# taz.de -- US-Angriffe auf Ziele in Nigeria: Islamisten im Visier, Erfolge unklar
       
       > In Absprache mit Nigerias Regierung bombardiert das US-Militär
       > mutmaßliche Terrorziele in Nigeria. Auf die Weihnachtsraketen könnten
       > weitere folgen.
       
 (IMG) Bild: In Jabo im Bundesstaat Sokoto traf ein US-Marschflugkörper offenbar einen Heuhaufen
       
       In Nigeria richtet sich die Öffentlichkeit auf weitere US-Militärschläge
       gegen bewaffnete islamistische Gruppen ein, nachdem am 25. Dezember das
       US-Kriegsschiff Paul Ignatius aus dem Golf von Guinea – der südlich von
       Nigeria gelegene Teil des Atlantik – rund ein Dutzend Marschflugkörper auf
       das Land abgefeuert hat. Das US-Verteidigungsministerium veröffentliche
       [1][Videoaufnahmen der Raketenschläge].
       
       „Einen machtvollen und präzisen Schlag gegen IS-terroristischen Abschaum im
       Nordwesten Nigerias“ habe man durchgeführt, [2][verkündete US-Präsident
       Donald Trump am Abend des 1. Weihnachtstages]. Die Islamisten hätten „vor
       allem unschuldige Christen“ getötet, „in einem Ausmaß, dass seit vielen
       Jahren, sogar Jahrhunderten, nicht gesehen wurde“. Er fügte hinzu: „Frohe
       Weihnachten, auch den toten Terroristen!“
       
       Das Afrikakommando des US-Militärs [3][führte aus], die Angriffe hätten
       Zielen im nordwestnigerianischen Bundesstaat Sokoto gegolten und seien mit
       Nigeria koordiniert gewesen. Auch Nigerias Außenministerium erklärte, es
       handele sich um eine länger geplante „gemeinsame Operation“ gegen
       „Terroristen“, die aber „nichts mit einer bestimmten Religion“ zu tun habe.
       
       Am Wochenende berichteten nigerianische Medien, es fänden nun militärische
       US-Aufklärungsflüge auch über dem Nordosten Nigerias statt.
       US-Verteidigungsminister Peter Hegseth hatte zuvor gesagt, nach den
       Angriffen vom 25. Dezember „kommt noch mehr“.
       
       Die Aufklärungsflugzeuge, die in Ghana starteten, sollen sich auf den
       Sambisa-Wald im nordostnigerianischen Bundesstaat Borno konzentrieren,
       einst das bekannteste Rückzugsgebiet der islamistischen Terrorgruppe Boko
       Haram in Nigeria und heute Hochburg der konkurrierenden IS-Gruppe
       „Islamischer Staat in der Provinz Westafrika“ (ISWAP). Die wichtigsten
       ISWAP-Basen befinden sich etwas weiter nördlich am Tschadsee an Nigerias
       Nordostspitze, an den Grenzen zu Niger und Tschad.
       
       ## Keine Präsenz von Boko Haram im Nordwesten Nigerias
       
       Ob ISWAP bereits Ziel der Raketenangriffe vom Donnerstag war, ist nicht
       klar. Es gibt im Nordwesten Nigerias eine kleinere ISWAP-Präsenz, nicht
       jedoch eine Präsenz von Boko Haram. Im Bundesstaat Sokoto ist vor allem die
       einst zur Selbstverteidigung gegen ISWAP entstandene Miliz Lukawara (Die
       Rekruten) stark, die inzwischen selbst zum islamistischen Spektrum gezählt
       wird.
       
       Es sind auch unzählige lokale bewaffnete Banden unterwegs, die die
       Bevölkerung ausrauben oder illegalen Bergbau betreiben, etwa Goldschürfen.
       Die Grenzen zwischen solchen Gruppen und islamistischen Kämpfern sind
       manchmal unscharf, vor allem in der Wahrnehmung ihrer Opfer.
       
       „Wir stufen sie alle als Terroristen ein“, [4][zitierte am Samstag die
       nigerianische Tageszeitung Guardian] Präsidentensprecher Daniel Bwara.
       „Also denke ich, dass dies auch das Verständnis der amerikanischen
       Regierung ist. Aber das ist nicht klar. In den nächsten Tagen oder Stunden
       werden wir mehr Aufklärung bekommen und einen Bericht über die genauen
       Ziele – ob es IS war oder Boko Haram oder Banditen, ob es alles Terroristen
       waren“.
       
       In Jabo, einem der getroffenen Orte im Süden des Bundesstaates Sokoto,
       erfolgten die Angriffe am Weihnachtstag gegen 22 Uhr Orttszeit.
       Journalisten berichteten, eine Rakete sei auf einem Feld gelandet, 300
       Meter von einem Krankenhaus entfernt. Eine andere schlug nahe einer
       Menschenmenge ein, explodierte aber glücklicherweise nicht. Von insgesamt
       12 Raketen in Jabo sollen drei nicht explodiert sein.
       
       „Die Bomben fielen nicht in bewohntes Gebiet“, [5][berichtete der lokale
       Journalist Nasiru Suleiman] im TV-Sender „Arise TV“ aus Jabo. „Es sind
       bisher keine Opfer bestätigt“. Er führte aus, dass es in dem Ort keine
       Präsenz bewaffneter Gruppen gebe: „Der letzte bewaffnete Angriff in Jabo
       war 2018, als einige Terroristen den Ort besuchten und einige Bewohner
       töteten oder entführten“. Seitdem sei die Gegend friedlich, aber es gebe
       Buschrouten in Richtung von Gebieten mit bewaffneten Aktivitäten.
       
       Der zweite getroffene Ort, Tangaza im Norden von Sokoto, soll Berichten
       zufolge eine Hochburg islamistischer Kämpfer sein. Anfang Dezember war
       berichtet worden, Angreifer aus Tangaza seien für ISWAP-Überfälle im
       Nachbarland Niger verantwortlich. Es gibt auch Berichte über
       grenzüberschreitende ISWAP-Überfälle in umgekehrter Richtung. Die
       US-Luftwaffe fliegt schon länger Aufklärungsflüge über der Region. Details
       über die Angriffe in Tangaza wurden bisher nicht bekanntgegeben.
       
       Die ersten Reaktionen aus Nigeria auf die US-Angriffe waren überwiegend
       positiv. Afenifere, die wichtigste Organisation der Yoruba-Ethnie, eine der
       drei großen Volksgruppen Nigerias im Südwesten des Landes, „unterstützt
       diese entschlossene Aktion völlig, nach Jahren der Unsicherheit, die
       Gemeinschaften als Geisel nimmt und den Zusammenhalt der Nation
       untergräbt“, hieß es in einer [6][ffenifere-Erklärung] am Samstag. Das
       Eingreifen der USA verdiene „Anerkennung, nicht Verurteilung“, denn es
       fülle „ein Vakuum, das Jahrzehnte ineffektiver Regierungsführung geschaffen
       haben“. Auch Nigerias Präsident Bola Tinubu ist Yoruba
       
       Die größte parlamentarische Oppositionspartei PDP (People's Democratic
       Party) unterstützt ebenfalls die Militärschläge, kritisiert aber, dass
       Nigeria darüber von Donald Trump informiert wird. „Während internationale
       Kooperation gegen Terrorismus sehr begrüßt wird, ist die PDP tief besorgt
       über eine Kommunikationsstruktur, in der ausländische Mächte
       Sicherheitsoperationen in unserem Land vor unserer Regierung bekanntgeben“,
       [7][erklärte die Partei]. Es sei zu befürchten, dass das US-Militär jetzt
       auch eigenmächtig auf nigerianischem Gebiet operieren könnte.
       
       28 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/BrantPhilip_/status/2004358944307953699
 (DIR) [2] https://x.com/PeteHegseth/status/2004326959992771002/photo/1
 (DIR) [3] https://x.com/USAfricaCommand/status/2004349831863849380
 (DIR) [4] https://guardian.ng/news/us-airstrike-in-nigeria-sketchy-daniel-bwala/
 (DIR) [5] https://x.com/HotSpotHotSpot/status/2004713220762751239
 (DIR) [6] https://guardian.ng/news/u-s-airstrike-on-isis-terrorists-timely-afenifere/
 (DIR) [7] https://guardian.ng/news/nigerians-should-have-heard-about-us-airstrikes-from-fg-first-not-us-pdp/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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