# taz.de -- Nach tödlichen Schüssen in Minneapolis: ICE-Gewalt führt zu Regierungs-Shutdown in den USA
       
       > Weil ein im Senat erzielter Haushaltskompromiss durchs Repräsentantenhaus
       > abgestimmt werden muss, ließ sich ein kurzzeitiger Shutdown nicht
       > verhindern.
       
 (IMG) Bild: Senatsminderheitenführer Chuck Schumer (Demokraten) während einer Pressekonferenz im Kapitol
       
       Das oft gewaltsame Vorgehen der Einwanderungsbehörden ICE und CBP, das im
       Januar zum [1][Tod von zwei US-Staatsbürgern] geführt hatte, ist Auslöser
       für den nächsten Regierungs-Shutdown in den USA. Im Gegensatz zum
       [2][letzten Haushaltsstreit] im Herbst betrifft er jetzt nur Teile der
       Regierung. Außerdem wird davon ausgegangen, dass bereits in den nächsten
       Tagen eine Übergangslösung gefunden werden könnte.
       
       Die Demokraten hatten nach den tödlichen Konfrontationen zwischen
       Bundesbehörden und Demonstranten in Minneapolis damit gedroht, wichtige
       Teile der Regierung lahmzulegen, sollten sich Republikaner weigern, dem
       Treiben von ICE und CBP Einhalt zu gebieten.
       
       Nach Tagen der Verhandlungen gab es im Senat einen Kompromiss. Dieser
       sichert die Finanzierung mehrerer Behörden und gibt den Kongressmitgliedern
       mehr Zeit, um über die geforderten Reformen zu beraten. Mit 79 zu 21
       Stimmen verabschiedete der Senat am Freitag diese von US-Präsident Donald
       Trump befürwortete Kompromisslösung.
       
       Da aber auch das Repräsentantenhaus dem Kompromiss zustimmen muss und der
       bisherige Haushaltsplan zur Finanzierung der betroffenen Behörden am frühen
       Samstagmorgen auslief, befinden sich diese aktuell in einem Shutdown. Das
       Repräsentantenhaus wird frühestens am Montag abstimmen.
       
       ## Das Heimatschutzministerium ist der Stolperstein
       
       Zu den betroffenen Behörden zählen unter anderem die Bundesministerien für
       Verteidigung, Äußeres, Finanzen und Heimatschutz. Letzteres ist aktuell der
       Stolperstein in den Verhandlungen. Im Gegensatz zu den anderen Ministerien,
       deren Finanzierung bis Ende September gesichert wäre, sieht der Kompromiss
       beim Heimatschutzministerium DHS nur eine zweiwöchige Verlängerung des
       aktuellen Haushalts vor.
       
       Der Grund sind die dem Ministerium unterstehenden Einwanderungsbehörden ICE
       und CBP. Demokraten fordern, dass die Befugnisse von ICE, deren Beamte für
       die Vollstreckung der US-Einwanderungsgesetze verantwortlich sind,
       „eingedämmt und überarbeitet“ werden.
       
       „Das amerikanische Volk unterstützt die Strafverfolgungsbehörden, es
       unterstützt die Grenzsicherheit, aber es unterstützt nicht, dass ICE unsere
       Straßen terrorisiert und amerikanische Bürger tötet“, sagte der
       demokratische Senatsvorsitzende Chuck Schumer vergangene Woche.
       
       Trotz des Shutdowns gehen die Abschieberazzien in Minnesota und anderen
       Bundesstaaten weiter. Trumps massives Steuer- und Ausgabenpaket aus dem
       letzten Sommer – der „Big Beautiful Bill“ – stellte zusätzliche 170
       Milliarden Dollar für Einwanderungs- und Grenzschutzbelange zur Verfügung.
       Demokraten fordern aktuell kein Ende der Razzien, aber mehr Kontrolle,
       Kooperation und Kompetenz.
       
       ## Demokraten fordern ICE-Kooperation mit lokaler Polizei
       
       Schumer erklärte, dass Demokraten die Regierung darum bitten würden,
       ICE-Kontrollen in den Städten zu beschränken und eine engere Zusammenarbeit
       mit den lokalen Sicherheitsbehörden bei Einwanderungs-Operationen zu
       forcieren. Auch sollen die Bestimmungen zum Erlass von Haftbefehlen
       verschärft werden.
       
       Gleichzeitig sollen ICE-Beamte, die gegen Auflagen und Regeln verstoßen,
       besser zur Rechenschaft gezogen werden können. Laut Schumer sollten Beamte
       dazu verpflichtet sein, ihre Masken auszuziehen und ihre Body-Cams immer
       einzuschalten.
       
       „Im Grunde geht es darum, dass diese gesetzlosen ICE-Agenten dieselben
       Regeln befolgen sollten wie ihre örtliche Polizeibehörde. Es muss
       Rechenschaftspflicht geben“, erklärte die demokratische Senatorin aus
       Minnesota, Tina Smith.
       
       ## Auch einige Republikaner werden nachdenklich
       
       Die Ereignisse der letzten Wochen, die zu den Tötungen von Renée Good und
       Alex Pretti durch Beamte der Einwanderungsbehörden geführt haben, machen
       Republikaner nachdenklich.
       
       „Die Durchsetzung unserer Einwanderungsgesetze macht unsere Straßen
       sicherer. Sie schützt auch unsere nationale Sicherheit. […] Wir müssen aber
       auch unsere Grundwerte als Nation wahren, einschließlich des Rechts auf
       Protest und Versammlungsfreiheit“, sagte der republikanische Senator Pete
       Ricketts.
       
       Mehrere Republikaner verlangen unabhängige Untersuchungen zu den tödlichen
       Vorfällen in Minneapolis und drängen auf Kongressanhörungen mit
       DHS-Verantwortlichen. „Es ist bedauerlich, dass wir in dem Thema
       (Einwanderung), bei dem die Republikaner traditionell die Führung
       übernehmen, den Kürzeren ziehen“, sagte Thom Tillis gegenüber NPR.
       
       ## In Umfragen ist eine Mehrheit für ICE-Abschaffung
       
       Jüngste Umfragen haben gezeigt, dass [3][eine Mehrheit der US-Amerikaner
       eine Abschaffung von ICE] befürworten. Auch sagen 61 Prozent, dass die von
       [4][ICE angewendeten Taktiken] zu weit gehen.
       
       Dennoch stehen weiterhin viele Republikaner geschlossen hinter Präsident
       Trump und DHS. „Wir werden ICE nicht daran hindern, ihre Arbeit zu
       verrichten. Das amerikanische Volk wollte, dass der Präsident Recht und
       Ordnung durchsetzt, und ICE tut genau das“, sagte der Republikaner
       Markwayne Mullin.
       
       Es wird davon ausgegangen, dass das Kompromissabkommen aus dem Senat auch
       im Repräsentantenhaus schnell verabschiedet wird. Damit wäre der Shutdown
       vorbei. Ob allerdings zwei Wochen reichen, um auch bei der Reform von DHS
       und ICE eine Einigung zu erzielen, bleibt fraglich.
       
       1 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /ICE-Proteste-in-Minnesota/!6149665
 (DIR) [2] /Regierungs-Shutdown/!6119303
 (DIR) [3] https://today.yougov.com/politics/articles/53939-more-americans-support-than-oppose-abolishing-ice-immigration-minneapolis-shooting-poll?_gl=1*1iwwhez*_up*MQ..*_ga*MTA5NTA1NzEwMC4xNzY5NzI0OTM2*_ga_X9VN3LD3NE*czE3Njk3MjQ5MzUkbzEkZzAkdDE3Njk3MjQ5MzUkajYwJGwwJGgw
 (DIR) [4] https://www.nytimes.com/2026/01/23/us/politics/poll-ice-immigration.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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