# taz.de -- Tödliche ICE-Schüsse: Kritik an Trump-Regierung wächst
> Die Proteste in Minneapolis gehen nach der Tötung von Alex Pretti weiter.
> Mittlerweile fordern sogar Republikaner eine unabhängige Untersuchung.
(IMG) Bild: Friedlich: Ein Demonstrant sitzt am Samstag mit erhobenen Armen auf der Straße vor ICE-Beamten in Minneapolis
[1][Der Tötung eines zweiten US-Bürgers durch einen Beamten der
amerikanischen Einwanderungsbehörden ICE] hat die Kritik am Vorgehen der
US-Regierung weiter verschärft. Präsident Donald Trump und sein Team
versuchen indes, den tragischen Tod des 37-jährigen Krankenpflegers Alex
Pretti mit falschen Behauptungen zu rechtfertigen.
Sie geben Pretti selbst und den demokratischen Politikern in Minnesota die
Schuld. Doch Videoaufnahmen des Vorfalls, die tausendfach geteilt wurden,
widerlegen die Darstellung der Regierung.
Vielleicht deshalb hinterfragen inzwischen auch einige Republikaner die
offizielle Version. Die Senatoren Bill Cassidy und Thom Tillis, beide enge
Trump-Verbündete, forderten eine unabhängige Untersuchung der tödlichen
Schüsse.
Cassidy warnte, die Glaubwürdigkeit der Einwanderungsbehörde ICE und des
Heimatschutzministeriums DHS stehe auf dem Spiel. Der Abgeordnete James
Comer schlug vor, die Beamten aus Minnesota abzuziehen und in andere Städte
zu verlegen.
## Mehrheit der Republikaner schweigt jedoch
„Wenn der Bürgermeister (von Minneapolis) und der Gouverneur (von
Minnesota) unsere ICE-Beamten nicht unterstützen und die Gefahr besteht,
dass weitere unschuldige Menschenleben verloren gehen, dann sollten wir
vielleicht in eine andere Stadt gehen und die Einwohner von Minneapolis
entscheiden lassen: Wollen wir weiterhin all diese illegalen Einwanderer in
unserer Stadt haben?“, sagte der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses im
Repräsentantenhaus.
[2][Auch Senatorin Lisa Murkowski aus Alaska machte in einem Post auf X
klar], dass die Tötung von Pretti durch einen Agenten der
Grenzschutzbehörde CBP „ernsthafte Fragen aufwerfe“. Die Senatorin aus
Alaska fügte hinzu, dass Agenten bei der „Ausübung ihrer Pflichten keinen
unbeschränkten Freifahrtschein“ hätten.
Die Mehrheit der Republikaner schweigt jedoch oder stellt sich hinter
Trump. Der republikanische Abgeordnete Jeff Van Drew aus New Jersey sagte
gegenüber Fox News: „Friedliche Demonstranten tragen keine
9-Millimeter-Waffen mit zwei zusätzlichen Magazinen bei sich.“
Die Regierung versucht, Pretti als angeblichen „Terroristen“ und
„Attentäter“ darzustellen, der vorgehabt hätte, Bundesbeamte zu
massakrieren. Allerdings gibt es dafür keinerlei Beweise. Pretti hatte
keinerlei Vorstrafen und besaß einen legalen Waffenschein.
Neben der Kritik, dass Pretti mit einer geladenen Waffe die Beamten verbal
konfrontierte, gibt Trump auch den demokratischen Politikern in Minnesota
Schuld an dem tödlichen Ausgang. Der US-Präsident erklärte am Sonntag in
einem Post auf Truth Social, sein Wahlsieg 2024 gebe ihm das Mandat, die
größte Massenabschiebung in der Geschichte der USA durchzuführen.
## Trump: Problem sind die Demokraten-Städte
„Diese Abschiebungsoperation ist im Gange, und in von Republikanern
regierten Städten und Bundesstaaten verlaufen diese Operationen friedlich
und reibungslos, da die örtlichen Strafverfolgungsbehörden mit ihren
Bundeskollegen zusammenarbeiten dürfen“, schrieb der US-Präsident.
Trump nannte mehrere Beispiele, wo dies der Fall sei. Er forderte die
Republikaner im Kongress auf, die Politik der Sanctuary Cities zu beenden.
Dies sind meist demokratisch geführte Städte, in denen lokale Behörden die
Zusammenarbeit mit Bundesbehörden in Einwanderungsfragen verweigern. Er
bezeichnet Sanctuary Cities als die „Wurzel aller dieser Probleme“.
Der Druck auf die Regierung wächst jedoch. [3][Laut einer YouGov-Umfrage]
halten fast die Hälfte der Befragten Prettis Tod für nicht gerechtfertigt,
nur 20 Prozent sehen kein Fehlverhalten.
## Art der Untersuchung noch unklar
In einem Interview mit dem Wall Street Journal erklärte Trump am
Sonntagabend, dass man den tödlichen Vorfall „umfassend untersuchen“ werde.
Auch stellte er den Abzug der Truppen aus Minnesota in Aussicht.
Wie diese Untersuchung aussehen wird, ist unklar. Aktuell führt die
Untersuchungseinheit von DHS, bekannt als HSI, zusammen mit dem FBI die
Untersuchungen an. Lokale Behörden wurden, wie schon im Fall Renee Good,
nicht einbezogen. Minnesotas Gouverneur Tim Walz fordert dennoch eine
Untersuchung auf Bundesstaatsebene, um die „Lügen“ der Regierung zu
entlarven. Ein Richter erließ eine Verfügung, die den Bundesbehörden
untersagt, Beweismittel im Fall Pretti zu vernichten oder zu verändern.
Eine Anhörung ist für Montagnachmittag angesetzt.
Die täglichen Proteste gegen ICE gingen trotz eisiger Temperaturen auch am
Sonntag unaufhörlich weiter. Auch Minnesotas Wirtschaftssektor hat sich für
eine „sofortige Deeskalation der Spannungen“ ausgesprochen. Mehr als 60
Firmen und Unternehmen forderten in einem offenen Brief „Frieden und eine
gezielte Zusammenarbeit zwischen lokalen, bundesstaatlichen und föderalen
Führungskräften“.
Für Montag wurden weitere Proteste erwartet.
26 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Naechster-Toter-in-Minneapolis/!6148375
(DIR) [2] https://x.com/lisamurkowski/status/2015511814025404442
(DIR) [3] https://x.com/YouGovAmerica/status/2015518096270708784
## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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