# taz.de -- Antisemitismus-Fördergeldaffäre: Kompetenz egal?
       
       > Ein Untersuchungsausschuss soll klären, ob der Berliner Kultursenat
       > Fördergelder für Antisemitismusprävention irregulär verteilt hat.
       
 (IMG) Bild: Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Berliner Abgeordnetenhaus
       
       Hat der Berliner Kultursenat Fördergelder für Antisemitismusprävention
       irregulär vergeben? Mit diesem Verdacht befasst sich ein
       [1][Parlamentarischer Untersuchungsausschuss] im Berliner Abgeordnetenhaus
       am Freitag in seiner zweiten Sitzung. Im Fokus der Ermittlungen stehen die
       parteilose Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson und ihr Amtsvorgänger [2][Joe
       Chialo] (CDU).
       
       Seit November kursieren Vorwürfe rund um Mittel aus dem Landeshaushalt für
       „Projekte von besonderer politischer Bedeutung“, die in einen Sondertopf
       des Kulturetats flossen, für Prävention und Bekämpfung von Antisemitismus.
       Die Opposition wirft Chialo und Wedl-Wilson vor, namhafte Geldsummen aus
       dem 3,4 Millionen Euro-Sonderbudget an Projektträger mit wenig Ahnung vom
       Thema, aber guten Kontakten in die CDU vergeben zu haben.
       
       Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Stettner und der CDU-Haushaltsexperte
       Christian Goiny sollen die Zusammensetzung eines zuständigen
       Projektgremiums beeinflusst haben. Zudem sollen sie dem damaligen
       Kulturminister Chialo vorgeschrieben haben, welche Projekte er zu fördern
       habe. Chialo soll einige davon persönlich und gegen den Rat seiner
       Verwaltung freigegeben haben.
       
       Laut aktuellen Recherchen des Tagesspiegels bei einigen Projektträgern
       hätten viele keine Auskunft über die Verwendung der zugeteilten Mittel
       geben können oder wollen, andere wiederum seien noch gar nicht arbeitsfähig
       gewesen oder hätten winzige Teilprojekte für sehr viel Geld durchgeführt.
       Auch auffällige personelle Verflechtungen soll es geben: So soll ein
       Vorstand des geförderten, erst im Dezember 2024 gegründeten „Zera
       Instituts“ gleichzeitig auch zwei weitere Projekte geleitet haben, die Geld
       aus demselben Topf erhielten.
       
       ## Fördertopf wie Parteieigentum behandelt
       
       Die Süddeutsche Zeitung hat nun vorab Einblick in Behördenunterlagen nehmen
       können, auf deren Offenlegung das Rechercheportal [3][„Frag den Staat“]
       gedrungen hatte. Darunter sind etwa Emails, in denen aus dem Kultursenat
       den Antisemitismusfonds aufteilen wie Parteieigentum: „CDU 3.000.000 €, SPD
       300.000 € …“.
       
       Der Untersuchungsausschuss „Fördergeld“ muss nun klären, was an den
       Vorwürfen dran ist und ob die irregulären Vorgänge gegen Haushaltsrecht
       verstoßen haben. Sicher ist jetzt schon eins: Antisemitismus bekämpft man
       so nicht. Dazu passen aktuelle Zahlen, wonach die Zahl antisemitischer
       Straftaten in Berlin auf dem höchsten Stand seit 1995 ist.
       
       26 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Fragliche-Projekte-gegen-Antisemitismus/!6147763
 (DIR) [2] /Joe-Chialo/!t5933894
 (DIR) [3] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/01/die-akten-zur-berliner-fordergeldaffare/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nina Apin
       
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