# taz.de -- Tödliche Schüsse in Minneapolis: Auch Republikaner fordern lückenlose Untersuchung
       
       > Am Samstag erschossen ICE-Agenten den US-Bürger Alex Pretti. Die
       > Ex-Präsidenten Obama und Clinton kritisieren das Vorgehen der
       > Trump-Regierung.
       
 (IMG) Bild: Minneapolis am 24. Januar: Menschen versammeln sich in Gedenken an Alex Pretti
       
       Nach den [1][tödlichen Schüssen auf den US-Bürger Alex Pretti] in
       Minneapolis werden die Rufe nach umfassenden Ermittlungen zu dem Fall auch
       unter den Republikanern lauter. Der Vorsitzende des Ausschusses für
       Heimatschutz im Repräsentantenhaus, Andrew Garbarino, forderte am Sonntag,
       dass die Leitungen der Einwanderungsbehörde ICE, der Grenzschutzbehörde CBP
       und der zentralen Ausländerbehörde USCIS Rede und Antwort stehen sollten.
       „Meine oberste Priorität bleibt, die Amerikaner zu schützen“, erklärte der
       Republikaner zur Begründung.
       
       Der republikanische Senator Bill Cassidy aus Louisiana schrieb in den
       sozialen Medien, die tödlichen Schüsse in Minneapolis seien „äußerst
       verstörend“. Die Glaubwürdigkeit von ICE und Heimatschutzministerium stehe
       auf dem Spiel. Es müsse eine umfassende gemeinsame Untersuchung auf Bundes-
       und Staatsebene geben. Sein Senatskollege Thom Tillis drang ebenfalls auf
       „gründliche und unparteiische“ Ermittlungen und äußerte Kritik an der
       Reaktion der Bundesregierung auf den Vorfall. „Jeder Regierungsvertreter,
       der vorschnell urteilt und versucht, eine Untersuchung noch vor ihrem
       Beginn abzuwürgen, erweist der Nation und dem Vermächtnis von Präsident
       Trump einen enormen Bärendienst.“ (ap)
       
       ## Senatorin: „ICE-Agenten haben keinen Freibrief“
       
       Die Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska, die seit langem als eine der
       wenigen Trump-kritischen Stimmen unter den Republikanern gilt, mahnte
       ebenfalls eine Untersuchung an und betonte: „ICE-Agenten haben bei der
       Ausübung ihrer Aufgaben keinen Freibrief.“ Ihre Kollegin Susan Collins aus
       Maine erklärte, eine Untersuchung sei notwendig, „um festzustellen, ob in
       einer Situation, die möglicherweise ohne Gewalt hätte entschärft werden
       können, übermäßige Gewalt angewandt wurde“. Zugleich rief Collins
       Demonstrierende dazu auf, „Abstand“ zu den Sicherheitskräften zu halten und
       diese nicht zu behindern.
       
       Selbst Senator Pete Ricketts, ein überzeugter Verbündeter Trumps, sprach
       sich in einem Post für eine „vorrangige, transparente“ Untersuchung aus.
       „Meine Unterstützung für die Finanzierung von ICE bleibt unverändert. Aber
       wir müssen auch unsere grundlegenden Werte als Nation bewahren,
       einschließlich des [2][Rechts zu protestieren] und sich zu versammeln“,
       ergänzte der Republikaner aus Nebraska.
       
       Der republikanische Gouverneur von Oklahoma, Kevin Stitt, nannte den
       Schusswaffenvorfall in Minneapolis im Nachrichtensender CNN eine „wirkliche
       Tragödie“. Trump müsse klarstellen, was das „Endziel“ sei. „Niemand mag es,
       wenn Bundesbehörden in ihren Staat kommen. Und daher stellt sich jetzt die
       Frage: Was ist das Ziel? Soll wirklich jeder einzelne Nicht-US-Staatsbürger
       abgeschoben werden? Ich glaube nicht, dass dies das ist, was die Amerikaner
       wollen.“
       
       [3][Bei Protesten gegen das harte Vorgehen der Bundesbehörden ICE] und CBP
       gegen Migranten in Minneapolis wurde der 37-jährige Pretti am Samstag von
       einem Beamten der United States Border Patrol erschossen. Die Border Patrol
       ist der Polizeiverband der Grenzschutzbehörde CBP, die wiederum dem
       Heimatschutzministerium unterstellt ist. Pretti war als Pfleger auf der
       Intensivstation eines Veteranenkrankenhauses tätig. (ap)
       
       ## Bovino sieht Schuld bei Pretti
       
       Das Heimatschutzministerium teilte mit, Pretti habe sich dem Beamten mit
       einer Waffe genähert und „gewaltsam widersetzt“. Gregory Bovino, ein
       ranghoher Vertreter der Border Patrol, sah die Schuld für die Eskalation
       beim Getöteten. „Wenn sich jemand bewusst entscheidet, sich in eine
       laufende polizeiliche Einsatzlage zu begeben, Beamte zu stören, zu
       behindern, aufzuhalten oder anzugreifen – und dabei auch noch eine Waffe
       mitbringt –, dann ist das eine Entscheidung, die diese Person selbst
       getroffen hat“, sagte Bovino bei einem Auftritt in einem Bundesgebäude in
       Minneapolis vor Reportern.
       
       Lokale Behörden und die Familie des Mannes widersprechen der Darstellung.
       In Videos von Augenzeugen ist Pretti mit einem Handy in der Hand zu sehen;
       in keiner der Aufnahmen ist eine Waffe zu erkennen. Der Polizeichef von
       Minneapolis, Brian O'Hara, sagte, die Polizei glaube, er sei ein
       rechtmäßiger Waffenbesitzer mit einer Erlaubnis zum Führen einer Waffe
       gewesen.
       
       „Auf welcher Seite wollt ihr sein?“, fragte Minnesotas Gouverneur Tim Walz.
       „Auf der Seite einer allmächtigen Bundesregierung, die ihre Bürger auf den
       Straßen töten, verletzen, bedrohen und entführen kann, oder auf der Seite
       eines Krankenpflegers in einer Veteranenklinik, der (das Vorgehen) einer
       solchen Regierung bezeugte und dabei starb?“, ergänzte der Demokrat Walz.
       
       Trump erhöhte am Sonntag den Druck auf die in Minnesota regierenden
       Demokraten und forderte sie auf, mit seiner Regierung beim Vorgehen gegen
       illegale Migration „formal zu kooperieren“. Der US-Kongress solle zudem
       sogenannte Sanctuary Cities verbieten. Dabei handelt es sich um
       US-Kommunen, die eine Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bei der
       Durchsetzung der Migrationspolitik einschränken oder ganz verweigern. (ap)
       
       ## Obama und Clinton verurteilen Vorgehen
       
       US-Präsident Trump hat den Demokraten die Schuld an den Vorfällen gegeben.
       „Tragischerweise haben zwei US-Bürger infolge dieses von den Demokraten
       verursachten Chaos ihr Leben verloren“, erklärte Trump am Sonntag
       (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. Die früheren US-Präsidenten
       Barack Obama und Bill Clinton kritisierten Trumps Vorgehen derweil scharf.
       
       Obama und seine Ehefrau Michelle verurteilten die tödlichen Polizeischüsse
       auf einen 37-Jährigen in Minneapolis: „Die Tötung von Alex Pretti ist eine
       herzzerreißende Tragödie“, schrieben sie in einer gemeinsamen Erklärung.
       „Sie sollte auch ein Weckruf für jeden Amerikaner unabhängig von
       Parteizugehörigkeit sein, dass viele unserer zentralen Werte als Nation
       zunehmend angegriffen werden.“
       
       Bundespolizisten und Einwanderungsbeamte hätten einen „harten Job“,
       erklärte Obama weiter. „Aber die Amerikaner erwarten von ihnen, dass sie
       ihre Pflichten rechtmäßig und verantwortlich erfüllen.“ Im Bundesstaat
       Minnesota, in dem Minneapolis liegt, sei aber das „Gegenteil“ zu sehen.
       
       Seit Wochen würden „maskierte“ Beamte der Einwanderungsbehörde ICE und
       anderer Polizeibehörden mit „Straffreiheit“ agieren und dabei Taktiken
       verfolgen, die offenbar darauf ausgelegt seien, Bürger „einzuschüchtern, zu
       schikanieren, zu provozieren und in Gefahr zu bringen“, schrieb Obama.
       Trump und Mitglieder seiner Regierung würden dabei offenbar versuchen, „die
       Situation zu eskalieren“.
       
       Der Politiker der Demokratischen Partei verwies insbesondere auf Angaben
       der Trump-Regierung zu den tödlichen Schüssen auf Renee Good am 7. Januar
       und Alex Pretti am Samstag in Minneapolis. Die Angaben würden nicht auf
       „ernsthaften Ermittlungen“ basieren und vielmehr von Videoaufnahmen
       widerlegt.
       
       Obama, der die USA zwischen 2009 und 2017 regiert hatte, rief alle
       US-Bürger dazu auf, sich an den „friedlichen Protesten in Minneapolis“ ein
       Beispiel zu nehmen.
       
       Auch der frühere US-Präsident Clinton, der von 1993 bis 2000 im Weißen Haus
       saß, rief die US-Bürger auf, sich zur Wehr zu setzen. „Es liegt an all
       jenen von uns, die an das Versprechen der amerikanischen Demokratie
       glauben, aufzustehen und unsere Stimme zu erheben“, erklärte er. Clinton
       warf zudem der US-Regierung vor, „uns anzulügen“. (afp)
       
       26 Jan 2026
       
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