# taz.de -- Obdachlosigkeit in Berlin: Es bleibt eisig
       
       > Frost und Schnee sorgen dafür, dass die Obdachlosen-Notunterkünfte voll
       > sind. Träger bemühen sich um Alternativen.
       
 (IMG) Bild: Ein Obdachloser mit seinen Habseligkeiten auf seinem Weg durch die Stadt
       
       Minusgrade und Schnee bestimmen seit Tagen das Leben in der Stadt – und
       werden es weiter tun. Erbauen mag sich daran, wer ein warmes Zuhause hat.
       Die vom Stromausfall betroffene Bevölkerung im Südwesten der Hauptstadt
       indes hat zu Wochenbeginn einen Eindruck gewonnen, wie es sich ohne Heizung
       lebt. Ungleich viel [1][härter noch ist es für die mehr als 6.000 Menschen,
       die auf der Straße leben].
       
       Alle Berlinerinnen und Berliner sind deshalb dringend gebeten, auf
       Obdachlose zu achten. „Sprechen Sie die Menschen an“, appelliert Barbara
       Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission. Die aktuellen Temperaturen
       seien für Obdachlose lebensgefährlich. Es sei wichtig, festzustellen, dass
       die Person bei Bewusstsein sei und noch lebe. Wenn man unsicher sei, könne
       man die Person vorsichtig anfassen. „Wenn man sieht, dass jemand blau ist,
       nicht mehr atmet, nicht mehr reagiert, sofort den Notruf anrufen.“
       
       Im Rahmen der Kältehilfe gibt es in Berlin rund 1.100 Schlafplätze in
       Notunterkünften. Erfahrungsgemäß reichen diese in der Regel aus, denn viele
       Obdachlose meiden die Unterkünfte, solange es geht. Nun aber spitzt sich
       die Situation zu. Minusgrade, Schnee und Wind werden das Wetter in Berlin
       und Brandenburg auch die kommenden Tage bestimmen.
       
       Menschen ohne Obdach drängten in die Unterkünfte, die meisten seien ab
       23.00 Uhr voll belegt, sagt Breuer. Die Notunterkunft der Stadtmission in
       der Lehrter Straße etwa verfüge über 125 Plätze. In der Nacht zu Donnerstag
       habe man Menschen abweisen müssen. „Wir haben sie dann woanders
       untergebracht, [2][für den Kältebus heißt das], zusätzliche Strecken fahren
       zu müssen“.
       
       ## Eine Bitte an Nachbarn und Passanten
       
       [3][Die Stadtmission betreibt drei Kältebusse], das DRK ist mit zwei
       Wärmebussen im Einsatz. Auch bei arktischer Kälte sei die Erfahrung, dass
       manche Obdachlose nicht mitfahren wollten, sagt Breuer. „Wir versorgen sie
       deshalb auf der Straße mit heißer Suppe, Tee, einem weiteren Schlafsack und
       einer Isomatte.“ Auch Nachbarn und Passanten bittet sie, das zu tun.
       
       Sabrina Niemietz von der Koordinationsstelle Kältehilfe bestätigt, dass die
       Plätze in den Notunterkünften knapp sind. Die Senatsverwaltung für Soziales
       und manche freie Träger versuchten nun, das Angebot aufzustocken.
       
       Für die Stadtmission kündigt Sprecherin Breuer an, dass im Missions-Zentrum
       am Bahnhof Zoo kurzfristig ein Nachtcafé aufgemacht werde. Bis zu 50
       Obdachlose könnten sich dort dann in den Nächten von Freitag bis
       einschließlich Montag aufhalten. Das Schulungs- und Beratungszentrum der
       Stadtmission gibt es erst seit 2021. Früher befand sich in den Räumen eine
       Polizeistation.
       
       Unabhängig davon ist die Gastronomie der Bahnhofsmission täglich von 12.00
       bis 16.30 Uhr zugänglich, von 19.00 bis 21.00 Uhrwerden durch einen
       Schalter heiße Getränke nach draußen gereicht. Morgens um 8.00 Uhr öffnet
       der Schalter wieder, allerdings nur für eine Stunde.
       
       ## Für massiven Wintereinbruch gut gewappnet
       
       Für Freitag sagt der Deutsche Wetterdienst kräftigeren Schneefall voraus.
       Es können drei bis acht, lokal sogar bis zu 15 Zentimeter Neuschnee fallen.
       Durch Böen sind auch Schneeverwehungen möglich. Die BSR erklärte auf
       Nachfrage der taz, auch für einen massiven Wintereinbruch sei man gut
       gewappnet.
       
       Insgesamt 2.300 Beschäftigte mit 540 Räum- und Streufahrzeugen kümmerten
       sich um den Winterdienst. Die Einsatzkräfte seien bereits seit Tagen in
       mehreren Schichten unterwegs. Wenn es die Wetterlage erfordert, werde man
       rund um die Uhr im Einsatz sein.
       
       Für den Winterdienst auf Gehwegen sind laut BSR Sprecher Sebastian Harnisch
       grundsätzlich die jeweiligen Anlieger verantwortlich. Diese müssten dort
       den Schnee räumen und mit abstumpfenden Mitteln streuen. Eisbildungen,
       denen nicht ausreichend durch Streuen entgegengewirkt werden kann, seien zu
       beseitigen. „Wir empfehlen, Hinweise zu fehlendem oder unzureichendem
       Gehwege-Winterdienst unverzüglich nach Feststellung an das jeweilige
       Ordnungsamt zu richten“, so Harnisch zur taz.
       
       Die Bürgersteige in der Stadt sprechen eine andere Sprache: Für die
       Vereisung scheint sich kaum jemand verantwortlich zu fühlen.
       
       8 Jan 2026
       
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