# taz.de -- Doku über Melania Trump: Propaganda ohne Publikum
> Die Pseudodokumentation „Melania“ über die First Lady der USA versagt
> selbst als MAGA-PR. Und erzählt doch viel über die Nähe zur Macht.
(IMG) Bild: Melania Trump bei der Premiere ihres Films „Melania“ im John F. Kennedy Memorial Center For The Performing Arts in Washington
„Alle wollen es wissen, also bitte, hier ist es“, sagt Melania Trump zu
Beginn der Dokumentation über die 20 Tage vor der zweiten Amtseinführung
ihres Mannes. Was genau „es“ sein soll, bleibt auch nach [1][104 Minuten
Image-Film] unklar. Dass es tatsächlich „alle“ wissen wollen, lässt sich
nach dem Premierenwochenende ebenfalls bezweifeln.
In Berlin läuft der Film am Premierennachmittag im Cinemaxx am Potsdamer
Platz, Kino 19. Zwar sind die meisten der 20 Sitze besetzt, allerdings von
Menschen, die aus beruflichen Gründen hier sind. Als vor Filmbeginn eine
Journalistin in den Raum fragt: „Seid ihr eigentlich auch von der Presse?“,
antworten fast alle: „Ja.“
Immerhin: Damit ist die Vorstellung besser besucht [2][als in Boston], wo
in riesigen AMC-Kinos zwischen einem und drei Tickets pro Vorstellung
verkauft wurden, oder in London, wo für manche Vorstellungen am
Premierentag gar kein Ticket über den Tresen gegangen sein soll. Angesichts
des angeblich 35 Millionen Dollar hohen Marketingbudgets ist das ein
bemerkenswert dürftiges Ergebnis.
In dem Film selbst erfährt man fast nichts über US-Politik, aber immerhin
ein bisschen über Melania Trump. So hören wir, dass ihr Lieblingslied
„Billy Jean“ von Michael Jackson ist. Ein Lied über eine Frau, die
behauptet, der Sänger sei der Vater ihres Kindes – was dieser zurückweist,
und ihr unterstellt, sie wolle nur reich und berühmt werden. Auch wenn das
nicht beabsichtigt ist, darf man dies und die Zeile „The lie becomes the
truth“ durchaus als Metakommentar lesen.
An einer Stelle darf man einem Gespräch zwischen Melania Trump und Brigitte
Macron beiwohnen. Melania Trump erklärt darin, Kinder in den USA würden
täglich bis zu acht Stunden vor Bildschirmen verbringen, und sie setze sich
dafür ein, diese Zeit zu reduzieren. Vorbildlich dabei: Diese Dokumentation
wird nicht dazu beitragen, diese Bildschirmzeit zu erhöhen.
## Ein bescheidender Beitrag zur Präsidentschaft
Man sieht Melania Trump bei der Auswahl von Materialien mit einer
Innenarchitektin, beim Arbeiten mit ihrem Designer Hervé Pierre, beim
Betrachten von Schnitten und Farben. Es wird ausführlich gezeigt, [3][wie
ihre Outfits] zur Amtseinführung entstanden – darunter jenes mit dem
breitkrempigen Hut, der ihr Gesicht verdeckte und zu Spekulationen führte:
Wollte sie eine Mar-a-Lago-typische Schönheitsoperation verdecken oder
handelte es sich gar um eine Doppelgängerin?
Ein zentraler Moment soll Nähe suggerieren: Donald Trump übt seine Rede zur
Amtseinführung, Melania sitzt im Raum. Sie schlägt ein Wort vor –
„Unifier“. Im nächsten Moment sieht man die wirkliche Amtseinführungsrede
und Donald Trump sagt das von seiner Frau vorgeschlagene Wort tatsächlich.
Das war es dann aber auch mit Belegen für Melania Trumps Beitrag zur
Präsidentschaft ihres Mannes. Ein einziges Wort.
Über ihre Kindheit und Jugend in Slowenien erfahren wir in dem Film so gut
wie nichts, was schade ist. Immerhin ist Melania Trump neben Luka Dončić
der berühmteste Export Sloweniens, noch vor Slavoj Žižek,
Gorenje-Kühlschränken und der Band Laibach.
Am Ende erfahren wir noch, dass Melania Trump am Tag der Amtseinführung 22
Stunden am Stück wach war. Für sie hat sich das gelohnt. [4][Laut dem Wall
Street Journal] gehen von den 40 Millionen Dollar, die sich Amazon MGM den
Film hat kosten lassen, ganze 28 Millionen an sie. Die größte Erkenntnis
aus dem Film: Melania Trump hat das Geschäft mit Täuschung,
Selbstvermarktung und leeren Versprechen genauso verinnerlicht wie ihr
Ehemann.
An einer Stelle im Film wird sogar gezeigt, wie man gedenkt, mit Kritik am
Film umzugehen: Ein Journalist des Mediums Puck stellt in einer Mail
kritische Nachfragen zur Produktion, und eine Mitarbeiterin von Melania
Trump erklärt, dass sie selbstverständlich nicht wie gewünscht auf die
Fragen eingehen werden.
## Regisseur in den Epstein-Akten
Der Amazon-Milliardär Jeff Bezos soll den Film laut Wall Street Journal im
Dezember 2024 mit Melania Trump in Mar-a-Lago besprochen haben. Bei der
großzügigen Finanzierung dürfte eine Rolle gespielt haben, dass ihr Ehemann
Donald Trump kurz zuvor die Präsidentschaftswahlen in den USA gewonnen
hatte.
Bezos ist für seine Eingriffe in redaktionelle Prozesse bekannt. Als
[5][Eigentümer der Washington Post] mischte er sich in redaktionelle
Entscheidungen ein, blockierte eine Wahlempfehlung gegen Trump und
schränkte das Meinungsspektrum beim Blatt gezielt ein – ein Kurs, der
interne Proteste und zahlreiche Kündigungen zur Folge hatte.
Regie bei Melania führte Brett Ratner. Es ist sein erster Film als
Regisseur seit 2014, nach einem Karriereknick infolge massiver
MeToo-Vorwürfe. Zudem taucht Ratner mehrfach in den Epstein-Akten auf: In
einem Foto posiert er neben Epstein selbst, beide mit je einer jungen Frau
im Arm.
Angesichts der filmischen Qualität und dieser Personalentscheidung
überrascht es wenig, dass zwei Drittel des New Yorker Produktionsteams
beantragte, im Abspann nicht genannt zu werden. Auch bei Amazon soll es
laut New York Times Mitarbeitende gegeben haben, die nichts mit dem Film zu
tun haben wollten – ihnen wurde jedoch mitgeteilt, ein Rückzug aus
„politischen Gründen“ sei nicht möglich.
Am Ende stellt sich unweigerlich die Frage, für wen dieser Film eigentlich
gemacht ist. Zwar handelt es sich um MAGA-Propaganda, doch ist sie zu matt,
um überhaupt zu funktionieren. Nicht einmal den Unterhaltungswert des
Reality-Fernsehens erreicht sie – immerhin ein zentrales Machtinstrument
Donald Trumps. Das einzige verbliebene Trash-TV-Gefühl ist Fremdscham. Und
das über die komplette Dauer des Films.
## Filmgewordene Loyalitätsbekundung
Der Film zeigt eine Parade jener Akteure, die sich aktuell bei den Trumps
anbiedern, darunter Tech-Autoritäre wie Mark Zuckerberg und Elon Musk.
Ermöglicht wurde der Film aber von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Melania ist
eine derart offensichtliche Farce, dass sie sich filmkritisch nicht
ernsthaft bewerten lässt.
Man sollte dieses Machwerk aber auch weniger als Dokumentation begreifen,
denn als filmgewordene Loyalitätsbekundung und Schmiergeldzahlung an die
Familie Trump. Geleistet von einem Multimilliardär, dem ein bisschen
Faschismus in den USA offenbar lieber ist als die Aussicht auf ein bisschen
höhere Steuern. Manche mögen das „Nähe zur Macht“ nennen, in Melania Trumps
Heimatland Slowenien spricht man in solchen Fällen schlicht von
„korupcija“.
1 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.imdb.com/title/tt35291758/
(DIR) [2] https://www.axios.com/local/boston/2026/01/29/melania-documentary-boston-ticket-bribe
(DIR) [3] /Auftritt-der-First-Lady/!6064148
(DIR) [4] https://www.wsj.com/politics/melania-trump-movie-premiere-event-carpet-920acee7
(DIR) [5] /Medienwandel-in-den-USA/!6022258
## AUTOREN
(DIR) Krsto Lazarević
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