# taz.de -- Proteste gegen US-Einwanderungspolitik: Minneapolis fordert Trump heraus
       
       > Gewerkschaften, NGOs und Kirchenvertreter hatten am Freitag zum Streik
       > gegen das brutale Vorgehen von ICE aufgerufen. Am Flughafen der Stadt
       > wurden rund 100 protestierende Geistliche festgenommen.
       
 (IMG) Bild: „Wenn wir nicht kämpfen, gewinnt der Faschismus“, so ein Demonstrant gegenüber der Nachrichtenagentur AFP
       
       afp/ap | Nach der Festnahme eines fünfjährigen Jungen durch ICE-Beamte
       haben in der US-Metropole Minneapolis erneut tausende Menschen gegen die
       Einwanderungspolitik von [1][US-Präsident Donald Trump] und das brutale
       Vorgehen der Einwanderungsbehörde protestiert. Gewerkschaften, progressive
       Organisationen und Geistliche hatten die Einwohner des Bundesstaats
       Minnesotas dazu aufgerufen, ihren Arbeitsplatz, Schulen und Geschäfte zu
       meiden.
       
       Die Organisatoren erklärten am Freitagmorgen, dass mehr als 700 Unternehmen
       aus Solidarität mit der Bewegung geschlossen hätten – von einer
       Buchhandlung im kleinen Grand Marais nahe der kanadischen Grenze bis hin
       zum traditionsreichen Guthrie Theater in der Innenstadt von Minneapolis.
       Einige Betriebe öffneten symbolisch und gaben Waren kostenlos aus.
       
       „Wir erreichen hier etwas Historisches“, sagte Kate Havelin von Indivisible
       Twin Cities, eine der mehr als 100 beteiligten Gruppen.
       
       Insbesondere in Minneapolis blieben zahlreiche Restaurants und Läden
       anlässlich des Protesttages dicht, dutzende Demonstranten wurden
       festgenommen. Zuvor hatte bereits der Tod der unbewaffneten Autofahrerin
       Renee Good durch Schüsse eines ICE-Beamten für Entrüstung und Proteste
       gesorgt.
       
       Bei Temperaturen von bis zu minus 23 Grad Celsius marschierten
       Demonstranten durch die Stadt und skandierten Parolen wie „ICE raus“. Ein
       Demonstrant, der anonym bleiben wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP,
       er marschiere mit, denn „wenn wir nicht kämpfen, gewinnt der Faschismus.“
       Er hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift „Fünf Jahre alt, Mensch“ –
       womit er sich auf das Alter des festgenommenen Kindes bezog.
       
       Die Einwanderungsbehörde sei „brutal“ und halte sich nicht an das Gesetz,
       kritisierte ein anderer Demonstrant, der nur seinen Vornamen Aron nannte.
       
       ## Protest von Geistlichen gegen Abschiebeflüge
       
       Die Polizei nahm am Minneapolis-St.Paul International Airport, dem größten
       Flughafen des Bundesstaats Minnesota, rund 100 Geistliche fest. Die
       Kirchenvertreter hatten sich dort versammelt, um gegen Abschiebeflüge zu
       protestieren und die Fluggesellschaften aufzufordern, sich den Maßnahmen
       des Heimatschutzministeriums entgegenzustellen.
       
       Die Geistlichen erhielten Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen
       Hausfriedensbruchs und Nichtbefolgung polizeilicher Anweisungen und wurden
       anschließend wieder freigelassen, erklärte Jeff Lea, Sprecher der
       Metropolitan Airports Commission. Sie wurden vor dem Hauptterminal des
       Flughafens festgenommen, weil sie über den erlaubten Bereich ihrer
       Demonstration hinausgegangen seien und den Flugbetrieb gestört hätten, hieß
       es.
       
       Pfarrerin Mariah Furness Tollgaard von der Hamline Church in St. Paul
       sagte, die Polizei habe sie aufgefordert zu gehen, doch sie und andere
       hätten beschlossen, zu bleiben und sich festnehmen zu lassen, um Migranten
       zu unterstützen – darunter auch Mitglieder ihrer Gemeinde, die Angst
       hätten, ihre Häuser zu verlassen. Nach ihrer kurzen Inhaftierung plante
       sie, in ihre Kirche zurückzukehren, um eine Gebetswache abzuhalten. „Wir
       können nicht hinnehmen, dass Minnesota unter dieser Bundesbesatzung lebt“,
       sagte Tollgaard.
       
       ## UN-Menschenrechtskommissar bestürzt über Vorgehen von ICE
       
       Neu angefacht wurde die Wut der Demonstranten durch die Festnahme des
       fünfjährigen Liam Conejo Ramos. Fotos des offensichtlich verängstigten
       Jungen mit blauer Hasenohren-Mütze, der von einem ICE-Beamten am Rucksack
       festgehalten wird, lösten Empörung aus.
       
       Nach Angaben von Liams Vorschule wurden der Junge und sein aus Ecuador
       stammender Vater am Dienstag in der Einfahrt ihres Hauses festgenommen.
       Anschließend sei der Junge von den Beamten als „Köder“ eingesetzt worden,
       um weitere Menschen aus dem Haus zu locken.
       
       Politikerinnen der oppositionellen Demokraten wie die frühere
       Vizepräsidentin Kamala Harris und Ex-Außenministerin Hillary Clinton
       verurteilten das Vorgehen der Behörde. UN-Menschenrechtskommissar Volker
       Türk äußerte sich am Freitag „bestürzt über die inzwischen alltägliche
       Misshandlung und Herabwürdigung von Migranten und Flüchtlingen“ in den
       Vereinigten Staaten.
       
       US-Vizepräsident JD Vance sagte dagegen bei einem Besuch in Minneapolis,
       der Vater des Jungen sei vor den ICE-Beamten „weggelaufen“. Die Beamten
       hätten sich daher um den Jungen kümmern müssen, damit er nicht „erfriert“.
       Nach Angaben der Behörden in Minneapolis wurden allein in einem Schulbezirk
       der Stadt in diesem Monat neben Liam bereits drei weitere Kinder von den
       Einwanderungsbehörden festgenommen.
       
       Adrian Conejo Arias, der Vater von Liam, wurde laut einer ICE-Datenbank in
       ein Haftzentrum in Texas gebracht. Der Aufenthaltsort von Minderjährigen
       ist in der Datenbank nicht aufgeführt.
       
       Gregory Bovino, ein hochrangiger Beamter der Grenzpolizei, verteidigte das
       Vorgehen seiner Leute und erklärte, „dass wir Experten im Umgang mit
       Kindern sind“.
       
       Der ICE-Kommandeur Marcos Charles versicherte, die Beamten hätten alles
       getan, um Liam wieder mit seiner Familie zu vereinen. Dessen Familie habe
       sich jedoch geweigert, ihm die Tür zu öffnen. Die ICE-Beamten seien mit dem
       Jungen in einem Restaurant essen gegangen, damit es ihm an nichts fehle.
       Charles fügte hinzu, die Festgenommenen seien illegal in die USA eingereist
       und würden „bis zum Abschluss ihres Einwanderungsverfahrens“ inhaftiert
       bleiben.
       
       In der US-Metropole hat der Tod der unbewaffneten Autofahrerin Renee Good
       am 7. Januar [2][die Proteste gegen ICE stark angefacht]. [3][Ein
       ICE-Beamter hatte die dreifache Mutter mit mehreren Schüssen ins Gesicht
       getötet]. Die Trump-Regierung stellte Good anschließend als „inländische
       Terroristin“ dar, die von dem Beamten in Notwehr getötet worden sei,
       nachdem sie ihn „überfahren“ habe. Videoaufnahmen zeigen aber, dass Good
       ihr Fahrzeug von dem ICE-Beamten wegsteuerte.
       
       Der Beamte, der Good erschossen hat, wurde nicht vom Dienst suspendiert.
       Gegen ihn wird nicht ermittelt.
       
       In der Stadt im Bundesstaat Minnesota sind seit Wochen tausende von
       ICE-Mitarbeitern im Einsatz, um die von Präsident Trump angeordneten
       Massenabschiebungen umzusetzen. Minneapolis zählt zu den [4][sogenannten
       Sanctuary Cities, die Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz
       gewähren] und nur begrenzt mit den Einwanderungsbehörden der
       Bundesregierung zusammenarbeiten.
       
       24 Jan 2026
       
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