# taz.de -- Benin hat einen neuen Präsidenten: Wadagni konkurrenzlos
> Romuald Wadagni bekommt bei der Präsidentschaftswahl in Benin 94 Prozent
> der Stimmen. Wahlbeobacher:innen sprechen von Unregelmäßigkeiten.
(IMG) Bild: Hier mal mit Krawatte: Romuald Wadagni, beinah konkurrenzlos gewählter Präsident in Benin
Benin hat einen neuen Präsidenten: Romuald Wadagni gehört mit 49 Jahren zu
einer kleinen Gruppe vergleichsweise junger Staatschefs auf einem
Kontinent, der sonst überwiegend von alternden Präsidenten geprägt ist, die
nur schwer von der Macht lassen. Dass sein Vorgänger Patrice Talon nach
zehn Jahren im Amt verfassungsgemäß abtritt, ist im regionalen Vergleich
ebenfalls keine Selbstverständlichkeit.
Mit rund 94 Prozent der Stimmen für Wadagni ist das Ergebnis eindeutig.
[1][Sein einziger Herausforderer, Paul Hounkpè], erhielt lediglich knapp 6
Prozent der Stimmen. Hounkpè hatte bereits am Montagabend in einer
Erklärung seine Niederlage eingeräumt, als die nationale Wahlkommission
CENA ihre vorläufigen Ergebnisse veröffentlichte.
Mit Wadagni steht nun ein Mann an der Staatsspitze, der seit zehn Jahren
Minister für Wirtschaft und Finanzen ist und als Architekt der
Wirtschaftsreformen gilt, die seinem Land in den vergangenen Jahren einen
beachtlichen Aufschwung beschert haben: Seit etwa fünf Jahren wächst Benins
Wirtschaft konstant mit 6 bis 7 Prozent pro Jahr. Unter seiner Führung
wurden zudem die öffentlichen Finanzen Benins saniert und große
Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht.
## Ohne Krawatte, um Volksnähe bemüht
Geboren am 20. Juni 1976 in Lokossa ist „RoW“, wie ihn seine
Anhänger*innen nennen, der Sohn eines bedeutenden Ökonomen und einer
Unternehmerin. Er absolvierte seine Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer in
Frankreich und ein Studium in Finanzwesen an der amerikanischen
Elite-Universität Harvard. Den Blick immer auf Wirtschaftsthemen gerichtet,
bemühte sich Wadagni im Wahlkampf sichtbar um Volksnähe. Ohne Krawatte, im
schlichten Hemd, mit frei gehaltenen Reden statt abgelesener Notizen, hielt
Wadagni Blitzkundgebungen im ganzen Land ab, teils sechs an einem Tag. Sein
Themenspektrum reichte von Bildung bis Sicherheit.
Vor allem das Thema Sicherheit wird in Benin zunehmend wichtiger. [2][Der
Norden des Landes ist zunehmend Angriffen islamistischer Gruppen im
Grenzgebiet zu Niger und Burkina Faso ausgesetzt.] Im Dezember sorgte zudem
ein Putschversuch für Aufruhr, der aber mithilfe von Frankreich, Nigeria
und der Elfenbeinküste schnell niedergeschlagen werden konnte.
Anders präsentierte sich der Wahlkampf von Herausforderer Paul Hounkpè, der
sich zwar bemühte, sichtbar zu bleiben, im Vergleich zur übermächtigen
Kampagne der Regierungskoalition um Wadagni jedoch deutlich weniger
Reichweite entfalten konnte. Hounkpè trat so als vergleichsweise blasser
Gegenkandidat zur „Dampfwalze“ rund um Wadagni an, der mit Ex-Präsident
Talon im Rücken einen mächtigen Unterstützer hatte.
## Hohe Hürden für Wahlzulassung
Dass Wadagni de facto konkurrenzlos antrat, lag auch an den hohen
Zulassungshürden. Diese waren so strikt, dass neben ihm und Hounkpès Partei
FCBE (Forces Cauris pour un Bénin émergent) niemand die Kriterien erfüllte.
Die wichtigste Oppositionspartei, Les Démocrates, konnte daher gar nicht
erst zur Wahl antreten. Ein Umstand, den diese als abgekartetes Spiel zur
Einschränkung des demokratischen Wettbewerbs kritisierte.
Zweifel am reibungslosen demokratischen Ablauf gab es auch am Wahltag:
Während die nationale Wahlbehörde CENA den Urnengang als geordnet und
friedlich bewertete, berichtete eine zivilgesellschaftliche
Wahlbeobachtungsplattform von Unregelmäßigkeiten: So sollen etwa einzelne
Wahlurnen bereits vor Öffnung der Wahllokale prall gefüllt gewesen sein.
15 Apr 2026
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