# taz.de -- Urteil gegen Pressefreiheit in Mali: Zeitungsherausgeber muss in Haft
       
       > Der Herausgeber der malischen Wochenzeitung „L’Alternance“ muss zwei
       > Jahre ins Gefängnis. Er hatte Kritik an Nigers Militärherrscher
       > veröffentlicht.
       
 (IMG) Bild: Die anstößige Titelseite der Wochenzeitung „L’Alternance“ vom 2. Februar
       
       Zwei Jahre Haft ohne Bewährung und eine Geldstrafe von einer Million
       CFA-Francs (etwa 1.500 Euro) – so lautet das Urteil, mit dem Malis Gericht
       für Cyberkriminalität den Zeitungsverleger Youssouf Sissoko mundtot machen
       will. Verurteilt wurde der Journalist und Herausgeber der malischen Zeitung
       [1][L’Alternance] für „Verletzung des Ansehens des Staates“, „Beleidigung
       eines ausländischen Staatsoberhaupts“ und „Verbreitung falscher
       Informationen“.
       
       Grund ist ein Artikel, den Sissoko gar nicht selbst geschrieben hat. In
       ihrer [2][Ausgabe vom 2. Februar] hatte seine Wochenzeitung mit einem
       Beitrag des im Exil lebenden Autors Sambou Sissoko getitelt. Darin setzte
       sich dieser kritisch mit den Vorfällen des 29. Januar auseinander, als es
       im benachbarten Niger zu einem spektakulären Angriff auf den Flughafen von
       Niamey gekommen war.
       
       Während die Terrorgruppe [3][„Islamischer Staat in der Großen Sahara“
       (ISGS)] den Angriff für sich reklamierte, machte Nigers Junta-Chef
       Abdourahamane Tiani Frankreich, Benin und die Elfenbeinküste dafür
       verantwortlich. „Entweder sind seine Geheimdienste von abgrundtiefer
       Inkompetenz, oder er lügt bewusst. Im Fall von General Abdourahamane Tiani
       scheint die zweite Möglichkeit am wahrscheinlichsten zu sein“, hieß es dazu
       unter anderem in dem Artikel.
       
       Dazu kommen Sätze, die sich auch auf Mali beziehen lassen könnten: „Man
       kann nicht endlos Sicherheit versprechen und zugleich immer mehr
       militärische Niederlagen einstecken. Man kann nicht ewig wirtschaftliche
       Souveränität feiern und zugleich das Land verarmen lassen. Man kann nicht
       ständig auswärtige Feinde beschuldigen, wenn die Bedrohung offensichtlich
       aus dem Inneren der eigenen Regionalallianz kommt.“
       
       ## „Gefährlicher Präzedenzfall“
       
       In Ermangelung des Zugriffs auf den Autor haben Malis Behörden nun mit dem
       Verleger vorliebgenommen. Für Malis [4][Verband der privaten Presseverleger
       (ASSEP)] stellt das Urteil einen „gefährlichen Präzedenzfall für die
       Meinungsfreiheit“ dar. Immer wieder werden in Mali kritische Stimmen von
       der seit nunmehr fünf Jahren regierenden Militärjunta mundtot gemacht –
       L’Alternance erscheint nicht mehr. Zahlreiche nationale und internationale
       Medien wurden über die Jahre suspendiert, darunter RFI, France24 und seit
       Januar auch die Zeitschrift Jeune Afrique. Längst betrifft die Zensur nicht
       mehr nur Kritik an der eigenen Regierung, sondern auch die Nachbarregime in
       Niger und Burkina Faso.
       
       Die drei Länder hatten sich 2023 zum Regionalverbund [5][Allianz der
       Sahel-Staaten (AES)] zusammengeschlossen und haben sich von vermeintlich
       westlichen Institutionen wie dem Internationalen Strafgerichtshof oder der
       Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas abgewandt.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.maliweb.net/author/alternance
 (DIR) [2] https://cpj.org/wp-content/uploads/2026/02/Lalternance-du-2-Fevrier-2026.pdf
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_State_%E2%80%93_Sahel_Province
 (DIR) [4] https://www.facebook.com/photo?fbid=931750919594866&set=pcb.931750956261529&_rdc=1&_rdr
 (DIR) [5] /Allianz-der-Sahel-Staaten/!6021869
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Mali
 (DIR) Niger
 (DIR) Westafrika
 (DIR) Sahelzone
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Mali
 (DIR) Sahelzone
 (DIR) Mali
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Militärregierung in Mali: Heimliche Gespräche mit bewaffneten Islamisten
       
       Malis bedrängte Militärregierung lässt Gefangene frei und spricht mit der
       bewaffneten Islamistengruppe JNIM. Offiziell lehnt sie Gespräche weiter ab.
       
 (DIR) Gewalt in Afrikas Sahelzone: Terror und Krieg zerreißen Westafrika
       
       In Mali, Niger und Burkina Faso sind bewaffnete Islamisten stärker denn je.
       Mit Wirtschaftskrieg an den Grenzen schwächen sie die Militärregime.
       
 (DIR) Terrorangriff auf Hauptstadtflughafen: IS bekennt sich zu Großangriff in Niger
       
       Der „Islamische Staat“ bringt Nigers Militärregime mit einem spektakulären
       Angriff in Bedrängnis. IS-Kämpfer stürmten die wichtigste Luftwaffenbasis.
       
 (DIR) Russische Wagner-Gruppe in Mali: Verbrennungen, Isolation und Waterboarding
       
       Die Methoden gleichen denen in der Ukraine: An mindestens sechs Standorten
       des malischen Militärs haben Wagner-Söldner Zivilisten misshandelt.