# taz.de -- Tödliche ICE-Schüsse: Kriegsstimmung in Minneapolis
       
       > Nach der Erschießung von Alex Pretti durch ICE-Agenten breitet sich in
       > Minneapolis Zorn aus. Die Furcht vor einer weiteren Eskalation wächst.
       
 (IMG) Bild: Tränengas in den Straßen von Minneapolis nach der Tötung von Alex Pretti am 24. Januar
       
       Am Samstag erwachte Minneapolis noch in einer Stimmung der Hoffnung und der
       Einigkeit. [1][Der Generalstreik am Vortag hatte Zehntausende von Menschen
       friedlich auf den Straßen der Innenstadt zusammengebracht]. Das Gefühl,
       dass man mit Zusammenhalt der Invasion durch die Einwanderungspolizei ICE
       die Stirn würde bieten können, ging durch die Bevölkerung der geplagten
       Stadt. Doch am Sonntag wich all dies einem tiefen Zorn, der Erschöpfung und
       der Angst.
       
       An der [2][Nicollet Avenue], der Stelle, an welcher der Krankenpfleger
       [3][Alex Pretti am Samstagmorgen um 9 Uhr von ICE-Söldnern erschossen]
       wurde, entbrannte rasch eine Straßenschlacht. Wütende Anwohner gingen immer
       hitziger auf die ICE-Männer zu und ließen ihrer Frustration mit verbalen
       Attacken wie „Mörder“ und „Gestapo“ Luft. Die ICE-Truppen reagierten
       gewohnt aggressiv mit Tränengas, Nebelgranaten und Pfefferspray.
       
       Bis zum Nachmittag hatten die Demonstranten am Eingang der Straße, die
       sonst ein beliebtes Ziel für den Besuch lateinamerikanischer und
       asiatischer Lokale ist, Barrikaden errichtet. Sie trommelten auf Mülltonen
       und forderten den Abzug von ICE aus ihrer Stadt. Es lag Kriegsstimmung in
       der Luft.
       
       ## Die Angst ist überall
       
       Lee Stedman war in den [4][Wochen zuvor bei der „Rapid Response“ engagiert]
       – ein Netzwerk von Bürgern, die in den Vierteln der Stadt so gut wie
       möglich ICE überwachen und behindern. Minneapolis befinde sich nun im
       Zustand einer offenen militärischen Besetzung, sagte er. Die Ermordung von
       Pretti sei ein deutliches Zeichen dafür, dass ICE es darauf anlege, die
       Situation zu eskalieren. Die Brutalität und Kaltschnäuzigkeit der Männer,
       die Pretti erschossen haben, sei schon in den Tagen zuvor spürbar geworden.
       ICE mache sich nicht einmal mehr die Mühe, sich zu maskieren. Darüber
       hinaus seien sie dabei, die Proteste zu infiltrieren und den Widerstand von
       innen zu bekämpfen.
       
       Das Gefühl des Vortages, dass die friedliche Macht der Straße etwas
       ausrichten kann, wich der Angst. „Die Menschen trauen sich nicht mehr auf
       die Straße“, sagte [5][die Rabbinerin Marcia Zimmerman] gegenüber dem
       [6][Minneapolis Star Tribune]. „Sie haben sogar in ihren eigenen Häusern
       Angst.“
       
       In der Stadt wächst die Furcht vor einem offenen bewaffneten Konflikt.
       Immer mehr Menschen tragen, wie der ermordete Pretti, Waffen – was in
       Minnesota erlaubt ist. Der Gouverneur von Minnesota, [7][Tim Walz], hat die
       Nationalgarde mobilisiert. Und die Drohung Trumps, unter Berufung auf den
       „Insurrection Act“ das Militär zu entsenden, hängt noch immer in der Luft.
       Jacob Frey, Bürgermeister von Minneapolis, sprach in einem Interview über
       die Möglichkeit einer offenen Auseinandersetzung zwischen der Polizei und
       ICE.
       
       ## Trumps persönliche Schutzstaffel
       
       Stephen Marche, Autor eines Buches über die Möglichkeit eines neuen
       Bürgerkrieges in den USA, beschrieb die Situation so: „Man hat mit ICE eine
       persönliche Schutzstaffel von Trump, die darauf aus ist, so brutal wie
       möglich zu sein.“ Dazu käme eine schlecht ausgebildete Polizei und eine
       Nationalgarde, die aus Feierabendsoldaten bestehe. „Aber alle sind bis an
       die Zähne bewaffnet und niemand weiß genau, wo die Loyalitäten liegen.“
       
       „Die Kommandantur der Polizei steht auf der Seite der Menschen von
       Minneapolis. Aber viele Straßencops sind Trumpanhänger“, sagte Adam Levy,
       Aktivist aus Minneapolis. Die Situation sei ein Pulverfass, niemand habe
       das Kommando. Der Staatssenator von Minneapolis, Mike Wiener, meinte: „Da
       ist niemand, der das stoppt. Es ist kein Erwachsener zu Hause.“
       
       25 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Proteste-gegen-US-Einwanderungspolitik/!6148366
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/reel/DT6WAPlCdD9/
 (DIR) [3] /Wieder-toedliche-Schuesse-in-Minneapolis/!6148489
 (DIR) [4] https://de.crimethinc.com/2026/01/15/rapid-response-networks-in-the-twin-cities-a-guide-to-an-updated-model
 (DIR) [5] https://mspmag.com/arts-and-culture/twin-citian-rabbi-marcia-zimmerman/
 (DIR) [6] https://www.startribune.com/ice-minneapolis-shooting-fear-tension/601570137
 (DIR) [7] /Rueckzug-aus-Gouverneurswahl-in-Minnesota/!6143461
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sebastian Moll
       
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