# taz.de -- Rechtsstreit um britischen Deal: Ruanda verliert vor dem Schiedsgericht
> Die Aussetzung des Flüchtlingsdeals mit Ruanda hat für Großbritannien
> keine finanziellen Nachteile. Das urteilt ein Schiedsgericht in Den Haag.
(IMG) Bild: Schon 2024 gibt es Proteste gegen den Ruanda-Deal in London, England
Ruanda ist mit seiner Klage gegen Großbritannien vor dem internationalen
Schiedsgericht in Den Haag gescheitert. Wie das Gericht [1][am Montag
bekanntgab], entschieden die Schiedsrichter am 15. Mai, dass Ruanda keinen
Anspruch auf nicht ausgezahlte 100 Millionen Pfund Entwicklungshilfe hat,
die dem Land laut dem ehemaligen Flüchtlingsdeal mit Großbritannien
zugestanden hätten.
Großbritannien hatte 2022 unter der damaligen konservativen Regierung eine
[2][„Migrationspartnerschaft“ mit Ruanda] geschlossen, wonach irregulär
eingereiste Flüchtlinge nach Ruanda abgeschoben werden sollten, damit sie
dort Asyl beantragen – statt in Großbritannien. Sie trat im April 2024 in
Kraft, nachdem die erste Fassung der Partnerschaft [3][vor dem Obersten
Gericht in London gescheitert] war und umfassend überarbeitet wurde.
Noch vor den ersten Abschiebeflügen nach Ruanda aber verloren die
britischen Konservativen im Juli 2024 Großbritanniens Parlamentswahlen –
und der neue Labour-Premierminister Keir Starmer erklärte wenige Tage nach
seiner Amtsübernahme, der Deal mit Ruanda sei „tot“.
Formal gekündigt wurde die Partnerschaft aber zunächst nicht. Erst im
Herbst 2024 nahmen die Regierungen in London und Kigali Verhandlungen
darüber miteinander auf. Denn hinter dem Deal verbargen sich mehrere
Finanzvereinbarungen. Demnach sollte Großbritannien nicht nur Ruandas
Kosten der Vorbereitung einer massiven Flüchtlingsaufnahme übernehmen –
dafür wurden 20 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt. Zusätzlich sollten
zwischen 2022 und 2026 insgesamt 490 Millionen Pfund als Entwicklungshilfe
an Ruandas „Wirtschaftstransformationsfonds“ gehen, davon 370 Millionen in
festgelegten Jahresraten und 120 Millionen nach Aufnahme der ersten 300
Abgeschobenen aus Großbritannien. Außerdem sollte Ruanda im Rahmen eines
„Resettlement“-Programms Geflüchtete nach Großbritannien überstellen
können.
## Abkommen hat Großbritannien 700 Millionen Pfund gekostet
Kern der [4][Auseinandersetzung in Den Haag] waren nun die vereinbarten
Entwicklungshilfszahlungen. Die Zahlungen für 2022, 2023 und 2024 –
insgesamt 270 Millionen Pfund – hatte Ruanda fristgerecht erhalten, ebenso
die 20 Millionen für die Vorbereitung der Flüchtlingsaufnahme.
Die von der tatsächlichen Aufnahme abhängige Summe von 120 Millionen Pfund
war verloren, das war klar. Blieben je 50 Millionen Pfund Entwicklungshilfe
für die Jahre 2025 und 2026, die im Abkommenstext so vereinbart waren. Auf
diese Summe verklagte Ruanda Großbritannien in Den Haag, dazu sechs
Millionen Pfund Entschädigung für den Wegfall des Resettlement-Programms.
Das Problem: Ruandas Regierung hatte bei den Verhandlungen mit London im
November 2024 zugestimmt, auf ihre finanziellen Forderungen zu verzichten.
Großbritannien hatte im Gegenzug Visaerleichterungen für Halter ruandischer
Diplomatenpässe zugesagt.
Aber als im Februar 2025 Großbritannien seine gesamte
Entwicklungszusammenarbeit mit Ruanda wegen dessen Unterstützung der
M23-Rebellen in der Demokratischen Republik Kongo aussetze, erklärte
Ruanda, es wolle nun doch die restlichen 100 Millionen aus dem
Flüchtlingsdeal. Großbritannien weigerte sich, Ruanda zog nach Den Haag.
Die Schiedsrichter urteilten jetzt im Sinne Großbritanniens. Beide Seiten
hätten sich verbindlich auf ein Ende der Zahlungen geeinigt und Ruandas
Außenministerium habe das schriftlich ausdrücklich akzeptiert. Also könne
Ruanda das nicht später einseitig zurücknehmen, so der Schiedsspruch.
Nach Angaben der Labour-Regierung hat das Abkommen mit Ruanda
Großbritannien rund 700 Millionen Pfund gekostet, was allerdings alle
möglichen Ausgaben in Großbritannien selbst einschließt. Unter dem Abkommen
wurden lediglich vier Personen auf freiwilliger Grundlage nach Ruanda
gebracht.
1 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://pca-cpa.org/en/news/pca-press-release-pca-case-no-2025-45-arbitration-pursuant-to-the-asylum-partnership-agreement-the-republic-of-rwanda-v-the-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland-3/
(DIR) [2] /Grossbritanniens-Ruanda-Abschiebungen/!6003363
(DIR) [3] /Britisches-Urteil-zum-Ruanda-Deal/!5969772
(DIR) [4] /Ruanda-verklagt-Grossbritannien/!6149748
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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