# taz.de -- ICE und Aufstandsgesetz in Minnesota: US-Militär könnte nach Minneapolis kommen
       
       > Der US-Präsident droht mit einem Gesetz, das den Einsatz der Armee im
       > Inland erleichtern würde. Eine Richterin hat die Kompetenzen von
       > ICE-Agenten eingeschränkt.
       
 (IMG) Bild: Demonstrierende vor dem Minnesota State Capitol, 14. Januar 2026
       
       US-Präsident Donald Trump hat damit gedroht, das Militär nach Minnesota zu
       schicken, um die dortige Situation unter Kontrolle zu bringen. Als Grund
       nannte er die anhaltenden Proteste in Minneapolis, nachdem ein Beamter der
       Einwanderungsbehörde ICE vor etwas mehr als einer Woche [1][eine dreifache
       Mutter getötet hatte].
       
       „Wenn die korrupten Politiker in Minnesota das Gesetz nicht befolgen und
       die professionellen Aufwiegler und Aufständischen nicht davon abhalten, die
       Patrioten der Einwanderungsbehörde ICE anzugreifen, die lediglich
       versuchen, ihre Arbeit zu tun, werde ich das Aufstandsgesetz (Insurrection
       Act) in Kraft setzen“, schrieb Trump am Donnerstag auf Truth Social.
       
       Der Insurrection Act ist ein selten angewendetes Gesetz, das es dem
       Präsidenten erlaubt, das US-Militär auch im eigenen Land einzusetzen.
       Normalerweise bräuchte es dafür die Zustimmung des Kongresses, doch das
       Gesetz aus dem 19. Jahrhundert gibt dem Präsidenten das Recht, bei
       bestimmten Gegebenheiten auch im Alleingang zu handeln.
       
       Dazu zählen die Bekämpfung von Aufständen und Rebellionen, ausufernde
       Gewalt oder die Durchsetzung bundesstaatlicher Gesetze. Da keine dieser
       Beweggründe im Gesetz genauer definiert wird, hat der Präsident einen
       gewissen Spielraum.
       
       ## Gesetz zuletzt 1992 angewandt
       
       Heimatschutzministerin Kristi Noem bestätigte Gespräche mit Trump über das
       Aufstandsgesetz. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses,
       Mike Johnson, erklärte gegenüber Journalisten, dass „Minnesota außer
       Kontrolle sei“. Er behauptete, lokale Amtsträger würden die Gewalt
       gegenüber ICE-Agenten schüren.
       
       Der demokratische Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, erklärte
       hingegen, das Militär würde die Situation nur verschlimmern. „Minnesota
       braucht den Abzug von ICE, nicht eine Eskalation, die zusätzliche Truppen
       über die bereits hier stationierten 3.000 hinaus mit sich bringt“, schrieb
       der 44-Jährige auf X. Trump hatte 2025 mehrmals damit gedroht, den
       Insurrection Act auszurufen, um Gewalt in US-Städten unter Kontrolle zu
       bringen. Dazu kam es bislang nicht.
       
       Zuletzt kam das Aufstandsgesetz 1992 zum Einsatz, als Ex-Präsident George
       H. W. Bush es ausrief, um Aufstände in Los Angeles niederzuschlagen. Anlass
       waren gewaltsame Proteste nach dem Freispruch mehrerer Polizisten, die
       dabei gefilmt worden waren, wie sie den Afroamerikaner Rodney King brutal
       zusammenschlugen.
       
       Auch die Präsidenten Dwight Eisenhower, John F. Kennedy und Lyndon B.
       Johnson nutzten das Gesetz während der Bürgerrechtsbewegung, um Südstaaten
       zur Beendigung der Rassentrennung an Schulen und anderen öffentlichen
       Einrichtungen zu bewegen.
       
       ## Zweiter ICE-Vorfall innerhalb weniger Tage
       
       Trumps Drohung kam nur wenige Stunden nach einem zweiten Zwischenfall: Am
       Mittwochabend kam es laut Regierungsangaben zu einer Verfolgungsjagd und
       einem Gerangel mit einer verdächtigen Person. Dabei schoss ein ICE-Beamter
       dem Flüchtigen ins Bein.
       
       Das Heimatschutzministerium identifizierte die Person als Julio Cesar
       Sosa-Celis, der überlebte und sich im Krankenhaus befindet. Laut
       Trump-Administration halte er sich seit 2022 illegal im Land auf.
       
       Die US-Justizbehörde soll laut Medienberichten eine Untersuchung gegen
       Bürgermeister Frey und Minnesotas Gouverneur Tim Walz aufgenommen haben.
       Beiden wird vorgeworfen, die Operationen der Einwanderungsbehörden zu
       behindern.
       
       Derweil hat ein US-Bundesgericht der Einwanderungsbehörde ICE strenge
       Vorgaben im Umgang mit gewaltfreien Protestaktionen im Bundesstaat
       Minnesota gemacht. Friedliche Demonstrierende dürfen danach weder
       festgenommen noch mit Pfefferspray oder anderen nicht-tödlichen
       Einsatzmitteln angegangen werden. Dies hat Richterin Katherine Menendez am
       Freitag entschieden.
       
       ## Kompetenzen von ICE-Agenten eingeschränkt
       
       Zudem dürfen Bundesbeamte Fahrzeuge in der Nähe von Protesten nur bei
       konkretem Verdacht auf eine Behinderung ihrer Einsätze anhalten oder
       kontrollieren; pauschale Kontrollen sind unzulässig. Menendez verwies auf
       Berichte über aggressives Vorgehen von ICE-Kräften, wobei
       verfassungsrechtlich garantierte Rechte verletzt worden sein könnten.
       
       Walz erklärte auf X, die Trump-Regierung missbrauche das Justizministerium
       als Waffe gegen politische Gegner. „Die einzige Person, gegen die im
       Zusammenhang mit den Schüssen auf Renee Good nicht ermittelt wird, ist der
       ICE-Agent, der die Schüsse abgab“, sagte er und spielte damit auf den
       tödlichen Vorfall vom 7. Januar an.
       
       An jenem Tag tötete ICE-Agent Jonathan Ross [2][die 37-jährige Renee Good
       mit mehreren Schüssen]. Dies führte zu einer Eskalation in der Stadt, die
       aufgrund großangelegter ICE-Razzien bereits angespannt war. Proteste gegen
       ICE und andere Bundesbehörden in Minneapolis und der Nachbarstadt St. Paul
       gehören seither zur Tagesordnung.
       
       17 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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