# taz.de -- Sozialstaatsbericht: Chance auf eine gute Reform
> Der Kommissionsbericht enthält gute Ansätze und könnte den Kürzungsfans
> der Union das Wasser abgraben. Doch die Umsetzung dürfte schwierig
> werden.
(IMG) Bild: Soziale Errungenschaften erhalten: eine positive Haltung spricht aus dem Sozialstaatsbericht, der am Dienstag vorgestellt wurde
Eine grundsätzlich positive Haltung zur sozialen Sicherung spricht aus dem
Bericht, der am Dienstag präsentiert wurde. [1][Der Kommission zur Reform
des Sozialstaats] geht es darum, die Leistungen effektiver und die
Verfahren einfacher zu gestalten. Damit setzt sie einen konstruktiven
Kontrapunkt [2][zur Kürzungspolitik der Union], in deren Augen der
Sozialstaat zu teuer und Empfänger:innen zu faul seien.
Zentrale Ideen, die die Kommission aus Bundesministerien, Ländern,
Verbänden und Parteiexpert:innen erarbeitet hat, erscheinen sinnvoll.
Wenn man Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld zusammenfasst, könnten
die Leistungen transparenter werden, ohne dass das Sicherungsniveau sinkt.
Unter Umständen behielten viele Leute einen größeren Teil ihres selbst
erwirtschafteten Arbeitseinkommens, ohne dass dieses mit den Leistungen
verrechnet würde. Damit stiege der Anreiz, sich aus den Zuschüssen
herauszuarbeiten. Dieses Ziel sollten die Sozialgesetze nicht mit
widersprüchlichen und hinderlichen Regeln durchkreuzen. Auch das
vorgeschlagene einfache Serviceportal als Zugang von außen würde das Leben
einfacher machen – der Antragsteller:innen, aber auch der Beschäftigten in
den Behörden.
Ein guter erster Schritt also – und er hat nur wenige Monate gebraucht.
Doch die Umsetzung dürfte sich schwieriger gestalten. Denn entstanden ist
der Bericht unter der Ägide der sozialdemokratischen Arbeitsministerin
Bärbel Bas. Nun gerät er wahrscheinlich in die Auseinandersetzungen der
Koalitionspolitik. Dabei können sich die ursprünglichen Vorschläge in die
eine oder andere Richtung verschieben. Sie bieten auch Andockpunkte für die
Kürzung von Sozialleistungen.
Wenn es tatsächlich innerhalb dieser Wahlperiode zu einer großen Reform
käme, die die Ideen der Kommission noch erkennen lässt, wäre das
vorteilhaft. Ein solches Ergebnis könnten die Parteien der Mitte als
Argument dafür nutzen, dass die Demokratie in der Lage ist, auch Lösungen
für schwierige Probleme zu liefern.
28 Jan 2026
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