# taz.de -- Proteste bei Olympischen Winterspielen: Unerwünschte Teilnehmer
       
       > Bei den Winterspielen in Italien kommen ICE-Beamte aus den USA zum
       > Einsatz. Die Regierung beschwichtigt, die Opposition kündigt
       > Demonstrationen an.
       
 (IMG) Bild: Für die Olympischen Spiele qualifiziert? Zwei ICE-Beamte bei einem Einsatz in Saint Paul (Minnesota)
       
       Nach Minnesota nun Mailand: ICE-Beamte werden während der am 6. Februar
       beginnenden Olympischen Winterspiele [1][auch in Italien im Einsatz sein.]
       Tagelang hatte Italiens Regierung unter der Postfaschistin und
       [2][Trump-Busenfreundin Giorgia Meloni] eine mögliche Präsenz der
       mittlerweile weltweit berüchtigten Immigrantenhäscher aus den USA bei den
       Spielen abgestritten, doch jetzt ist es offiziell. ICE-Leute reisen an, als
       Teil der US-amerikanischen Sicherheitskräfte, die die US-Delegation
       begleiten.
       
       Noch am Montag hatte Innenminister Matteo Piantedosi mögliche Gerüchte in
       dieser Richtung als „Polemik um ein Nichts“ abgetan und erklärt, „ICE als
       solches wird niemals in Italien operieren“ – dann aber noch hinzugefügt,
       „bis jetzt“ hätten „die Amerikaner ebenso wie alle anderen nicht die
       Präsenzen aufgelistet, die hier in Italien im Gefolge der Delegationen
       anwesend sein werden“.
       
       Nachhilfe bekam der Minister dann jedoch von der US-Botschaft in Rom, die
       verlauten ließ, ganz so „wie bei früheren Olympischen Spielen“ würden
       „diverse Bundesagenturen, unter ihnen Homeland Security Investigations, die
       investigative Komponente des ICE“ in Mailand vor Ort sein.
       
       Nur wenige Stunden zuvor war Italiens Außenminister Antonio Tajani noch auf
       Distanz zu den USA gegangen, hatte die schockierenden Bilder aus
       Minneapolis mit den Worten kommentiert, die Aufnahmen zeigten
       „Missbräuche“, es bestehe „ein großer Unterschied zwischen der Verhaftung
       und der Tötung eines bewaffneten Mannes“.
       
       ## „Da kommt ja nicht die SS“
       
       Das sieht das Gros der Italiener*innen und der italienischen Medien
       genauso. Als am Dienstagabend alle TV-Nachrichten prominent das Kommen der
       ICE zu Olympia meldeten, war in zahlreichen Sendern die Meldung mit den
       Videos [3][der Erschießung von Alex Pretti] und Renée Good unterlegt, die
       die Welt aufgewühlt hatten.
       
       Seitdem bemüht sich die Regierung Meloni um Schadensbegrenzung. Mal heißt
       es, da kämen ja bloß „drei bis vier“ ICE-Beamte, mal ist von zehn die Rede.
       Innenminister Piantedosi wiederum hält mit Haarspalterei an seinem
       ursprünglichen Dementi fest – denn die US-Sicherheitsleute seien ja in
       Italien nicht „operativ“ im Einsatz, sondern würden bloß im US-Konsulat in
       Mailand, in der dortigen US-Einsatzzentrale Dienst schieben. Und auch
       Außenminister Tajani hatte jetzt zu verkünden, „da kommt ja nicht die SS“,
       da seien nicht „maskierte Beamte mit Sturmgewehren“ auf der Anreise.
       
       Die Opposition sieht das anders. Der gewöhnlich nicht für schrille Töne
       bekannte Bürgermeister Mailands, Beppe Sala aus den Reihen der gemäßigt
       linken Partito Democratico (PD), erklärte in einer Radiosendung, die ICE
       sei „eine Miliz, die tötet“. Der Bürgermeister fügte hinzu, er fühle sich
       von Innenminister Piantedosi „nicht geschützt“ und es sei klar, dass „sie
       (die ICE-Beamten; die Red.) in Mailand nicht willkommen sind“. Er schloss
       mit den Worten: „Können wir Trump nicht ein einziges Mal Nein sagen? Die
       ICE-Agenten dürfen nicht nach Italien kommen, weil sie nicht auf einer
       Linie mit unserer demokratischen Weise sind, die Sicherheit zu
       gewährleisten.“
       
       Und der Mailänder PD-Abgeordnete Matteo Mauri legte nach. „Dieselbe
       Regierung, die sich als souverän definiert, verteidigt dann aber nicht die
       Würde der italienischen Demokratie, sondern ist bloß fähig,,Ich gehorche'
       zu Trump zu sagen“, erklärte Mauri.
       
       Giorgia Meloni selbst hüllt sich in Schweigen. Sie hat guten Grund dazu.
       Kam Donald Trump vor einem Jahr noch auf 42 Prozent Zustimmung bei den
       italienischen Wähler*innen, so ist dieser Wert auf jetzt nur noch 22
       Prozent gefallen – ein klares Zeichen, dass ihn auch zahlreiche
       Anhänger*innen Melonis und Matteo Salvinis mittlerweile ablehnen. Die
       Antipathie dürfte sich auch dank Vorfällen wie dem vom letzten Wochenende
       in Minneapolis verstärkt haben. Dort stoppten ICE-Agenten einen Wagen mit
       einem Kamerateam des italienischen Staatssenders RAI an Bord und brüllten,
       wenn sie weiter filmten, würden die ICE-Leute „die Autoscheiben einschlagen
       und euch rauszerren“.
       
       Fest steht jetzt schon, dass Italiens Opposition nicht Ruhe geben wird. Am
       Mittwoch nächster Woche wird Innenminister Piantedosi sich dem
       Abgeordnetenhaus zu einer Aussprache über den ICE-Einsatz in Mailand
       stellen müssen. Schon am nächsten Samstag planen allerdings alle
       Oppositionsparteien eine Kundgebung in der Olympiametropole. Die
       Teilnehmer*innen sollen mit Trillerpfeifen kommen, ganz so wie die seit
       Wochen in Minneapolis protestierenden Menschen.
       
       28 Jan 2026
       
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