtungsstelle ACLED. Das laufende Jahr sieht nicht
       besser aus. Am 18. Januar wurden bei einem neuen IS-Terrorangriff im
       Distrikt Tillabéri 31 Zivilisten getötet. Und am Montagfrüh wurde [9][die
       Basis der Nationalgarde im Ort Ayourou von IS-Kämpfern angegriffen]. Bis
       zum Mittag wurden fünf Tote bestätigt.
       
       2 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.usafe.af.mil/Units/406th-Air-Expeditionary-Wing/News-and-Articles/Display/Article/3828524/first-us-military-base-in-niger-completes-withdrawal/
 (DIR) [2] /Putsch-in-Niger/!5946570
 (DIR) [3] https://x.com/BrantPhilip_/status/2018086081749717348
 (DIR) [4] http://news.aniamey.com/h/123057.html
 (DIR) [5] https://www.lesahel.org/visite-du-president-de-la-republique-a-la-base-aerienne-101-le-chef-supreme-des-armees-felicite-et-encourage-les-fds-pour-leur-prompte-reaction-suite-a-une-tentative-dinfiltration/
 (DIR) [6] https://x.com/hamid_gade/status/2017916554113933611
 (DIR) [7] /Kampf-gegen-Islamisten/!6038779
 (DIR) [8] /Dschihadistische-Terrorgruppe-JNIM/!6126451
 (DIR) [9] https://x.com/SahelAlerte/status/2018304201596563750
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nigeria
 (DIR) Benin
 (DIR) Mali
       
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