# taz.de -- Ruanda verklagt Großbritannien: 700 Millionen Pfund für vier Abschiebungen
> Ruanda verklagt Großbritannien auf Ersatzzahlung, weil ein Migrationsdeal
> nicht zustande kam. Der britische Premier Starmer sprach schon zuvor von
> „Steuergeldverschwendung“.
(IMG) Bild: Protest gegen den Migrationsdeal vor dem Royal Court of Justice in London, 5. September 2022
Ruandas Regierung hat angekündigt, dass sie sich aufgrund des gescheiterten
[1][Migrationsdeals mit Großbritannien] an das internationale
Schiedsgericht in Den Haag gewandt hat. Der Internationale Gerichtshof
(IGH) ist dafür zuständig, Streitigkeiten zwischen Staaten zu verhandeln.
Die ruandische Regierung besteht darauf, dass London laut dem Abkommen zu
einer Zahlung von 100 Millionen Pfund verpflichtet sei, obwohl der Deal nie
vollständig implementiert worden war, so eine Erklärung Ruandas vom
Dienstag.
Die sogenannte Partnerschaft für Migration und wirtschaftliche Entwicklung
zwischen den beiden Regierungen [2][war im Jahr 2022 unterzeichnet] worden,
als Boris Johnson in Großbritannien noch Premierminister gewesen war. Der
Deal sah ursprünglich vor, dass mehrere hundert Geflüchtete, die in
Großbritannien kein Asyl erhielten, aber auch nicht in ihre Heimatländer
abgeschoben werden konnten, nach Ruanda ausgeflogen werden sollten. Dort
sollten sie die Möglichkeit erhalten, eine Ausbildung oder Arbeit
aufzunehmen und sich entweder dort niederzulassen oder sich für sogenannte
Resettlement-Programme nach Kanada oder in die USA zu bewerben.
Doch letztlich waren nur vier Geflüchtete überhaupt angekommen, nachdem sie
sich freiwillig dafür bereit erklärt hatten. Der Grund: Anwälte und
Menschenrechtsaktivisten hatten in London gegen diesen Deal geklagt. Im
Juni 2022 hätte der erste Flieger mit rund 130 Migranten in London abheben
sollen, doch kurze Zeit zuvor stoppten die Richter die Aktion.
## Labour-Regierung verwarf Vorhaben
Die neue britische Labour-Regierung unter [3][Keir Starmer] hat den Pakt
letztlich direkt nach ihrem Amtsantritt 2024 gekündigt und als
„Steuergeldverschwendung“ bezeichnet. Ein Sprecher von Starmer erklärte nun
erneut: „Das Ruanda-Programm war ein komplettes Desaster. Es verschwendete
700 Millionen Pfund Steuergelder, um lediglich vier Freiwillige
zurückzubringen.“
Das Abkommen enthielt eine Ausstiegsklausel, die besagte, dass „jede Partei
dieses Abkommen durch schriftliche Mitteilung an die andere Partei kündigen
kann“. Eine weitere Klausel schrieb jedoch fest, dass ein Teil des Geldes
dennoch bezahlt werden muss, auch wenn der Deal aufgekündigt wird. Immerhin
hatte Ruandas Regierung bereits in der Hauptstadt Kigali ein Hostel
vorbereitet, um die Geflüchteten zu beherbergen.
Insgesamt hatte sich London bei Unterzeichnung auf eine Summe von 700
Millionen Pfund festgelegt, davon waren 290 Millionen Pfund als
Aufwandsentschädigung direkt an Ruanda vorgesehen. Im Dezember 2024 teilte
das britische Innenministerium mit, dass gemäß dem Vertrag weitere
Zahlungen in Höhe von 100 Millionen Pfund fällig geworden wären, davon 50
Millionen Pfund im Haushaltsjahr 2025/26 und noch einmal 50 Millionen für
2026/27.
## UK stellt Entwicklungshilfe ein
Doch dann kündigte die britische Regierung Anfang 2025 an, die
Entwicklungszusammenarbeit mit Ruanda einzustellen, nachdem die
kongolesischen Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) im Januar mit
ruandischer Hilfe die ostkongolesische Millionenstadt Goma eingenommen
hatten. Sprich: Die Zahlung der 100 Millionen Pfund aus dem Migrationsdeal
wurde deswegen ebenso ausgesetzt.
In ihrer Erklärung rechtfertigt Ruandas Regierung den Schritt damit, dass
Premierminister Starmer den Deal gegenüber den Medien als „tot und
begraben“ erklärt hatte, „ohne vorherige Benachrichtigung Ruandas, was dem
Geist der Partnerschaft widerspricht“, so Kigalis Erklärung.
„Wir werden unsere Position zum Schutz der britischen Steuerzahler
entschieden verteidigen und konzentrieren uns nun auf wirksame Maßnahmen
zur Bekämpfung illegaler Migration, nicht auf kostspielige Spielchen“, so
ein Sprecher von Premierminister Starmer.
29 Jan 2026
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(DIR) Simone Schlindwein
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