# taz.de -- Militärdiktatur in Myanmar: Auf dem Weg zum Failed State
       
       > Fünf Jahre nach dem Putsch gibt es im Krieg zwischen Militärjunta und
       > bewaffnetem Widerstand ein Patt. Die Militärpartei gewinnt die
       > Scheinwahlen.
       
 (IMG) Bild: Junge Birmesen protestieren am 5. Jahrestag des Militärputsches gegen Juntachef Min Aung Hlaing in New Taipei City in Taiwan
       
       Fünf Jahre nach dem Staatsstreich in Myanmar hat die von Ex-Militärs
       geführte Solidaritäts- und Entwicklungspartei der Union (USDP) [1][die
       dortige Wahlfarce] wie erwartet klar gewonnen. Laut dem am Freitag bekannt
       gegebenen offiziellen Ergebnis gewann die USDP im Unterhaus 232 der 263
       Sitze, im Oberhaus 109 von 157. Die Beteiligung bei der Wahl, die
       [2][zwischen dem 28. Dezember und 25. Januar in drei Phasen statfand],
       betrug angeblich 54,1 Prozent, rund 20 Prozentpunkte weniger als bei der
       letzten freien Wahl 2020.
       
       Diese war wegen des schlechten Abschneidens der USDP vom Militär für
       gefälscht erklärt worden, was als Vorwand für den Putsch am 1. Februar 2021
       diente. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) der gestürzten
       Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, Siegerin
       im Jahr 2020, war inzwischen von der Junta aufgelöst worden.
       
       Jetzt am 5. Jahrestag inszenierte das Regime an Yangons Flughafen einen
       großen Empfang voll nationalistischer Symbolik für eine vom Internationalen
       Gerichtshof aus Den Haag zurückgekehrte Regierungsdelegation. Die hatte
       dort das Militär gegen den Vorwurf des Völkermords bei der Vertreibung der
       Rohingya-Minderheit 2017 verteidigt.
       
       Mit den Scheinwahlen versuchte die Junta eine Rückkehr zu einer Normalität
       zu simulieren, die schon vor dem Putsch problematisch war. Denn außer an
       gewählte Abgeordneten gehen laut Verfassung ohnehin 25 Prozent der
       Parlamentssitze an aktive Militärs. Diese ernennt der Armeechef. Jetzt sind
       die allermeisten Abgeordneten Offiziere mit und ohne Uniform.
       
       ## China lobt „ordentliche Wahl“
       
       Chinas Regierung hatte schon direkt nach dem letzten Wahltag [3][zur
       „ordentlichen Wahl“ gratuliert]. Im Gegensatz dazu erklärte die
       Außenministerin der Philippinen, die derzeit den südostasiatischen
       Asean-Staaten vorstehen, [4][dass Asean die Wahlen nicht anerkenne].
       Wahlbeobachter waren nur aus autoritär regierten Staaten wie Russland,
       Belarus, China, Kambodscha und Nicaragua gekommen.
       
       Laut [5][UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk] tötete die Armee in den
       Wochen der Wahl bei 408 Luftangriffen 170 Zivilisten. Ohnehin konnte aus
       Sicherheitsgründen offiziell nur in 261 von 330 Wahlbezirken gewählt
       werden. Es reichte dem Regime, wenn es pro Bezirk ein Wahllokal in einem
       Militärposten gab. Wer die Wahl kritisierte, musste mit hohen Strafen
       rechnen. Das führte laut Türk zu 404 Verurteilungen. „Das Militär versucht,
       seine Herrschaft durch Gewalt zu festigen, nachdem es die Menschen zur
       Wahlurne gezwungen hat“, sagte Türk.
       
       Das Parlament soll im März zur ersten Sitzung zusammentreten, im April die
       neue Regierung gebildet werden. Unklar ist, ob Putschführer und Juntachef
       Min Aung Hlaing dann Präsident wird. Behält der 69-Jährige die Kontrolle
       über das Militär oder teilt er die Macht mit einem anderen General?
       [6][Laut dem Exilportal Irrawaddy könnte auch USDP-Chef Khin Yi Präsident
       werden.] Er ist ein Vertrauter von Min Aung Hlaing, der so die Kontrolle
       über das Militär behalten könnte.
       
       Mit der Wahlfarce hat die Junta die politische Initiative ergriffen und von
       Myanmars desolater Lage abgelenkt. Laut UN-Nothilfeorganisation Ocha sind
       3,6 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht, Hunderttausende
       ins Ausland geflohen. 16,2 Millionen der 55 Millionen Einwohner benötigen
       humanitäre Hilfe. Schätzungen zufolge starben im Bürgerkrieg bisher 92.000
       Menschen.
       
       ## „Myanmar im Griff einer Polykrise“
       
       Die [7][Exil-Menschenrechtsorganisation AAPPB], deren Zahlen auch die UNO
       nutzt, zählte vom Putsch bis Ende Januar 30.357 politische Gefangene. Davon
       sind noch 22.767 in Haft. 7.738 Menschen wurden aus politischen Gründen
       getötet.
       
       Myanmars Wirtschaft liegt am Boden, die Inflation hat sich verzehnfacht,
       ausländische Investitionen gingen um drei Viertel zurück. Aufgrund
       zusammenbrechender Staatlichkeit wurde Myanmar zum [8][weltgrößten
       Opiumproduzenten] und zu einem [9][Zentrum internationaler
       Cyberkriminalität]. Das [10][Institut für Strategie und Politik Myanmars
       (SPS-Myanmar)] sieht das Land „im Griff einer Polykrise mit dem Risiko
       eines Failed State“.
       
       Der Widerstand ist breit, aber bisher kaum koordiniert. Seit der
       Unabhängigkeit 1948 gab es immer wieder bewaffnete Konflikte mit ethnischen
       Gruppen. Sie kämpfen für Autonomie und gegen den Machtanspruch des von
       Birmanen dominierten Militärs. Nach dem Putsch 2021 bildeten ethnische
       Rebellenarmeen junge Aktivisten militärisch aus, deren friedlicher Protest
       zuvor zusammengeschossen worden war. Doch die Gegenregierung im Untergrund
       blieb schwach und es gelang bisher nicht, eine effektive Führung über die
       bis zu 2000 bewaffneten Widerstandsgruppen zu etablieren. Die ethnischen
       Rebellenarmeen unterstehen keinem zentralen Kommando.
       
       Von Oktober 2023 bis Mitte 2024 konnte der bewaffnete Widerstand dennoch
       immer mehr Regionen und Städte der Kontrolle des Militärs entreißen. Doch
       seitdem hat sich der Wind gedreht, das Militär kontrolliert wieder rund die
       Hälfte des Landes. Im Frühjahr 2024 hatte die Armee mit der
       Zwangsrekrutierung junger Männer begonnen und konnte sich so um 90.000
       Soldaten verstärken, auch wenn diese schlecht ausgebildet sind. Zudem bekam
       das Militär mehr Waffen aus [11][China, das der Junta eher die Sicherung
       seiner wirtschaftlichen und strategischen Interessen zutraut als den
       Rebellen.]
       
       Die Junta profitierte auch von russischen Militärberatern und von der
       Lieferung von Flugbenzin durch Irans Schattenflotte, [12][wie kürzlich eine
       Reuters-Recherche ergab.] 2017 hatte Teheran noch gegen die Vertreibung
       muslimischer Rohingya durch Myanmars Militär protestiert, doch haben sich
       die beiden Pariahregime spätestens ab 2024 arrangiert. So konnte Myanmars
       Luftwaffe ihre Angriffe verdoppeln. Ziele sind dabei auch
       [13][Krankenhäuser], Schulen und Tempel.
       
       ## Rebellen ohne ausländische Unterstützung
       
       Der Widerstand erhält hingegen keine Unterstützung aus dem Ausland mit
       Ausnahme der Diaspora, die auch zu diesem Jahrestag wieder in vielen
       Staaten vor Myanmars Vertretungen demonstrierte. Laut dem
       [14][Militäranalysten und Sicherheitsberater Anthony Davis] herrscht
       zwischen Armee und Widerstand ein Patt.
       
       Davis hält zwar ein im Dezember geschlossenes Bündnis von 19
       Widerstandsgruppen zur „Allianz der Frühlingsrevolution“ für
       vielversprechend. Die Zeit könnte aber für das Militär arbeiten, wenn
       diesem gelingt, einen Keil zwischen die zunehmend erschöpfte
       Landbevölkerung und die Rebellen zu treiben, die vor Ort auf die
       Unterstützung der Bevölkerung angewiesen sind. Dem bewaffneten Widerstand
       drohe zudem eine schleichende Marginalisierung durch das Risiko der
       Kooptierung einzelner Gruppen sowie der Entstehung von Warlords.
       
       Der in Nordthailand lebende [15][Myanmar-Experte Bertil Lintner] drückt es
       so aus: „Die unvermeidliche Realität ist, dass, solange nichts wirklich
       Unerwartetes passiert, das Militär für absehbare Zeit an der Macht bleiben
       wird.“
       
       1 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://www.ohchr.org/en/press-releases/2026/01/myanmar-turk-says-military-controlled-ballot-exacerbates-violence-and-social
 (DIR) [6] https://www.irrawaddy.com/opinion/analysis/does-usdp-chair-khin-yi-have-a-shot-at-myanmars-presidency.html
 (DIR) [7] https://coup.aappb.org/data-dashboard
 (DIR) [8] https://www.suedwind-magazin.at/myanmar-wieder-opium-hauptproduzent/
 (DIR) [9] /Moderne-Sklaverei/!6117967
 (DIR) [10] https://ispmyanmar.com/som2026/
 (DIR) [11] /Myanmars-Militaer-soll-gewaehlt-werden/!6141233
 (DIR) [12] https://www.reuters.com/graphics/IRAN-MYANMAR/JET-FUEL/jnpwkonqrpw/?utm_medium=Social&utm_sf_post_ref=660170064&utm_source=Facebook&utm_sf_cserv_ref=114050161948682&fbclid=IwY2xjawPqrQ5leHRuA2FlbQIxMABzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEeugxqelk3OGcSB6S7VIEVHuqsC5bg2qTTZ3eK-4iNlwm9GYi9sJyY1i5Y7CU_aem_hH2DvfcfgE4ti1fvK9TkjQ
 (DIR) [13] /Buergerkrieg-in-Myanmar/!6137620
 (DIR) [14] https://asiatimes.com/2026/01/myanmars-war-headed-for-a-tipping-point-in-2026/?utm_source=+CleverReach+GmbH+%26+Co.+KG&utm_medium=email&utm_campaign=ASEAN+Region+-+Press+Review+JAN+2026&utm_content=Mailing_16757376
 (DIR) [15] https://www.globalasia.org/forum/myanmars-sad-election-spectacle_bertil-lintner?fbclid=IwY2xjawPp9sdleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZBAyMjIwMzkxNzg4MjAwODkyAAEe7hFYmWHtEjKC4fCPrB_MllkqVB9ZdoRSRTo5ypu9rZfRg8zoLhWV0FS3iA8_aem_O_aBdTbR6WXQVk40IXmq4Q
       
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