# taz.de -- Wieder tödliche Schüsse in Minneapolis: Eine Stadt unter Schock
> Nach dem Tod des 37-Jährigen Alex Pretti lässt ein Richter Beweismittel
> sichern. Die Eltern fordern Ermittlungen, die Regierung spricht von
> „Notwehr“.
(IMG) Bild: Landesweites Entsetzen und Trauer über den Tod von Alex Pretti: Mahnwache in Los Angeles
dpa afp | [1][Nach den tödlichen Polizeischüssen auf den 37-jährigen
Krankenpfleger Alex Pretti] gab es in Minneapolis neue Proteste. Am
Samstagabend versammelten sich trotz bitterer Kälte hunderte Menschen in
einem Park der Stadt im Norden der USA. An der Stelle, wo die Schüsse
fielen, legten Trauernde Blumen nieder und stellten Kerzen und Fotos auf.
Die Polizei ging erneut mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Auch in
mehreren anderen Städten, von New York bis Los Angeles, fanden
Trauerkundgebungen für Pretti und Proteste gegen das ICE-Vorgehen statt.
Erst am Freitag hatten in Minneapolis mehr als 10 000 Menschen auf den
eisigen Straßen [2][gegen die Anwesenheit der rund 3000 Bundesbeamten der
US-Einwanderungsbehörde protestiert], Restaurants und Geschäfte blieben
geschlossen. Die Schüsse auf Pretti waren bereits der zweite tödliche
Einsatz dort innerhalb von nicht einmal drei Wochen. Am 7. Januar hatte ein
Polizist der US-Einwanderungspolizei (ICE) [3][die unbewaffnete
Autofahrerin Renee Good erschossen]. Zuletzt sorgte dann die Festnahme
eines fünfjährigen Jungen durch ICE-Beamte für Empörung. Die
Trump-Regierung hat tausende Bundespolizisten nach Minneapolis geschickt,
um Ausländer ohne gültige Papiere festzunehmen und abzuschieben.
Minneapolis zählt zu den sogenannten „Sanctuary Cities“, die Migranten ohne
Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und nur begrenzt mit den
Einwanderungsbehörden der Bundesregierung zusammenarbeiten.
Die Eltern des auf der Straße erschossenen 37-jährigen warfen den
Einsatzkräften vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund getötet zu haben. „Die
abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind
verwerflich und widerwärtig“, heißt es in einer Stellungnahme der Familie,
die von mehreren US-Medien verbreitet wurde. „Alex hält eindeutig keine
Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern
angegriffen wird.“ Er habe lediglich versucht, eine von einem Beamten zu
Boden gebrachte Frau zu schützen, dabei ein Handy in der Hand gehalten und
sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse fielen. Die
Wahrheit müsse ans Licht gebracht werden.
## Miller bezeichnet das Opfer als „Attentäter“
Das Heimatschutzministerium stellt den Fall als „Notwehr“ des Beamten dar:
Er habe das Feuer eröffnet, weil er „um sein Leben und das Leben und die
Sicherheit anderer Polizisten“ gefürchtet habe. Das Ministerium
veröffentlichte zudem ein Foto, das die halbautomatische
9-Millimeter-Pistole des Mannes zeigen soll. „Er war dort, um Gewalt zu
verbreiten“, erklärte Heimatschutzministerin Kristi Noem vor Journalisten
mit Blick auf den Getöteten. Der stellvertretende Stabschef des Weißen
Hauses, Stephen Miller, bezeichnete Pretti im Onlinedienst X als
„Attentäter“. Vizepräsident JD Vance teilte den Beitrag.
Ein nicht verifiziertes Video scheint hingegen zu zeigen, wie Pretti eine
Frau vor einem Tränengaseinsatz der Polizei zu schützen versucht – und dann
von einem Polizisten weggezerrt wird. Der Beamte zieht Pretti zu Boden und
mehrere Polizisten halten ihn dort fest. Laut dem Recherchekollektiv
Bellingcat ist bereits kurz vor dem ersten Schuss zu sehen, wie einer der
Beamten mit einer Pistole davonläuft, die der vom Heimatschutzministerium
veröffentlichten Waffe ähnelt. Dann schießen zwei Beamte offensichtlich mit
ihren Waffen, insgesamt werden „mindestens zehn Schüsse abgegeben“,
erklärte Bellingcat. Die meisten Schüsse fielen demnach, „als der Mann
bereits regungslos am Boden lag“.
Ein Richter in Minnesota hat nun eine einstweilige Verfügung zum Schutz der
Beweismittel erlassen. Den Bundesbehörden ist es dem Gerichtsdokument
zufolge untersagt, Beweismittel in Zusammenhang mit der Schussabgabe unter
Beteiligung von Bundesbeamten zu „zerstören oder zu verändern“.
Ausdrücklich gehe es auch um Beweismittel, die bereits vom Tatort entfernt
worden waren. Geklagt hatten die Behörden von Minnesota gegen die Regierung
von US-Präsident Donald Trump und deren untergeordnete Behörden wie das
Heimatschutzministerium. Die Behörden des Bundesstaates werfen den
Bundesbehörden vor, Beweismittel zurückzuhalten. Für diesen Montag, um
14.00 Uhr Ortszeit, ist eine Anhörung angesetzt.
## Trump attackiert Demokraten im Netz
Schon als die 37-jährige US-Bürgerin Renee Good Anfang Januar bei einem
ICE-Einsatz in Minneapolis in ihrem Auto erschossen worden war, bezeichnete
die Regierung das Vorgehen als „Notwehr“ eines Beamten in akuter
Lebensgefahr. Doch [4][auch damals zeichneten Videos ein anderes Bild].
Landesweit machte sich Empörung breit, Demonstranten und die
oppositionellen Demokraten sprachen – wie auch jetzt wieder – von völlig
überzogener Gewalt und mangelnder Transparenz bei der Aufarbeitung.
Gouverneur Walz forderte Trump nach dem Tod von Pretti erneut auf, den
Einsatz von US-Bundespolizisten zur Abschiebung von Migranten in
Minneapolis zu beenden. „Ziehen Sie die tausenden gewalttätigen, nicht
ausgebildeten Polizisten aus Minnesota ab. Jetzt“, schrieb Walz auf X. Er
forderte zudem, dass die tödlichen Schüsse von Ermittlern seines
Bundesstaates untersucht werden müssten. Auch der Bürgermeister von
Minneapolis, Jacob Frey, rief Trump auf, den Abschiebe-Einsatz zu beenden.
Es müsse „Frieden“ geschaffen werden. Die demokratische Abgeordnete Ilhan
Omar bezeichnete die tödlichen Polizeischüsse als „Hinrichtung“. Sie warf
Trump vor, Minneapolis in ein „Kriegsgebiet“ zu verwandeln.
Trump reagierte allerdings mit scharfen Attacken. Frey und Walz würden „mit
ihrer großspurigen, gefährlichen und arroganten Rhetorik zu einem Aufstand“
anstacheln, schrieb der Präsident auf seiner Onlineplattform Truth Social.
Allerdings kamen aus seiner Partei auch [5][vereinzelt andere Töne]: Der
republikanische Senator von Louisiana, Bill Cassidy, forderte eine
gemeinsame Untersuchung des „unglaublich beunruhigenden“ Vorfalls durch
lokale und Bundesbehörden. Er argumentierte damit, dass „die
Glaubwürdigkeit von ICE und DHS auf dem Spiel steht“.
25 Jan 2026
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