# taz.de -- Militärregime in Myanmar: Die jährliche Imagepolitur der Generäle
> Die sonst so brutale Militärjunta begnadigt zum Unabhängigkeitstag wieder
> viele Gefangene. Sollen davon auch die umstrittenen Wahlen profitieren?
(IMG) Bild: Ein freigelassener Mann wird am 4. Januar vor dem Insein-Gefängnis in Yangon von seinen Angehörigen begrüßt
Myanmars Militärjunta hat am Sonntag zum 78. Jahrestag der Unabhängigkeit
von Großbritannien wieder Hunderte Gefängnisinsassen freigelassen. Dutzende
Busse verließen am Sonntagmorgen das berüchtigte Insein-Gefängnis in Yangon
und wurden teilweise von Angehörigen empfangen, wie Reporter der
Nachrichtenagentur AFP beobachteten.
Laut dem Regime, das sich am 1. Februar 2021 an die Macht geputscht hatte,
würden jetzt insgesamt 6.134 Gefangene begnadigt, darunter 52 Ausländer, zu
deren Nationalität keine Angaben gemacht wurden.
[1][Massenamnestien dieser Art sind an Feiertagen wie dem
Unabhängigkeitstag in Myanmar üblich.] Sie geben der Junta ein menschliches
Image und haben für sie den positiven Nebeneffekt, dass sie Platz in den
Gefängnissen schaffen, der für die vielen politischen Gegner benötigt wird.
[2][Denn bei Protesten gegen die umstrittenen Scheinwahlen wurden in den
letzten Wochen wieder Hunderte Menschen festgenommen.]
Gewöhnliche Kriminelle kommen bei den Amnestien in den Genuss schneller
Begnadigungen, erst recht, wenn sie sich danach in den Dienst der Diktatur
stellen. In der Regel werden nur wenige politische Gefangene amnestiert.
Wie viele es jetzt waren, blieb zunächst unklar. Teil der Amnestie war
wieder eine Reduzierung der Haftstrafen um ein Sechstel. Ausnahmen sind
Strafen für Mord, Vergewaltigung, Terrorismus, Korruption, Drogen sowie
Waffengebrauch. Auch gefangene Rebellen, die meist als Terroristen
bezeichnet werden, wurden nicht amnestiert.
## Junta spricht von „Humanität und Mitgefühl“
Die Begnadigung erfolge aus „Humanität und Mitgefühl“, verkündete der
Nationale Sicherheitsrat. Er steht sonst hinter der Bombardierung von
Dörfern durch die Luftwaffe.
Prominentester Begnadigter war der frühere Offizier, Ex-Präsidentensprecher
und Ex-Minister Ye Htut. Er war in der Transformationsphase der 2010er
Jahre, die von der früheren Junta zur gewählten Regierung der
Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi führte, bei den Generälen in
Ungnade gefallen und 2023 wegen „Aufruhr“ zu zehn Jahren Haft verurteilt
worden.
Freigelassen wurde auch das Model Nang Mwe San. Die frühere Ärztin war 2022
wegen „Schädigung der Kultur und Würde“ festgenommen worden, weil sie Fotos
veröffentlichte, welche die Regierung als zu aufreizend einstufte. Sie
wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Zuletzt waren am 1. Dezember 2025 Hunderte Gefangene freigekommen, darunter
erstmals mehrheitlich politische Gefangene. Es wird vermutet, dass die
Generäle damit eine positive Atmosphäre vor den von ihnen angesetzten
Scheinwahlen schaffen wollten. Zu den Freigelassenen gehörten auch [3][zwei
Journalisten, die im Jahr 2015 an Workshops der taz Panter Stiftung
teilgenommen hatten].
## Wahlergebnis wie bestellt
Die erste Phase der Wahlen begann am 28. Dezember. Am 11. und 28. Januar
folgen die Phasen 2 und 3. Inzwischen erklärte die Junta-nahe Partei USDP,
die mehrheitlich aus Ex-Generälen besteht, mehr als 90 Prozent der Stimmen
bekommen zu haben. Die Wahlbeteiligung soll 50 Prozent betragen haben. Die
Opposition ist weitestgehend von der Wahl ausgeschlossen. In zahlreichen
Rebellengebieten finden keine Wahlen statt.
Laut der renommierten [4][myanmarischen Exil-Menschenrechtsorganisation
AAPPB] wurden seit dem Putsch 2021 30.216 Menschen aus politischen Gründen
verhaftet (Stand 30. 12.). Davon sind noch 22.682 in Haft. Mindestens 7.640
wurden getötet, darunter 1.986 Frauen und 982 Kinder. Weitere 173 wurden
zum Tode verurteilt.
4 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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