# taz.de -- ICE in Minneapolis: Nichts ist mehr sicher – alles ist möglich
> In Minneapolis geht es um mehr als Proteste. Wenn weitere Schüsse fallen,
> sind die Folgen für die USA unvorhersehbar. Es wird kein Happy End geben.
(IMG) Bild: Ein Videoausschnitt zeigt den Moment, nachdem Alex Pretti von ICE-Einsatzkräften tödlich getroffen wurde, Minneapolis am 24. Januar
Gewiss hatten die Menschen von Minneapolis und alle, die rund um die Welt
Anteil nehmen, gehofft, dass [1][Renee Nicole Good] die letzte BürgerIn
war, die in den Straßen der einst so friedlichen Stadt sterben musste. Doch
die Hoffnung war von Anfang an naiv. Der Mord an Alex Pretti hatte etwas
Zwangsläufiges.
Der Widerstand in Minneapolis und in anderen Städten der USA hat gezeigt,
dass viele Menschen nicht dazu bereit sind, das Terrorregime von ICE
hinzunehmen. Mit Mut und Kreativität stemmen sich die redlichen Menschen
der USA Trumps Schergen entgegen – unter Inkaufnahme enormer persönlicher
Risiken.
Die andere Seite hat wiederum deutlich gemacht, dass sie den Tod
unschuldiger Zivilisten nicht nur billigt, sondern zu provozieren bereit
ist. Die Reaktion von Heimatschutzministerin Kristi Noem auf den Tod von
Good war nicht, einen Schritt zurückzutreten, sondern das Opfer zu
verleumden und noch mehr gewaltbereite Söldner zu schicken.
Die Tatsache, dass jemand wie Alex [2][Pretti, ein offenbar friedliebender
Krankenpfleger,] mit einer Waffe in Minneapolis herumlief, spricht Bände.
Die Menschen fühlen sich schutzlos ausgeliefert und haben das Gefühl, sich
selbst verteidigen zu müssen. Zustände wie im Wilden Westen. Wie selbst der
[3][Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey] sagte: „Unsere Polizei
könnte sich gegen ICE stellen. Aber wir haben weder die Mannschaftsstärke
noch die Waffen.“ Es gibt keine Ordnungsmacht mehr.
## Zustände wie im Wilden Westen
Auf den Straßen von Minneapolis herrschen Anarchie und das Recht des
Stärkeren. Und das ist im Moment ICE. Ob die Nationalgarde, die Gouverneur
Tim Walz nun aktiviert hat, etwas gegen ICE ausrichten könnte, ist ebenso
zweifelhaft wie die Frage, ob sie das wollen. Die Loyalitäten sind bei
allen Sicherheitskräften, vom Militär bis zur Polizei, gespalten. Sollten
in den nächsten Tagen in Minneapolis oder anderswo wieder Schüsse fallen,
ist nicht auszurechnen, welche Situation sich dann entspinnt.
Verbale politische Auseinandersetzungen als Konfliktlösung, Kernmerkmale
einer Zivilgesellschaft, haben ausgedient. Das Gerede von Senatoren in
Washington ist zahnlos und interessiert im Grunde niemanden mehr.
Gouverneure und Bürgermeister sind mit ihren begrenzten Mitteln alleine
gelassen. An die Stelle von politischem Diskurs ist die nackte Gewalt
getreten. Wo die Fahrt ab jetzt hingeht, kann niemand vorhersehen. Sicher
scheint allein: Es wird kein Happy End geben.
Dabei ist Minneapolis nur eine Etappe. Trump hat gezeigt, dass er eine
demokratische Stadt nach der anderen in die Knie zwingen möchte. In den
vergangenen Tagen kursierten bereits Meldungen von ICE-Verstärkungen in
Maine und Massachusetts. Amerika ist in eine Spirale geraten, aus der kein
guter Ausweg mehr zu erkennen ist. Nichts ist mehr sicher. Alles ist
möglich.
25 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Erschiessung-von-Renee-Nicole-Good/!6140212
(DIR) [2] /Naechster-Toter-in-Minneapolis/!6148375
(DIR) [3] /Wieder-toedliche-Schuesse-in-Minneapolis/!6148489
## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
## TAGS
(DIR) Minneapolis
(DIR) USA
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) ICE
(DIR) Minnesota
(DIR) Polizeigewalt
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Minneapolis
(DIR) Minneapolis
(DIR) Minnesota
(DIR) USA
(DIR) ICE
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Chef aus Minneapolis abgezogen: Ein bisschen weniger ICE
Der ICE-Kommandant Greg Bovino ist aus Minneapolis abgezogen worden. Die
Einwanderungsbehörde soll weiter agieren, aber weniger auffällig.
(DIR) Ermordung von Alex Pretti in Minneapolis: Die Kamera als Waffe
Alex Pretti filmte einen ICE-Einsatz und bezahlte mit seinem Leben. Warum
Handykameras die Lügen entlarven und staatliche Gewalt sichtbar machen.
(DIR) Tödliche ICE-Schüsse: Kritik an Trump-Regierung wächst
Die Proteste in Minneapolis gehen nach der Tötung von Alex Pretti weiter.
Mittlerweile fordern sogar Republikaner eine unabhängige Untersuchung.
(DIR) Tödliche Schüsse in Minneapolis: Auch Deutschland ist im Abschiebewahn
Deutsche Politiker empören sich über das Vorgehen der ICE-Beamten in den
USA. Aber so sehr unterscheidet sich die deutsche Abschiebepolitik nicht.
(DIR) Tödliche Schüsse in Minneapolis: Auch Republikaner fordern lückenlose Untersuchung
Am Samstag erschossen ICE-Agenten den US-Bürger Alex Pretti. Die
Ex-Präsidenten Obama und Clinton kritisieren das Vorgehen der
Trump-Regierung.
(DIR) Wintersturm in den USA: Mehrere Tote, eine Million US-Haushalte ohne Strom
Ein arktischer Wintersturm legt weite Teile der USA lahm: Mindestens 13
Tote, über eine Million Haushalte waren zeitweise ohne Strom.
(DIR) Tödliche ICE-Schüsse: Kriegsstimmung in Minneapolis
Nach der Erschießung von Alex Pretti durch ICE-Agenten breitet sich in
Minneapolis Zorn aus. Die Furcht vor einer weiteren Eskalation wächst.
(DIR) Proteste gegen US-Einwanderungspolitik: Minneapolis fordert Trump heraus
Gewerkschaften, NGOs und Kirchenvertreter hatten am Freitag zum Streik
gegen das brutale Vorgehen von ICE aufgerufen. Am Flughafen der Stadt
wurden rund 100 protestierende Geistliche festgenommen.
(DIR) ICE und Aufstandsgesetz in Minnesota: US-Militär könnte nach Minneapolis kommen
Der US-Präsident droht mit einem Gesetz, das den Einsatz der Armee im
Inland erleichtern würde. Eine Richterin hat die Kompetenzen von
ICE-Agenten eingeschränkt.