# taz.de -- EU und Indien vereinbaren Handelsdeal: Frei in engen Grenzen
       
       > Die EU und Indien haben sich nach langen Verhandlungen auf ein
       > Freihandelsabkommen geeinigt. Das soll ein geopolitisches Zeichen setzen.
       
 (IMG) Bild: Traute Einigkeit: Chinas Exportoffensive und Trumps Zoll-Durcheinander haben die EU und Indien einander näher gebracht
       
       Die EU und Indien rücken enger zusammen. Vor dem Hintergrund wachsender
       Spannungen mit den USA und China müsse Europa seine „strategische
       Unabhängigkeit“ stärken, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der
       Leyen bei einem Besuch zum 77. Tag der Republik in Neu-Delhi.
       
       Dazu soll ein neues Freihandelsabkommen beitragen, das von der Leyen als
       „Mutter aller Deals“ bezeichnete. Geplant ist auch eine engere
       Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung. Eine „strategische Agenda“
       sieht unter anderem gemeinsame Rüstungsprojekte vor.
       
       Von der Leyen und der indische Premierminister Narendra Modi haben in
       Neu-Delhi gemeinsam mit EU-Ratspräsident António Costa und diversen
       Kommissaren und Ministern mehrere Dokumente unterzeichnet, die die
       Annäherung besiegeln sollen. „Europa und Indien schreiben heute
       Geschichte“, sagte von der Leyen. Die Kooperation werde „große Chancen“
       eröffnen, so Modi. Bis zur Umsetzung dürfte aber noch einige Zeit vergehen.
       Die gemeinsame Strategie zielt auf das Jahr 2030; bisher kooperiert Indien
       in der Rüstung vor allem mit Russland. Das Handelsabkommen ist zwar fertig,
       muss aber noch viele Hürden nehmen. Es soll frühestens 2027 in Kraft
       treten.
       
       Der Einigung gingen fast 20-jährige Verhandlungen voraus. Sie fällt in eine
       Zeit, in der die EU und Indien unter den Folgen der aggressiven Zoll- und
       Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump leiden. Auch die
       [1][chinesische Exportoffensive] hat beide Seiten einander näher gebracht.
       
       ## Freihandel nur in engen Grenzen
       
       Das Handelsabkommen verschafft der EU besseren Zugang zu einer der am
       schnellsten wachsenden und größten Volkswirtschaften der Welt. Allerdings
       findet der Freihandel nur in engen Grenzen statt. Indien hat sich gegen
       eine vollständige Öffnung seiner Märkte gewehrt und mehrere strategisch
       wichtige Bereiche wie die begehrten seltenen Erden ausgeklammert.
       
       „Die Inder haben uns gesagt, dass sie lange genug unter europäischem
       Kolonialismus gelitten haben und nun keinen Neokolonialismus wollen“, hieß
       es in der EU-Kommission in Brüssel. Deshalb sei das Handelsabkommen nicht
       ganz so ehrgeizig ausgefallen wie zunächst erhofft.
       
       Der neue Pakt soll Zölle auf mehr als 96 Prozent der gehandelten Waren
       abschaffen oder senken. Die EU rechnet damit, dass sich ihre Warenexporte
       nach Indien bis 2032 verdoppeln werden. Europäische Unternehmen könnten
       dadurch Zölle in Höhe von 4 Milliarden Euro einsparen.
       
       ## EU-Parlamentarier begrüßen Abkommen
       
       Besonders profitieren dürften die deutschen Autobauer. Indien senkt die
       Importzölle für Autos schrittweise von bis zu 110 Prozent auf 10 Prozent.
       Allerdings gilt eine Quote von 250.000 Wagen. Die Zölle auf Wein sinken von
       150 auf 75 Prozent, später sind 20 Prozent geplant.
       
       Die neuen Abkommen müssen noch von den EU-Mitgliedstaaten und vom
       Europaparlament gebilligt werden. Erste Reaktionen der EU-Abgeordneten
       fielen positiv aus. „Der Abschluss der Verhandlungen mit Indien ist ein
       Hoffnungsschimmer angesichts der chaotischen geopolitischen Lage“, erklärte
       der Chef des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD)
       
       [2][Auch die Grünen] signalisieren Zustimmung. Ihre handelspolitische
       Sprecherin, Anna Cavazzini, sprach von erfolgreichen Verhandlungen. „Dass
       Indien nun mit der EU den Schritt Richtung Freihandel geht, ist ein starkes
       geopolitisches Zeichen in Richtung EU“, so Cavazzini.
       
       ## Modi: „Hier beginnt ein neues Zeitalter“
       
       Indiens Premierminister Narendra Modi von der hindunationalistischen
       Volkspartei BJP inszenierte den Gipfel als politischen Wendepunkt. „Hier
       beginnt ein neues Denken, hier beginnt ein neues Zeitalter“, sagte er. Es
       sei „kein bloßes Handelsabkommen, sondern eine Blaupause für gemeinsamen
       Wohlstand“.
       
       Das Ziel sei, Landwirten, kleinen Unternehmen und dem Dienstleistungssektor
       einen besseren Zugang zum europäischen Markt zu verschaffen und Indien als
       Produktionsstandort aufzuwerten.
       
       Für Indien ist die EU nach den USA der zweitwichtigste Exportmarkt.
       Besonders profitieren dürften arbeitsintensive Branchen wie Textilien,
       Bekleidung, Schmuck, Leder und Schuhe, in denen die EU-Zölle bislang höher
       angesetzt sind. Agrarprodukte wie Milch, Getreide, Fleisch sowie bestimmte
       Obst- und Gemüsesorten bleiben ausgeschlossen, um politische Widerstände zu
       begrenzen.
       
       Auch beim CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) schafft das Abkommen erstmals
       einen formalen Rahmen für Dialog und technische Zusammenarbeit. Beigelegt
       ist der [3][Streit um die Klimazölle] aber nicht.
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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