# taz.de -- Eisregen in Berlin: „Alles ein bisschen durcheinander“
       
       > Die Notaufnahmen sind voll, die Straßenbahnen fahren nicht mehr und auch
       > der Müll wird nicht abgeholt. Der Eisregen hat Berlin voll im Griff.
       
 (IMG) Bild: Eingefrorene Oberleitungen bringen Straßenbahnen zum Stehen
       
       Sonderfahrt – Special Train steht an der U-Bahn, die am Potsdamer Platz im
       Bahnhof wartet. Als sich der Zug in Bewegung setzt, ertönt die Stimme des
       Fahrers durch den Lautsprecher: „Liebe Fahrgäste, was Ihnen wahrscheinlich
       schon aufgefallen ist: Heute ist alles ein bisschen durcheinander.“ Auch
       dieser Zug hier fahre nicht so, wie er eigentlich solle. „Es tut mir leid,
       dass ich Ihnen nichts Schöneres sagen kann. Aber wir sagen es lieber
       rechtzeitig, damit Sie sich anders orientieren können.“ Wenn das kein
       Service ist!
       
       Der Eisregen hat am Montagmorgen ganze Arbeit geleistet. Die Bürgersteige
       sind spiegelglatt. Mit Trippelschrittchen, die Blicke starr auf den Boden
       gerichtet, tasten sich die Fußgänger von einer gestreuten Insel zur
       nächsten. Es hatte sich angekündigt, der Deutsche Wetterdienst hatte
       gewarnt. Aber dass es so heftig werden würde, war für viele dann doch eine
       Überraschung.
       
       Die U-Bahn, auf die eigentlich fast immer Verlass ist, hat ihren Betrieb
       auf den oberirdischen Strecken teilweise eingestellt. Auf der U3 zwischen
       Breitenbachplatz und Krumme Lanke etwa geht nichts mehr. Auch auf der U2
       gibt es erhebliche Einschränkungen. Zwischen Rosa-Luxemburg-Platz und
       Pankow ist der Verkehr unterbrochen.
       
       ## Personal wacht in den Trams
       
       [1][Ungleich viel härter] trifft es die Fahrgäste der Straßenbahnen und
       mehr noch das Personal. Seit 4 Uhr morgens ist der Tram-Betrieb wegen
       vereister Oberleitungen vollständig eingestellt.Viele Bahnen waren schon
       unterwegs, als sie der Eisregen traf. Rund 40 Trams schafften es nicht mehr
       ins Depot, mussten auf freier Stelle stehen bleiben, wie die BVG mitteilte.
       Mancherorts harrten die Fahrerinnen und Fahrer stundenlang in den
       Fahrzeugen aus, um sie zu bewachen. Einige hätten dafür auch ihre Schichten
       verlängert. Wenn das kein Einsatz ist!
       
       Nicht nur der Wetterdienst, [2][auch die BSR] spricht von einem
       „außergewöhnlich starken“ Eisregen. Unmittelbar zu spüren bekommen das die
       Rettungskräfte. [3][Im Netz live mitverfolgen lässt sich der Andrang in den
       Notaufnahmen]. Zumindest der in den Krankenhäusern von Vivantes. Die
       durchschnittliche Wartezeit der letzten sechs Stunden, von der Anmeldung
       bis zum ersten Arztkontakt, sind auf deren Website im Internet abrufbar,
       und das auch, wenn kein Eisregen ist.
       
       Aber der macht sich an diesem Tag deutlich bemerkbar an einer Zunahme von
       Knochenbrüchen. „Bei Glatteis ist immer mehr los“, sagt Vivantes Sprecher
       Christoph Lang. Mehr Personal werde deshalb nicht eingesetzt. Die Schichten
       würden lange vorher festgelegt.
       
       Die auf der Website angegebenen Wartezeiten schwanken am Montagnachmittag
       in den Innenstadt-Krankenhäusern zwischen 112 Minuten (Klinikum
       Friedrichshain), 78 Minuten (Klinikum am Urban) und 67 Minuten (Klinikum
       Neukölln). Deutlich kürzer wartet man in den Außenbezirken im Klinikum
       Kaulsdorf (16 Minuten) und im Humboldt-Klinikum (20 Minuten).
       
       ## Längere Wartezeiten
       
       Auch, wie viele Patienten mit Notarztwagen in die Rettungsstelle kommen,
       kann man auf der Seite sehen, und auch, wie viele lebensbedrohliche
       Notfälle es waren. Längst nicht alles habe mit dem Wetter zu tun, betont
       der Pressesprecher. Bei Vivantes gebe es das Credo: „Alle Patienten, die
       sich krank fühlen und zu uns kommen, haben das Recht, einem Arzt
       vorgestellt zu werden.“ Wer aber schon seit zwei Wochen Halsschmerzen habe,
       müsse damit rechnen, dass dringlichere Fälle vorgezogen werden.
       
       Die BSR teilt mit, dass es ihren Winterdienstkräften gelungen sei, [4][die
       Hauptverkehrsstraßen] schon beim Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs
       weitestgehend befahrbar zu machen. Der Müll werde wegen der extremen Glätte
       auf Nebenstraßen, Gehwegen und Privatgrundstücken am Montag aber nicht
       abgeholt. Man werde das am Dienstag aber nachholen.
       
       „Achtung, seien Sie vorsichtig auf den Bahnsteigen und Plattformen“, immer
       wieder hallt die Durchsage durch die U-Bahnhöfe. Die Wetteraussicht für die
       nächsten Tage spricht dafür, dass die Rutschparty noch ein bisschen
       weitergehen dürfte. Nachts Minusgarde, tags um die null.
       
       26 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Fahrradexpertin-ueber-Winter-und-Politik/!6144235
 (DIR) [3] https://www.vivantes.de/medizinwelten-experten/notfallmedizin/
 (DIR) [4] /Schneeraeumung-in-der-Stadt-Wer-im-Winter-das-Tausalz-wert-ist/!6144247
       
       ## AUTOREN
       
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