# taz.de -- Repressionen in Iran: EU-Außenminister sanktionieren Revolutionsgarden
> Verschärfter Kurs gegen das Mullahregime: Iranische Revolutionsgarden
> werden auf die Terrorliste gesetzt. Die Zeit der Diplomatie scheint
> vorbei.
(IMG) Bild: Paramilitärischer Arm des Mullah-Regimes: Iranische Revolutionsgardisten bei einem Aufmarsch in Teheran Mitte Januar
Vor dem [1][Hintergrund der blutigen Repression in Iran und militärischer
Drohungen der USA] gegen die Mullahs hat die EU ihre Gangart gegen das
Regime verschärft. Am Donnerstag haben die Außenminister bei einem Treffen
in Brüssel neue Sanktionen verhängt. Betroffen ist neben dem iranischen
Innenminister Eskandar Momeni auch die iranische Revolutionsgarde. Der
paramilitärisch organisierte Arm des iranischen Regimes werde als
Terrororganisation eingestuft, teilte EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas auf X
mit.
Deutschland hat diese Terrorlistung vehement gefordert. Italien und
Frankreich haben sich jedoch lange dagegen gesträubt, um die Tür für
Diplomatie offen zu halten. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten“,
sagte der deutsche Außenminister Johann Wadephul in Brüssel. Offenbar mit
Erfolg: Nach Rom gab kurz vor dem Außenministertreffen auch die Regierung
in Paris ihren Widerstand auf.
Er rechne nun mit einer politischen Einigung, erklärte Wadephul. Das
Vorgehen des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung sei derart
drastisch und brutal, „dass es eine klare Reaktion der Europäischen Union
als Wertegemeinschaft geben muss“, betonte der CDU-Politiker. „Das ist ein
Erfolg für die Menschen im Iran.“ Sie wüssten nun, auf welcher Seite die
Europäer stehen.
Ähnlich äußerte sich der französische Außenminister Jean-Noël Barrot. Er
sagte, dass es für die im Iran begangenen Verbrechen „keinerlei
Straflosigkeit“ geben dürfe. Das iranische Volk müsse selbst über seine
Zukunft entscheiden, fügte Barrot hinzu. „Wer als Terrorist handelt, sollte
auch als Terrorist behandelt werden“, betonte die EU-Außenvertreterin Kaja
Kallas.
## Entscheidung hat symbolischen Wert
Der praktische Nutzen hält sich allerdings in Grenzen. Die Entscheidung
habe eher symbolischen Wert und sei als politisches Signal an die
Opposition im Iran zu verstehen, hieß es in Brüssel. Mit der [2][Listung
als Terrororganisation würde die iranische Revolutionsgarde] in eine
Kategorie mit extremistischen Organisationen wie Hamas, „Islamischer Staat“
(IS) oder al-Qaida fallen.
Darüber hinaus beschlossen die EU-Außenminister neue Sanktionen gegen
Personen und Organisationen, die an der gewaltsamen Niederschlagung der
Proteste in Iran und der Unterstützung Russlands beteiligt sind. Neben
Innenminister Momeni wurden auch Generalstaatsanwalt Mohammed Mowahedi-Asad
und der Chef der Sicherheitspolizei, Seyed Madschid Feis Jafari, auf die
Sanktionsliste gesetzt.
Die Strafmaßnahmen waren zuletzt im Herbst verschärft worden, als die EU
den sogenannten Snapback-Mechanismus ausgelöst hat. Wegen des ungelösten
Streits über das iranische Atomprogramm wurden Ende September iranische
Banken, Energie- und Transportunternehmen mit Strafen überzogen. Dies hat
die Wirtschaftskrise im Land verschärft und mit zu den jüngsten Protesten
beigetragen.
## Diplomatisches Pulver verschossen
Unklar ist, wie es nun weitergeht. Die EU hat ihr diplomatisches Pulver
verschossen. Einer militärischen Lösung, wie sie US-Präsident Donald Trump
androht, stehen die Europäer jedoch kritisch gegenüber. Ein „regime
change“, also ein Sturz des Mullah-Regimes und die Einsetzung einer neuen,
demokratischen Regierung, lasse sich von außen kaum erreichen, sagte ein
EU-Diplomat.
Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, so wäre dies auch eine
strategische Niederlage für Europa. Seit dem US-Krieg gegen Irak 2003 haben
die Europäer eine friedliche Lösung für den Iran angemahnt. Mit dem
Atomabkommen JCPOA wollte die EU die nukleare Bewaffnung des Mullahregimes
verhindern. Als Anreiz wurde der Führung in Teheran ein umfassender
Handelsdeal angeboten.
Israel und die USA haben diesen Ansatz jedoch von Anfang an torpediert. In
seiner ersten Amtszeit hat Trump eine Politik des „maximalen Drucks“ auf
Iran verfolgt und sogar die EU mit Sanktionen bedroht. Im vergangenen Jahr
haben Israel und die USA gemeinsam Angriffe gegen das iranische
Atomprogramm geführt. Nun droht Trump erneut mit einem Militärschlag gegen
das Mullahregime.
Die Europäer haben dem wenig entgegenzusetzen. Nicht nur im Iran, sondern
auch in Israel und im gesamten Nahen Osten spielen sie spätestens seit
[3][dem Gazakrieg] nur noch eine Nebenrolle. Da die europäische „Soft
Power“ – Diplomatie und Handel – nicht mehr verfängt, werden nun die Rufe
nach „Hard Power“ – wirtschaftliche und militärische Gegenwehr oder Gewalt
– immer lauter.
29 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Angedrohter-Militaerschlag-gegen-Iran/!6145664
(DIR) [2] /Politik-und-Protest-in-Iran/!6148286
(DIR) [3] /Schwerpunkt-Nahost-Konflikt/!t5007999
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
(DIR) Kaja Kallas
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Islamische Republik in der Krise: Regime und Ruin
Auf Proteste gegen Währungsverfall, Verarmung und Repression reagieren
Irans Machthaber mit Gewalt. Die Wirtschaftskrise im Land spitzt sich zu.
(DIR) Proteste in Iran: Mit EU-Sanktionen das Mullah-Regime stürzen?
Die EU arbeitet an neuen Iran-Sanktionen. Ob es eine Entscheidung dafür
gibt, ist fraglich. Doch wirken Sanktionen überhaupt? Das sagen
Expertinnen.
(DIR) Angedrohter Militärschlag gegen Iran: Zu viele Tote
Sollten die USA in Iran militärisch eingreifen, um das Mullah-Regime zu
stürzen und die Demonstrant:innen zu schützen? Ein Pro & Contra.